fallili hat geschrieben:Nicht ganz klar ist mir Deine Aussage zu den Uhren "Sie laufen aber konkret schneller " und was Dir an der ART daher nicht gefällt ?
Die ART sagt ja nicht das die Zeit "scheinbar schneller vergeht", sondern behauptet genau das was Du haben willst - das die Zeit eben wirklich konkret schneller vergeht.
Die ART gefällt mir eigentlich gut, soferne sie ein mathematisches Modell des Machschen Prinzips darstellt, weil ich an dieses Prinzip glaube. Die Eigenschaften des Raumes werden von den Massen bestimmt, Gravitation und Trägheit sind keine intrinsischen Eigenschaften der Materie (nicht mal Newton hat derartiges angenommen), sondern hängen von Massenkonstellationen der Umgebung ab. So hat man längst festgestellt, dass die Gravitationskonstante keine Konstante ist, sondern ebenfalls von der Konstellation von Massen zueinander abhängt - ein starkes Indiz für das Machsche Prinzip. Die Differenzialgeometrie der ART beschreibt diese Wechselwirkung von Raum und Materie offenbar besser als die Gleichungen Newtons. Das heißt aber nicht, dass alles, was sich mit der ART errechnen lässt, in der Natur auch vorkommt. Einstein selbst war da sehr vorsichtig bei seinen Interpretationen und hat z.B. nicht an die Schwarzen Löcher geglaubt. Die ART erklärt natürlich die Gavitation eben so wenig wie Newton und ist auch keine perfekte Theorie, weil sie auch Aussagen macht, die widersprüchlich interpretiert werden können.
Uhren sind keine Zeit-Messgeräte. Sie erzeugen periodische Abläufe, die mit der Dauer von Ereignissen verglichen werden und man misst damit eben nicht den Lauf der "Zeit" sondern die Dauer dieser Ereignisse anhand willkürlich festgelegter Einheiten. Der Uhrengang kann diesen Definitionen entsprechen und tut sie es nicht, dann geht die Uhr eben "falsch" - und damit verläuft ja keineswegs die "Zeit" falsch. Für den Verlauf von Zeit hat keine Uhr ein geeignetes Sensorium. Der Gang von Uhren kann von der Bauart und von äußeren wie inneren Einflüssen abhängen. So verhalten sich z.B. Rubidium- und Cäsiumuhren in den GPS-Satelliten unterschiedlich und es wird wohl niemand behaupten, damit verliefe auch die Zeit selbst unterschiedlich. Es ist naheliegend, dass der Gang einer Uhr (auch einer Atomuhr) von der Gravitation beeinflusst wird, wobei dieser Einfluss bei Atomuhren über den Einfluss der Gravitation auf die LG entstehen könnte. Ein derartiger Einfluss wird von der ART aber nicht vorausgesagt, sondern die Effekte der RT sind Relativeffekte und d.h. sie finden niemals in den Eigensystemen statt, sondern werden entweder von einem relativ bewegten Beobachter oder einem in einem anderen Gravitationspotenzial befindlichen wahrgenommen. Was die ART voraussagt, ist der Einfluss der Gravitation sowohl auf Massen als auch auf Energie - und dies aufgrund des Äquivalenzprinzips. Demnach ist die Rot-bzw. Blauverschiebung von Signalen im Gravitationsfeld eine Veränderung der Frequenz auf dem Weg nach oben oder unten, was zu einer Fehleinschätzung des Oszillators führt, der von einem anderen Gravitationspotenzial aus beurteilt wird. Würden die Oszillatoren selbst ihre Gangart ändern, dann schließt das entweder die gravitative Frequenzverschiebung aus oder es gäbe den doppelten von der ART vorausgesagten Effekt. Alle Effekte der RT sind quasi beobachterabhängig, der Bewegungszustand des Beobachters (SRT) oder sein Standort (ART) entscheidet über den Effekt - und jede Uhr, die tatsächlich ihren Gang verändert hätte, würde einen Absoluteffekt aufzeigen, und damit nicht Einstein sondern Lorentz bestätigen.
Das GPS ist so konstruiert, dass sich eindeutig unterscheiden lässt, ob nun die Uhren konkret verändert laufen oder eine Blauverschiebung der SIgnale nach unten stattfindet. Und Letzeres ist eben nicht der Fall, wogegen am schnelleren Gang der Uhren kein Zweifel besteht. Das Fehlen der gravitativen Frequenzverschiebung der Signale widerlegt aber das Äquivalenzprinzip der ART und die Uhren werden nicht aufgrund einer Blauverschiebung schneller eingeschätzt, sondern laufen tatsächlich schneller. Es gibt also zwei unterschiedlich mögliche Ursachen für eine Frequenzveränderung, und das ist natürlich schon ein deutlicher Schwachpunkt der ART, von anderen Ungereimtheiten ganz abgesehen.
Nur die selbsternannten RT-Spezialisten in den Foren versuchen, die RT als glattpolierte Wahrheiten zu verkaufen. Fachleute hingegen schreiben über die Probleme speziell mit der ART dicke Bücher voll - und einige davon stehen in meinem Schrank...
Grüße
Harald Maurer