Das schöne blaue Bildchen mit den gegenüber stehenden Uhren ist ein statisches abstraktes Schema einer in Wirklichkeit dynamischen Situation und führt offfenbar zu Missverständnissen, wie man sieht. Es ist eine Projektion der Zeiten in den in der Darstellung im Minkowski-Raum übereinander gezeichneten Koordinatensysteme. Die Zeiten im schräg gestellten System S' werden je nach räumlicher Lage auf die waagrechte x-Achse von S projiziert. Dann ergibt sich das schöne blaue Bildchen, aus dem man meinen könnte, die Uhren in S bleiben auf Null stehen oder springen hintereinander an der jeweiligen Koordinate auf Null.
Diese Projektion ist eine abstrakte Darstellung zwecks Herbeizauberung eben jener Zeitspannen, welche die RdG benötigt. Je nach x-Koordinate werden die Zeiten der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Systems S' auf die Gegenwartsebene von S projiziert. Aber die Systeme bewegen sich in Wahrheit ja nicht übereinander und der Wärter könnte die Uhren im Zug niemals so sehen (und der Schaffner die Uhren im Bahndamm auch nicht), denn dann könnte der Wärter ja in die Vergangenheit und Zukunft des Zugsystems blicken! (Jetzt wissen wir, wieso Nostradamus in die Zukunft schauen konnte: er hat offenbar in einen vorbei fahrenden Zug geguckt!
Das blaue Bildchen als Projektionsergebnis ist eine abstrakte Darstellung und bedeutet nicht, dass die Beobachter ihre Uhren tatsächlich so sehen könnten. Wenn der Wärter die Anzeige seine Uhr im Laufe der Zeit (in welcher natürlich auch seine Uhr weiter läuft!) mit der Anzeige verschiedener Uhren im bewegten Zug vergleicht (und nicht mit der Anzeige ein und derselben Uhr), die nacheinander an seiner Uhr vorüberkommen, so sieht er, dass diese Uhren (und somit die Zeit im System S') gegenüber seiner eigenen Uhr zurück bleiben. Das beschreibt Petry auch genau und nirgends wird behauptet, ein Beobachter würde sehen, dass sich die Uhren so verhalten, wie man aus dem blauen Projektionsschema schließen könnte, denn das stünde ja mit der Sicht, die sich aus der ZD ergibt, in Widerspruch. Die Uhren laufen unterschiedlich schnell, sind aber in ihren Eigensystemen stets zueinander synchronisiert. Und dass das blaue Bildchen nur ein abstraktes Schema ist, das genaugenommen einen Zirkelschluss zum Ausdruck bringt, weil dieses imaginäre Uhrverhalten die RdG erklären soll, diese aber wiederum für dieses Uhrverhalten verantwortlich ist, bemerkt wohl auch nur einer, der genauer hinschaut!
Aber der Zirkelschluss ist ja ohnehin eine Spezialität der SRT.
Ich würde mich niemals mit einer Behauptung eines Relativisten zufrieden geben, der mir den Vergleich von Zeiten in unterschiedlichen Bezugssystemen verbietet, sondern meine eigenen Schlüsse ziehen. Jetzt glaubst Du, es würde zum Inhalt der SRT gehören, dass Uhren hintereinander auf verschiedene Zeiten springen. Aber sooo verrückt ist nicht einmal die SRT!
Grüße
Harald Maurer
