Ernst hat geschrieben:Man muß sich entscheiden, welchen Tatbestand man untersuchen will. Will man einen Tatbestand untersuchen, in welchem die Punkte AB in S ruhen, oder den ganz anderen Tatbestand, in welchem die Punkte A'B' in S' ruhen. In unserem Beispiel: Sollen die Einschlagpunkte AB in S (Bahnsteig) ruhen oder sollen die Einschlagpunkte A'B' in S' (Zug) ruhen.
Der Tatbestand ist - wie hier schon mehrmals beschrieben -, dass zwei Blitze durch Zug
und Bahndamm schlagen! Dieser Tatbestand ist für beide Systeme daher in diesem Augenblick
derselbe. Auf jeder Seite schlägt ein Blitz durch den Zug in den Bahndamm - und beide Blitze werden in den Systemen wahrgenommen. Daher nun die Frage, wie willst Du diese Orte der aufblitzenden Lichtquellen einem bestimmten System zuordnen, in welchem sie ruhen sollten - und im anderen nicht?
Yukterez hat geschrieben:Als ruhend definiert wird jenes IS, aus dessen Perspektive deine Illustration stammt! Leider ist auf dem Bild keine Relativgeschwindigkeit und Ruhelänge angeschrieben, aber wäre diese zB v=√3/2×c, und der Zug im System O in seiner eigenen Wahrnehmung 600m lang, dann müsste der Zug im System O' sich selbst als 1200m lang wahrnehmen, und den Zug in O als 300m. Dann wäre es Zug O, in dem die Blitze gleichzeitig einschlagen. Zeigt dein Bild die Sicht des Bahnhofs, dann wären beide Züge (bei obiger Geschwindigkeit) eigentlich doppelt so lang, dann schlügen die Blitze für keinen der beiden Züge gleichzeitig ein. Das kann man sich hinterher nicht mehr aussuchen, in welchem IS das jetzt gleichzeitig war, sondern das wird von der Natur vorgegeben!
Was ist das für eine Hyper-Relativitätstheorie, in der sich die Züge selbst unterschiedlich lang wahrnehmen können? Ist das eine neue Theorie? Ich kenne auch nur eine, in der sich Zuglängen konkret verändern könnten - und das ist die LET von Lorentz. Von dieser ist hier nicht die Rede.
Und dann kamen noch Belehrungen von dem Dicken und von Ernst, die alle am vorliegenden Szenario vorbei gehen. Zwischen 2 zueinander bewegten IS zählt nur die Relativgeschwindigkeit. Nimmt ein Beobachter in seinem Ruhesystem (da befindet er sich stets, auch wenn sich das System bewegt) zwei räumlich getrennte Ereignisse wahr und will er wissen, wie diese Ereignisse vom Ruhesystem des anderen IS aus gemessen werden, so wendet er die LT an. Dazu
definiert er sich erstmals als ruhend und sieht den anderen als bewegt an. Die LT gibt ihm nun an, wie der andere Beobachter diese Ereignisse in dessen Ruhesystem misst, wobei für diesen nun das Ausgangssystem für die LT das bewegte ist. Um also die LT durchzuführen, ist das System, das als Ausgangssystem für die Transformation dienen soll, zwingend als ruhend zu definieren! Die Systeme sind aber gleichberechtigt; sich als ruhend anzusehen, dem gegenüber sich alle anderen IS bewegen oder auch ruhen, steht jedem IS zu.
Im gegebenen Szenario schlagen in S bei x=1 LS und x=-1LS zwei Blitze ein, die in diesem System als gleichzeitig gemessen werden. Diese Blitze werden auch in S' gesehen. Die Annahme, S sei ruhend und S' sei bewegt, ist eine reine Sache der Definition. Mit gleichem Recht kann sich S' als ruhend ansehen, und dann ist eben S das bewegte System. Da jedes System seine Eigenzeit hat, kann eben auch S' diese beiden Blitze als gleichzeitig messen. Erst wenn eines der Systeme als Ausgangssystem für die LT bestimmt und ruhend definiert wird, ergibt sich mit der LT die Ungleichzeitigkeit der Blitze im anderen System, das als bewegt angesehen wird. Das Licht der beiden Blitze kann keinem der Systeme a priori zugeordnet werden, denn es hat eine invariante Geschwindigkeit. Man kann also genauso gut definieren: im IS S' schlagen bei x'=1 LS und x'=-1 LS die Blitze ein. Damit ist das IS S' als Ausgangssystem für die LT festgelegt, und damit auch, dass diese Blitze im System S nicht als gleichzeitig gemessen werden. Ehe nicht eines der Systeme als ruhend definiert ist, liegt eine unbestimmte SItuation vor, weil aus einem bewegte definierten System keine LT möglich ist. DIese transformiert stets von einem Ruhesystem in das andere Ruhesystem! Die Blitze sind nicht a priori in einem System gleichzeitig und im anderen ungleichzeitig, sondern das wird sich erst mit der LT ergeben, und diese Ungleichzeitigkeit, also die RdG hängt eben davon ab, welches der Systeme man als Ausgangssystem für die LT wählt, indem man dieses als ruhend definiert, und das kann eben
jeder Beobachter in seinem IS tun! Und ehe diese Definition nicht fest steht, steht auch das System, dem gegenüber die RdG wirksam wird, nicht fest. Und das vorgegebene Szenario gibt eben nicht die Möglichkeit, von vornherein die Gleichzeitigkeit der Blitze einem bevorzugten IS zuzuteilen, weil ein ruhend definierbares IS und das damit bewegte andere IS keinen Absolutzustand darstellen können. Jedes IS ist gleichermaßen bewegt und als ruhend nur definierbar, weil es den Zustand absoluter Ruhe nicht gibt.
Und deshalb ist es eben nun so, dass die RdG davon abhängt, welches der Systeme man als ruhend ansieht, und damit die RdG im bewegten System auftritt. Damit ist auch die Richtung der Transformation festgelegt, und nur noch eine Rücktransformation möglich aber keine direkte vom anderen System als Ausgangssystem für die Transformation. Denn dann kommt es zu Widersprüchen. Mit der Wahl eines der Systeme als das ruhende erzeugt die LT daher eine Absolutsituation, die dem RP widerspricht! Und mit dieser Wahl wird das Auftreten eines bestimmten physikalischen Phänomens (die Ungleichzeitigkeit zweier Blitze) in einem der Systeme vorherbestimmt.
Da wird nun allerlei obskure Gedankenakrobatik entgegen gesetzt, die leider völlig nutzlos ist. Ehe nicht eines der Systeme als ruhend definiert ist, können die Blitze in beiden Systemen gleichzeitig konstatiert werden, da nicht a priori und naturgegeben feststehen kann, welches der Systeme vorne und hinten eine andere Zeitanzeige hat! A priori hat jedes System seine Eigenzeit in Form synchron laufender Uhren.
Zu dem hier schon mehrmals eingestellten Bild schreibt Petry eben nun mal hier:
http://de.wikibooks.org/wiki/Spezielle_ ... e:_Teil_IIWir vergegenwärtigen uns die Situation: In den Punkten A und B, die im System S die Koordinaten 300 m bzw. –300 m haben, schlagen »gleichzeitig« zwei Blitze ein. Wir wissen inzwischen, dass »gleichzeitig« keine allgemein gültige Eigenschaft bezeichnet; wir müssen uns daher entscheiden, für welchen Beobachter – d. h. in welchem System – die Blitzeinschläge gleichzeitig sein sollen. Wir entscheiden uns für das System S. Für einen Beobachter in S also schlagen die beiden Blitze gleichzeitig zur Zeit t = 0 ein.Das dargestellte Szenario gibt also die Möglichkeit einer Entscheidung. Anhand dieser Darstellung hätte man sich demnach auch dazu entscheiden können, dass im System S' die Blitze gleichzeitig sein sollen! Wer das nicht kapiert, hat ein Problem mit der Logik. Aber das haben Einsteins Apologeten sowieso.
Grüße
Harald Maurer