Der kleine Mathematiker.
(Eine Parabel)
Es begab sich zu einer Zeit, da machte sich ein kleiner Mathematiker so seine Gedanken zur Kunst und begann das malen, ..nur für sich in seinem kleinen Häuschen.
Eines Tages, zur Dämmerzeit, fand er auf seinem Dachboden eine kleine Kiste mit ganz anderen Farben wie die, die er bereits kannte.
Er setze sich, nahm eine Leinwand vor und schon legte er los.
Eines schönen Tages, war sein Werk vollendet.
Es gefiel ihm so gut, dass er beschloss sein Bild auch Anderen zu zeigen.
Da er aber keine anderen Künstler kannte, die sein Werk begutachten konnten, dachte er, such dir mal eine Künstlergruppe in der Nahen Umgebung.
Und so machte er sich auf den Weg.
Er kam an ein Haus, blieb stehen und las.
„Haus der freien Künste“. Da musste er richtig sein, ..er öffnete die Tür, und trat hinein.
Alle anwesenden Künstler schauten nur auf ihn.
Und schon machte der kleine Mathematiker auch alle gleich ganz Neugierig, denn er sagt, er hätte eine ganz besonderes Bild mit einer etwas anderen Kunst gemalt.
Andere Kunst, besonderes Bild, fragten Einige....
Dann zeig mal her, oder lass mal sehen, sagten Andere.
Der kleine Mathematiker öffnete voller Stolz das Laken, unter dem sein Bild verhüllt war.
Doch alle Künstler fragten nur, .......
Was, .das soll ein Bild sein ?
Ohjemineee, du hast ja überhaupt keine Ahnung wovon du redest.
Was soll das denn sein... 2 bunte Striche, ein farbloser Kreis, zwei gesprenkelte Dreiecke, Zahlen und Buchstaben...und dann diese Farben und der Striche und deine Pinsel, ....
Da passt ja gar nix zusammen....da ist nix wie es soll, ...nicht mal den goldenen Schnitt hast du beachtet,....das Bild ist totaler Murks.
Besser du gehst erstmal auf die Kunsthochschule und lernst dort die Grundlagen der Kunst bevor du uns hier sagen willst was schön, kreativ, harmonisch und stimmig ist.
Der kleine Mathematiker sagte, ..ok, ..ich kann nicht so gut malen wie ihr, und so kreativ wie ihr bin ich auch nicht, ..aber ein wenig weiß auch über Farben und Pinsel bescheid.
Aber eigentlich und für mein Bild das ich euch zeigte, reichen meine Künste erstmal auch, und durchaus, auch aus.
Doch die anderen Künstler antworteten nur, ..
Und außerdem, ..die Farben die du genommen hast, ..das sind nicht alles unsere Farben.
Wenn du also malen willst, dann mal mit unseren Farben, und unseren Pinseln.
Und lass deine Farben stecken.
Der kleine Mathematiker aber sagt, ..Ich kann und muss sogar auch euere Farben und Pinsel verwenden, aber bestimmte Striche sind halt nur mit meinen Farben und Pinseln zu erkennen.
Nur sie geben meinem Bild erst den Glanz.
Die Farbtöne euerer Farben sind zwar ähnlich, aber halt auch nur ähnlich, ..ich kann nur mit meinen Farben die Nuancen definieren, und so kann ich auch bestimmte Striche nur mit meinen Pinseln ziehen.
Aber ihr zwingt mich dazu nur die Eueren zu benutzen.
Und die Pinselkunde, Farblehre und Werkzeuge euerer Marke zu verwenden und zu erlernen.
Tja, . nun stand der kleine Mathematiker unter all den Künstlern, ..mit seinen Farben und Pinseln und seinem Bild, ....
Und fragte sich, warum nur er die Schönheit darin erkennen konnte.
Anscheinend oder vielleicht haben sie sein Bild ja auch nur nicht so genau betrachtet, oder verstanden, ...also gab sich der kleine Mathematiker große Mühe, den anderen Künstlern sein Bild zu beschreiben, ..und was er damit ausdrücken mag, .und warum er wie, und welche Farbkombinationen, verwendet hatte. Er redete von exakten mathematischen Zügen und Gleichungen die auf seinem Bild zu finden seien, ...aber ohne Erfolg.
Einige Künstler waren mit eigenen Bilder beschäftigt, und zeigten auch diese umher, während Andere sich zu einem weiteren Bild besprachen.
So schaute sich der kleine Mathematiker in Ruhe um, welche Bilder die Anderen denn so ausstellten und redete mit einigen der Künstlern.
Manche Bilder gefielen im, ..manche weniger, und bei einigen unfertigen, macht auch er mal einen Strich, dazu, ...oder er sagte, ..die Farbe passt da wirklich gut hin, gefällt mir sehr, ...
So tummelt er sich, lernte, beobachtete, versuchte zu ergänzen, ..und ab und an kam auch mal ein Künstler zu ihm, der sich sein Bild noch mal genauer ansehen wollte.
Das freute den kleinen Mathematiker natürlich sehr, und sogleich versuchte er, bei Farb -und Pinsel Wahl, und beim ersten Strich seines Bildes, zu beginnen.
Aber da ging es auch schon wieder los, ..denn die Farbe und der Strich hatten nichts mit ihrer Kunst gemein.
Und die Farbkombinationen brachten zusätzliche Stolpersteine in den Wegl.
Da erhob sich ein neuer unter den Künstlern, der vor kurzem hinzukam, und sagte, in aller Konsequenz und Kunsthochschulmanier, ..Diese Farbe gibt es nicht. Zeige mir die Rezeptur dafür wenn du willst dass ich sie erkenne.
Doch die kannte der kleine Mathematiker leider nicht, er hatte die Farben ja gefunden, und nicht selbst gemischt.
Hmm, dachte sich der kleine Mathematiker, ...und mischte nun aus den vorhandenen Farben der Künstler, einen Farbton der für ihn schon fast nah dran war, ..aber halt nur fast, ...
Und als er fertig war, sagte er, ..das ist "Brinzum", es sieht dem Lila ähnlich.
Doch auch das half nichts denn nun musste er hören wie Lila aus zu sehen hat.
Die sagten nur, mal wieder, ...
Nein, ..die ist nicht so wie deine Farbe, die sieht ganz anders aus.
Diese Farbe ist ein Gemisch aus unseren Farben. Das ist X% Weiß, X% Rot X% Blau, X% Grün und X% Schwarz!
Das sieht noch nichtmal aus wie Lila.
Diese Farbmischung ist klar definiert!
Man warf ihm Tubenweise Lila vor und sagt, ..schau, .das ist Lila, ..
Lila ist so definiert, so sieht Lila aus und so musst du auch Lila anmischen.
Als ob der kleine Mathematiker nicht wusste was Lila war, ..
Sein Brinzum war nur leider Lila, .es war eben Brinzum, ....nah am Lila dran, ...
aber das erkannten die Künstler nicht.
Nun dachte sich der neue Künstler, vielleicht,.. helfen wir doch dem armen kleinen Kerl mal auf die Beine.
Und so übernahm er einfach mal, mit guten Mutes und in frohen Sinne, eine Mentorenschaft über seinen erkorenen Schüler.
Er nahm den kleinen Mathematiker an der Hand, ging mit ihm auf ein Bild zu, blieb davor stehen und gemeinsam betrachteten sie das Bild.
Der kleine Mathematiker sagte, Ein schönes Bild, ..aber diese Farben da, die gefallen mir gar nicht, ..ich würde hier was anders machen
Er packt seine Farben aus, und begann sogleich zu malen...
Sein Mentor schlugt die Hände über dem Kopf zusammen.
Oh mein Gott, was fabrizierst du denn da. entfuhr es ihm, Du versaust ja das ganze schöne Bild! ...pass mal auf, ..ich mal dir das mal so, wie es sich gehört.
Der Mentor begann und legte sein ganzes Wissen in seinen Strich.
Als er fertig war, ...stand er da, .und sagte: Siehst du, so muss ein Bild aussehen.
Einige der anderen Künstler stimmten zu, andere nur zu Teilen, ...aber allen gefiel das Bild des Mentors wesentlich besser als das seines Schülers.
Nun huschten beide von Bild zu Bild, ...doch ihre Wege des Empfindens von schön und Kunst und Farben, sowie deren Verwendung, trennten sich immer weiter. Missverständnisse wuchsen und wurden ausgeschlachtet.
Da nahm der Mentor wieder seinen Schüler an der Hand, und führte ihn vor ein weiteres Bild.
Schau, sagte er, ..dieses, ist das Bild eines großen Künstlers.
Der kleine Mathematiker aber sagte nur: Ja, ..bis zu diesen Strichen gefällt es mir auch ganz gut, ..aber da und da würde ich andere, meine Farben nehmen.
Damit fände ich das Bild dann noch schöner, das könnte das Bild vollenden.
Da war der Mentor erzürnt, und zog den Schüler vor ein weiteres Bild.
„Schau“, sagte er, „dieses Bild ist nach der Handschrift dieses großen Künstlers gefertigt.“ Es ist ein schönes Bild.
Der kleine Mathematiker schnappte sich kurzerhand Pinsel und Farben aus der Tasche, und begann sogleich damit, einige Stellen mit seinen Farben zu überdecken.
Er freute sich geradezu, denn vielleicht konnte er so verständlich machen, dass Lila zwar Lila ist, aber das Lila in Brinzum viel schöner ist und das Bild so eben für seine Augen vollendet wird.
Also veränderte er es gerade so, dass das Bild zwar augenscheinlich das Selbe war, für Ihn jedoch, war es nun, ein ganz anderes.
Für ihn war es nun Perfekt.
Aber wieder tobte der Mentor, ...Du kannst doch nicht das Bild klauen und deine Farben rübertünchen...sagte er.
Der Schüler versucht dem Mentor zu erklären dass es zwar immer noch das Gleiche Bild sei, dass aber gerade die Farben den kleinen aber feinen Unterschied machten.
Doch das war ein bööser Fehler, ...
Denn nun wurde der kleine Mathematiker auch noch des Diebstahls bezichtigt.
Und als er dann noch sagte, Zeig mir eines deiner Bilder, und ich male, an gewissen Stellen, mit meinen Farben so, dass ich es auch schön finde, dann würde ich es auch unterschreiben wollen...
Da war die Suppe dann erstrecht am dampfen, ..Plagiat, Fälschung, Diebstahl....hallte es durch den Raum.
Alle horchten auf und schauten auf die Beiden. Getuschel ging durch die Runde...und alle waren gespannt auf das was folgen sollte.
Der kleine Mathematiker aber verstand die Welt nicht mehr.
Anstatt sein Mentor erkannte, worum es dem kleinen Mathematiker ging, verloren sie zusehends im Disput um Kleinigkeiten, das wesentliche wiedermal, aus den Augen.
Wie schön wäre es gewesen, dachte sich der kleine Mathematiker, wenn sein Mentor ihm nur einmal richtig zu gehört hätte.
Aber der predigte nur sein eigenes Hochschulwissen auf den kleinen Mathematiker ein.
Der kleine Mathematiker hat keinen Plan von unserer Kunst, ...doch das wusste der kleine Mathematiker schon selbst.
Und nicht dass die anderen Künstler die Schwächen des kleinen Mathematikers in Bezug auf ihre gängige Kunst schon lange kannten, der Mathematiker tummelte sich ja nun auch schon eine Weile unter ihnen.
Er wusste aber auch, dass sein Kunstverständnis eben ein anderes war.
Wenn auch nur ein klein wenig neben der gängigen Kunst.
Doch dieses "kleinwenig" daneben für den Mathematiker, war für seinen Mentor und die anderen Künstler, eine andere Welt.
Seine Kunst lehnte sich zwar an der ihren an, aber dennoch unterschied sie sich in speziellen Farben, Strichen und Nuancen, von der Ihren gewaltig.
So stritt er sich mehr und mehr mit seinem Mentor und erkannte, dass das Verständnis für seine Farben von seinem Mentor nie auch nur in Betracht gezogen werden würden.
Traurig versank er in seinen Gedanken.
Als er wieder aufblickte waren alle Künstler schon gegangen.
So verlies er an diesem Abend, und als letzter den Raum. Er losch das Licht und zog die Tür, hinter sich ins Schloss.
Und so dachte der kleine Mathematiker auf seinem nachhause Weg, ...wenn ein Künstler und ein Mathematiker, beide mit den selben Farben und Pinseln malen würden, welches Bild könnte man wohl zusammen schaffen.
Nun leuchtete nur noch der Mond durchs Fenster in die Galerie, ....
Was der sah, blieb den Künstlern verborgen. Denn die bevorzugten nur das helle Licht der Neonlampe und ihre eigenen Farben und Pinsel.
Wer weiß, vielleicht leuchtete das Bild des Mathematikers nun in allen Farben und jeder der es sähe und erkennen würde, wäre vom Anblick fasziniert und bezaubert.
Vielleicht wäre es aber auch nur, das selbe triste Bild, auf dem die Farben bei Dunkelheit verwaschen, und fast schon nicht mehr sichtbar sind.
Aber egal wie es sich auch verhält, ob gut, ob schlecht,...ob richtig oder falsch, ...
Vielleicht hätten sie nur einmal das Licht löschen müssen um die Farben dieses Bildes zu erkennen.
Denn gemalt hatte er es im dämmernden Licht des Mondes der durch das Fenster seines Dachbodens fiel.
Und die Moral von der Geschichte,
Vielleicht sollte auch mal ein Künstler hören was ein Mathematiker so zu sagen hat.
Gruß derweil
