Es gibt keine Kausalitätsverletzungen in der SRT

Hier wird die Relativitätstheorie Einsteins kritisiert oder verteidigt

Re: Es gibt keine Kausalitätsverletzungen in der SRT

Beitragvon Harald Maurer » Fr 27. Sep 2013, 22:21

Ernst hat geschrieben:t=t' existiert nur an einem einzigen Ort. Das hatte ich ja schon gezeigt.

Nein! t=t'=0 heißt. dass in diesem Augenblick sowohl alle Uhren in S als auch alle Uhren in S' auf "0" stehen! Und t'=-0,57735 s bedeutet, dass das Ereignis Blitzschlag in S' 0,57735 s vor der Zeit t'=0 stattgefunden hat!
Vor der Zeit t'=0 ! Guck mal, was Petry schreibt:
Bild
Siehst Du's: "Der Einschlag hat also vor der Zeit t'=0 stattgefunden..." und "...hat also der Blitz ... nach der Zeit t'=0 eingeschlagen". Vor und nach der Zeit t'=0 !
Im Moment der Blitzeinschläge in S stehen in beiden Systemen die Uhren auf "0". Erst nach diesem Moment laufen die Uhren in den Systemen unterschiedlich durch die ZD! Im Minkowski-Raum dargestellt sieht das so aus:
minkowski_raum_2.jpg
minkowski_raum_2.jpg (13.93 KiB) 4931-mal betrachtet

1.) Die Spitze des schräg gestellten Zugs erreicht den Ort des Blitzeinschlags und registriert den Blitz rechts. Alle Uhren im Zug stehen in diesem Moment auf -0,57735 s!
2.) Die beiden Systeme kreuzen sich bei x=x'=0, t=t'=0. In diesem Moment schlagen im Bahndamm beide Blitze gleichzeitig ein. Alle Uhren stehen in diesem Moment auf "0" - das hat aber für S' keine Bedeutung, denn für S' hat ja der Blitz schon vor 0,57735 stattgefunden! Und der Blitz links wird erst in 0,57735 s stattfinden!
3.) Das Ende des Zugs erreicht den Ort des linken Blitzeinschlags nach 0,57735 s, und nun wird in S' der Blitzeinschlag registriert!
Das Ereignis rechts findet daher in S' vor der Zeit t'=0 statt, und das Ereignis links nach der Zeit t'=0! Zur Zeit t=0 in S schlagen die Blitze gleichzeitig ein. Das ist auch die Zeit t'=0 - aber da passiert gar nichts, denn ein Blitz hat schon eingeschlagen und der andere Blitz wird erst einschlagen! Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der beiden Systeme sind zueinander verdreht. Ebenso verdreht ist die Gleichzeitigkeit in den beiden Systemen. Als Minkowsi-Diagramm sieht das so aus:
Bild
DIe Gleichzeitigkeit auf der schwarzen Achse x stimmt nicht überein mit der Gleichzeitigkeit auf der blauen Achse x'. Links und rechts liegt zwischen den Gleichzeitigkeiten der Systeme ein "undefinierter" Raum - doch das ist nichts anderes als die Zeitspanne, die zwischen den verdrehten Gleichzeitigkeiten liegt! Denn diese Zeitspannen manifestieren sich beim Schaffner in der Mitte des Zugs zu einer realen Zeitspanne, die in beiden Systemen auftritt! Und das ist der Haken an der Sache, weil diese auch für S gültige Zeitspanne nicht aus imaginären Zeitspannen entstehen kann. Sie müssen ebenso real sein. Sind die Zeitspannen links und rechts im System S imaginär, kann auch das Resultat daraus nur imaginär sein. Aber das ist nicht der Fall!
Ernst hat geschrieben:Bei einem einzelnen Ereignis von Gleichzeitigkeit zu sprechen, ist nicht sehr glücklich. Da muß ich mich anders ausdrücken. Ein Ereignis findet einfach nur statt.
Natürlich beziehen sich t und t' jeweils auf ein einzelnes Ereignis. x=1;t=0s bzw. x'=1,1547; t'=-0,577; bezieht sich auf das eine Ereignis Blitz vorn und x=-1; t=0; x'=-1,1547; t'=0,577 bezieht sich auf den Blitzeinschlag hinten. Da es sich beides mal um ein einzelnes Ereignis handelt, kann jeweils zwischen t und t' kein "realer zeitlicher Abstand" sein. t und t' beschreiben das gleiche einzelne Ereignis in unterschiedlichen Koordinatensystemen.

Sooo unterschiedlich sind sie nicht. Räumlich unterscheiden sie sich durch die LK. Zeitlich unterscheiden sie sich durch die Synchronisation der Uhren in S, die aus S' gesehen wegen der dort konstanten LG anders aussieht, weil das Licht aufgrund der aus dieser Sicht bewegten Uhren an der Zieluhr früher und an der Uhr am Koordinatenende später ankommt! In der Realität (und nicht im esoterischen Minkowski-Raum), wo die Systeme ja nicht zueinander verdreht sind, ist das Ganze nur ein Synchronisationseffekt aufgrund des Postulats. Da ergeben sich zwar unterschiedliche Zeiten, doch sie bezeichnen das gleiche Ereignis und repräsentieren imaginäre Zeitspannen, und daraus kann die RdG eben nicht entstehen! Denn existieren diese Zeitspannen nicht real, so läuft das Licht der Blitze nicht ungleichzeitig los, sondern die Situation entspricht eben nur ungleich gestellten Uhren zum gleichen Moment. Denn startet das Licht nicht früher und später, kommt es auch in der Mitte des Zugs nicht ungleichzeitig an!
Ernst hat geschrieben:Wie gesagt, ist es unpassend bei einem einzelnen Ereignis von Gleichzeitigkeit zu sprechen. Deshalb ist solche Logik hier falsch. Die Zeiten t und t' sind in der SRT gleichermaßen real. Sie weisen in S Gleichzeitigkeit der Blitze und in S' Ungleichzeitigkeit aus

Über real oder nicht real muss man hier gar nicht streiten. Niemand ist gezwungen, Uhren nach Poincaré-Einstein zu synchronisieren. Synchronisiert man alle Uhren in den Systemen mit den Signalen eines weit entfernten Pulsars, findet die ganze Story nicht statt und man kann die hübschen Minkowski-Bildchen wegwerfen! Die Zeitspanne beim Schaffner erklärt sich dann ganz einfach mit c+/- v ! Nimmt man aber die LT als wahre Naturbeschreibung an, dann hat man eben Kausalitätsverletzungen in der Form, dass ein Ereignis registriert wird, bevor es stattfindet, oder einen Blitz, dessen Licht erst eine Zeitspanne später los saust und bis dahin sich offenbar schlafen gelegt hatte! Man hat es auf alle Fälle mit einem Mischmasch aus Esoterik und Physik zu tun. Denn die zur RdG nötigen Zeitspannen werden zwar von Uhren angezeigt, aber man kann sie nicht messen, weil sie nicht existieren. Da sind wir dann in der Welt der Wünschelrutengänger, deren Erdstrahlen man auch nicht messen kann, aber immerhin der Grund für das Auffinden von Wasser sein sollen.
Ernst hat geschrieben:Wieder ist "Gleichzeitigkeit" unangebracht. t und t' nach der Beziehung t' = (t -vx/c²)gamma beziehen sich auf das gleiche einzelne Ereignis. Aber logischerweise beziehen sich dann t=t' allgemein nicht auf das gleiche Ereignis

Der Nullpunkt t=t'=0 bezieht sich auf die gleichen Ereignisse. Nur finden sie bei t=0 beide gleichzeitig statt, und bei t'=0 eben 0,57735 s vor bzw. nach dieser Zeit. Und wer's glaubt, wird selig samt den Kausalitätsproblemen, die sich daraus ergeben. Die kann man ja ignorieren oder versuchen hinweg zu debattieren, wie Du es gerade versuchst!
Ernst hat geschrieben:Ich hatte ja angenommen, daß dir der Hinweis auf die Abhängigkeit der Werte und damit einer vorhandenen oder nicht vorhandenen vorgeblichen Kausalitätsverletzung von der Wahl des Koordinatenursprungs die Augen öffnet. Eine Kausalitätsverletzung kann doch unmöglich davon abhängen, wie man für den gleichen Vorgang das beschreibende Koordinatensystem wählt.

Auch die Wahl der Bezugssysteme darf nicht einmal eine Kausalitätsverletzung ergeben und ein andermal nicht. Ein andermal gibt es aber gar nicht, denn es ist immer eine da, wenn man die Daten der LT als Realität wertet. Die Wahl des Bezugssystems entscheidet bloß darüber, wo diese Verletzung stattfindet. Und genau das sollte Dir die Augen öffnen, um zu erkennen, dass die LT und damit die SRT eine Spielerei mit Uhren und Koordinatensystemen darstellt, schon daraus ersichtlich, dass alle Effekte davon abhängen, welches Koordinatensystem man als ruhend definiert. Das ist keine Physik, sondern gehört in die Schublade der Esoterik, der Wunder und Märchen!

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Harald Maurer
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Re: Es gibt keine Kausalitätsverletzungen in der SRT

Beitragvon julian apostata » Fr 27. Sep 2013, 23:34

Harald Maurer hat geschrieben:Nur finden sie bei t=0 beide gleichzeitig statt, und bei t'=0 eben 0,57735 s vor bzw. nach dieser Zeit. Und wer's glaubt, wird selig samt den Kausalitätsproblemen,


Zwischen 2 gleichzeitigen Ereignissen kann kein kausaler Zusammenhang existieren.

Und wenn’s keinen kausalen Zusammenhang gibt, gibt’s auch keine Probleme mit der Kausalität.

So einfach ist die SRT.
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Re: Es gibt keine Kausalitätsverletzungen in der SRT

Beitragvon Harald Maurer » Sa 28. Sep 2013, 01:10

julian apostata hat geschrieben:Zwischen 2 gleichzeitigen Ereignissen kann kein kausaler Zusammenhang existieren.

Na, jedenfalls besteht zwischen dem Einschlag eines Blitzes und seiner Registrierung ein kausaler Zusammenhang. Er kann nur registriert werden, nachdem er eingeschlagen hat! Wird das Licht des Blitzes registriert, bevor der Blitz existiert, dann ist das zweifellos akausal. Oder es handelt sich um die Fahigkeit, in die Zukunft zu schauen - was bekanntlich Nostradamus gut konnte, der aber kein Physiker war. Wahrscheinlich hat schon Nostradamus in den Minkowski-Raum geguckt, wo ja schon alle Ereignisse des Universums über die ganze Ewigkeit, von Vergangenheit bis Zukunft, vorliegen. Uns normal Sterblichen ist ein dermaßen tiefschürfender Blick leider verwehrt. Und Julian ist nicht mehr in der Lage zu erkennen, wann etwas kausal oder akausal ist. Das ist von Relativisten ohnehin nicht zu erwarten. Denn sie glauben ja auch, dass ein Zwilling in die Zukunft seines Bruders reisen kann. 8-)

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Re: Es gibt keine Kausalitätsverletzungen in der SRT

Beitragvon fallili » Sa 28. Sep 2013, 01:14

Harald Maurer hat geschrieben:
minkowski_raum_2.jpg

1.) Die Spitze des schräg gestellten Zugs erreicht den Ort des Blitzeinschlags und registriert den Blitz rechts. Alle Uhren im Zug stehen in diesem Moment auf -0,57735 s!
2.) Die beiden Systeme kreuzen sich bei x=x'=0, t=t'=0. In diesem Moment schlagen im Bahndamm beide Blitze gleichzeitig ein. Alle Uhren stehen in diesem Moment auf "0" - das hat aber für S' keine Bedeutung, denn für S' hat ja der Blitz schon vor 0,57735 stattgefunden! Und der Blitz links wird erst in 0,57735 s stattfinden!
3.) Das Ende des Zugs erreicht den Ort des linken Blitzeinschlags nach 0,57735 s, und nun wird in S' der Blitzeinschlag registriert!
Das Ereignis rechts findet daher in S' vor der Zeit t'=0 statt, und das Ereignis links nach der Zeit t'=0! Zur Zeit t=0 in S schlagen die Blitze gleichzeitig ein. Das ist auch die Zeit t'=0 - aber da passiert gar nichts, denn ein Blitz hat schon eingeschlagen und der andere Blitz wird erst einschlagen! Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der beiden Systeme sind zueinander verdreht.

.............
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Leider wird Dein Bild minkowski_raum_2.jpg hier beim zitieren nicht dargestellt.
Ich würde aber allen - und Dir ganz besonders - raten, dieses Bild noch mal anzuschauen !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Was ist dargestellt?
Möglichkeit 1 (die ist gezeichnet):
Wir sehen eine Zug der sich durch Raum du Zeit bewegt. Das ist ja auch ganz logisch so - der Zug FÄHRT ja und natürlich vergeht auch Zeit dabei.

Dann sehen wir eine Bahnhof der im Vergleich zum Zug durch Raum UND Zeit NICHT bewegt.
Und das ist aber hochinteressant. Dass sich der Bahnhof nicht durch den Raum bewegt ist klar - er wird ja auch als der ruhende Part betrachtet.
Aber das er sich AUCH durch die Zeit NICHT bewegt ist etwas völlig Neues.
Das ist der erste Bahnhof den ich je gesehen habe auf dem KEINE ZEIT VERGEHT während der Zug vorbeifährt!

ICH GRATULIERE ZU DIESER DARSTELLUNG !
MIT EINEM BAHNHOF AUF DEM DIE ZEIT STILLSTEHT KANN MAN NATÜRLICH KAUSALITÄTSVERLETZUNGEN WUNDERBAR NACHWEISEN !

Möglichkeit 2 (die würde sich aus den Zeitangaben links erschließen) :
Die Zeitangaben links sind ernst gemeint und beziehen sich auf den Bahnhof.
Dann haben wir eine Zug der zeitlich mit doppelter zeitlicher Geschwindigkeit (auch davon hab ich noch nie gehört) den Bahnhof "überholt".

ALSO AUCH DANN IST DIE DARSTELLUNG GROTTENFALSCH !

Also zurück auf die "Schulbank" - am besten diese Darstellung so zeichnen, dass ein Koordinatensystem mit sichtbarem Nullpunkt dargestellt wird und dann sowohl den Bahnhof und den Zug im räumlichen UND zeitlichem Ablauf darstellen - dann wird es für jeden ersichtlich was in Deiner Darstellung so vollkommen falsch ist!
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Re: Es gibt keine Kausalitätsverletzungen in der SRT

Beitragvon Harald Maurer » Sa 28. Sep 2013, 01:44

fallili hat geschrieben:Leider wird Dein Bild minkowski_raum_2.jpg hier beim zitieren nicht dargestellt.

Da habe ich das Bild noch viel schöner!
Bild
Stellt prinzipiell dasselbe dar wie meines, ist aber nicht von mir, sondern vom Relativitäts-Fachmann Petry. Und wenn's Dich interessiert, was er dazu zu sagen hat, bitte hier
http://de.wikibooks.org/wiki/Spezielle_ ... e:_Teil_IV
lesen.
Besonders interessant ist dieser Absatz von Petry:
Diese Überlegungen führen zu dem Ergebnis, dass alle Ereignisse und alle Körper nicht nur für die Dauer ihrer Anwesenheit in unserem Erfahrungsraum existieren, sondern bereits zuvor und noch danach vorhanden sind. (Dies schließt nicht aus, dass Körper und Ereignisse in einem bestimmten Bereich der Zukunft von unserem jeweils gegenwärtigen Ort aus beeinflusst werden können.) Das bedeutet: Die von uns wahrgenommenen Körper sind dreidimensionale Schnitte von vierdimensionalen Körpern, die im Minkowski-Raum fortwährend anwesend sind. Durch die Bewegung unseres Erfahrungsraumes beobachten wir zeitliche Veränderungen an den dreidimensionalen Schnitten dieser Körper, die (wie die Veränderungen des Kreises in Abbildung 19 aus dem Exkurs1 in Teil III) nur durch die Bewegung unseres Erfahrungs- oder Wahrnehmungsraumes zustande kommen. Dieser ist identisch mit der Gesamtheit dessen, was wir in einem gegebenen Augenblick wahrnehmen (oder jedenfalls wahrnehmen könnten). Dies führt direkt zu der Annahme, dass sich im Grunde lediglich unser Bewusstsein (genauer: das, was die Psychologie als Gegenwartsbewusstsein bezeichnet) durch den Minkowski-Raum bewegt.
---------------
Also weder Bahndämme noch Züge bewegen sich durch den Minkowski-Raum, sondern unser Gegenwartsbewusstein! Also rege Dich nicht darüber auf, wenn der Bahndamm sich in meiner und obiger Zeichnung nicht rührt! Denn der ist ja ohnehin überall, und wird von unserem Bewusstsein abgeklappert.
Und wieso ich das Ganze für esoterischen Nonsens halte, habe ich ja in einigen Beiträgen hier dargelegt. Aber jeder kann sich seine Religion so zulegen, wie sie ihm gefällt.

Grüße
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Re: Es gibt keine Kausalitätsverletzungen in der SRT

Beitragvon fallili » Sa 28. Sep 2013, 02:37

Möchte mich für den schreierischen Ton in meinem letzten Beitrag entschuldigen.
Aber dass Dir so eine Darstellungsfehler unterläuft, hätte ich nicht für möglich gehalten.

Dass Petry das so zeichnet liegt daran, dass er definitiv nur den Zug für wichtig hält und daher auch nur dessen Bewegung durch Zeit und Raum darstellt.

Ich hab jetzt den Text nur überflogen, aber der folgende Satz ist mal zitierenswert:

"ein Ereignis, das im System S gerade gegenwärtig ist (gerade eintrifft oder geschieht), kann im System S' noch in der Zukunft oder bereits in der Vergangenheit liegen".

Ja klar - warum auch nicht.

In S schlägt ein Blitz ein - der wird von einem Beobachter in S gesehen und von mir in S' erst später - liegt also für mich in der Zukunft.
In S schlägt ein Blitz ein - ICH in S' seh ihn schon, aber ein Beobachter in S sieht ihn erst nach mir - der wird daher mit Fug und Recht behaupten könne, dass mein Sehen des Blitzes in der Vergangenheit liegt.
Aber er wird doch niemals auf die Idee kommen, das der Blitz deswegen erst EXAKT DANN einschlägt wenn ER ihn sieht und jeder der den Blitz vor Ihm gesehen hat daher eine Blitz VOR dem EINSCHLAG schon gesehen hätte..

DEINE Interpretation der Aussagen der SRT ist es aber, dass ein Blitz gesehen wird BEVOR er überhaupt eingeschlagen hat.

Aber die SRT sagt hier aber auch NUR aus WER den Blitz früher und wer ihn später sieht. In dieser Beziehung unterscheidet sie sich von unseren "normalen" Verständnis überhaupt nicht. Ich seh einen Blitz auch früher als ein Anderer, wenn ich näher dran bin. Und dieser Andere wird auch nicht behaupten, dass ich deshalb den Blitz gesehen hätte bevor er eingeschlagen hat.
Dass zusätzlich auch ZD und LK auftritt ist dann der Invarianz von c geschuldet, führt aber nicht (ich sage noch ausdrücklich; niemals) zu Kausalitätsverletzungen.

Und wenn im Minkowski Diagramm sowohl Zug als auch Bahnhof sowohl im räumliche als auch zeitlichem Ablauf richtig und vollständig dargestellt werden, ist es halt leichter zu erkennen, dass da eben keine Kausalitätsverletzungen auftauchen und niemand einen Blitz sieht, BEVOR er überhaupt einschlägt.

Nachtrag:

Das mit Petris "zuvor und danach vorhanden" ist eine philosophische Frage zu der ich noch nichts endgültiges sagen kann. Bin auch nicht sicher ob diese Aussage wirklich folgerichtig ist.
Aber glücklich bin ich mit dieser Auffassung nicht - das würde bedeuten, dass alles was geschehen ist irgendwo noch existiert und - viel schlimmer - das alles was noch geschehen WIRD bereits JETZT schon festgelegt ist.
Und das ist ja wohl Determinismus reinsten Wassers.
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Re: Es gibt keine Kausalitätsverletzungen in der SRT

Beitragvon Jocelyne Lopez » Sa 28. Sep 2013, 06:13

Harald Maurer hat geschrieben:
Die Zeitspanne beim Schaffner erklärt sich dann ganz einfach mit c+/- v ! Nimmt man aber die LT als wahre Naturbeschreibung an, dann hat man eben Kausalitätsverletzungen in der Form, dass ein Ereignis registriert wird, bevor es stattfindet, oder einen Blitz, dessen Licht erst eine Zeitspanne später los saust und bis dahin sich offenbar schlafen gelegt hatte!


Also, Harald, ich weiß wirklich nicht was Du gegen Signale hast, die sich kurz schlafen legen... :(

Das wurde doch experimentell mit dem CERN-Neutrinoexperiment bewiesen und amtlich bestätigt, dass Signale sich in einer Steckdose öfter ein Nickerchen leisten, oder? Also sei nicht so ungläubig, bitte.

Es bleibt nur noch zu klären, wie sie das genau machen, die Signale, sich kurz schlafen zu legen, das wurde nämlich vom CERN nicht beschrieben bzw. nicht veröffentlicht, siehe:

Offizielles Fazit (“Loser Stecker”) zu den Neutrino-Experimenten am CERN ist fragwürdig

Wahrscheinlich werden die Berichte geheimgehalten, um keine Nachahmung bei tüchtigen Signalen zu provozieren, die sich nie ein Nickerchen leisten: sie könnten sonst auf die Idee kommen, es auch zu tun. Signale sind auch Menschen. :)

Viele Grüße
Jocelyne Lopez
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Re: Es gibt keine Kausalitätsverletzungen in der SRT

Beitragvon Harald Maurer » Sa 28. Sep 2013, 08:53

fallili hat geschrieben:Aber dass Dir so eine Darstellungsfehler unterläuft, hätte ich nicht für möglich gehalten.

Dass Petry das so zeichnet liegt daran, dass er definitiv nur den Zug für wichtig hält und daher auch nur dessen Bewegung durch Zeit und Raum darstellt.

Da ist kein Darstellungsfehler, weder bei Petry noch bei meiner Zeichnung. Beide Systeme bewegen sich im Minkowski-Raum nach oben, aber man stellt natürlich nur die Relativbewegung des Zugs gegenüber dem ruhend definierten Bahndamm dar. Beide Systeme sind also durch diese Beziehung verknüpft zu einer Kombination, die sich im Gesamten durch die Raumzeit bewegt. Der Zug ist also nicht "wichtiger" als der Bahndamm, der als ruhend definiert ja auch nicht ruht. Also nicht mit der Kritik gleich losballern, ehe Du die Darstellung nicht ganz verstanden hast!
fallili hat geschrieben: Ich seh einen Blitz auch früher als ein Anderer, wenn ich näher dran bin. Und dieser Andere wird auch nicht behaupten, dass ich deshalb den Blitz gesehen hätte bevor er eingeschlagen hat.

Die Lichtlaufzeiten sind in der LT nicht berücksichtigt und "sehen" ist nicht wortwörtlich zu nehmen. Dass jemand etwas früher sieht als ein anderer, der vom Ereignis weiter entfernt ist, ist trivial. Aber davon ist in der SRT keine Rede, sie führt die RdG nicht auf Lichtlaufzeiten bis zum Auge des Beobachters zurück. Beachte also diesen Unterschied bei Deinen Überlegungen!
fallili hat geschrieben:"ein Ereignis, das im System S gerade gegenwärtig ist (gerade eintrifft oder geschieht), kann im System S' noch in der Zukunft oder bereits in der Vergangenheit liegen".

Ja klar - warum auch nicht.

Das ist für dich klar, hast aber einige Sätze später ein Problem mit dem philosophischen Überbau Minkowskis, der gerade notwendig ist, um die Annahme relativer Vergangenheit und Zukunft in Inertialsystemen zu begründen! Denn Du schreibst ja:
fallili hat geschrieben:Aber glücklich bin ich mit dieser Auffassung nicht - das würde bedeuten, dass alles was geschehen ist irgendwo noch existiert und - viel schlimmer - das alles was noch geschehen WIRD bereits JETZT schon festgelegt ist.
Und das ist ja wohl Determinismus reinsten Wassers.

Jede ausweglose Theorie landet in der Philosophie, wo die Messgeräte weggeschmissen werden und man die Lösung des Problems den Neuronen in unzähligen unterschiedlichen Köpfen überlässt. Damit ist die wissenschaftliche Objektivität verloren und es entstehen Individuen, die für eine Ideologie bereits in den Kampf ziehen, bevor sie wissen, worum es überhaupt geht.

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Re: Es gibt keine Kausalitätsverletzungen in der SRT

Beitragvon fallili » Sa 28. Sep 2013, 09:32

Harald Maurer hat geschrieben:......
Da ist kein Darstellungsfehler, weder bei Petry noch bei meiner Zeichnung. Beide Systeme bewegen sich im Minkowski-Raum nach oben, aber man stellt natürlich nur die Relativbewegung des Zugs gegenüber dem ruhend definierten Bahndamm dar. Beide Systeme sind also durch diese Beziehung verknüpft zu einer Kombination, die sich im Gesamten durch die Raumzeit bewegt. Der Zug ist also nicht "wichtiger" als der Bahndamm, der als ruhend definiert ja auch nicht ruht. Also nicht mit der Kritik gleich losballern, ehe Du die Darstellung nicht ganz verstanden hast!Bild


Petry zeigt nicht die Abfolge EINES Zuges der durch den Bahndamm fällt, sondern stellt die Relativität der Gleichzeitigkeit dar.
Er hat 3 VERSCHIEDENE Züge visuell dargestellt (die 3 roten Linien).

Während für den ruhenden Beobachter die Blitze gleichzeitig einschlagen (bei A und B) sieht das für diverse bewegte Beobachter in DREI VERSCHIEDENEN Zügen ganz anders aus.
1) Der Zug kann so positioniert sein, dass die Zugspitze genau bei A ist. Dann geschieht das Ereignis für "die Zugspitze" JETZT aber für das Zugende liegt der zweite Blitzeinschlag noch in der Zukunft.
2) Der Zug kann so positioniert sein, das die mittleren Beobachter an einem Punkt sind wenn die Blitze einschlagen. Dann ist der Blitz bei A für die Zugspitze schon in der Vergangenheit - der Blitz B wird für das Zugende erst in der Zukunft "stattfinden".
3) Der Zug kann so positioniert sein, dass das Zugende genau bei B ist. Dann geschieht das Ereignis für "das Zugende" JETZT aber für das Zugende liegt der zweite Blitzeinschlag in der Vergangenheit.

Und ich werde daher weiter mit meiner Kritik "losballern" weil DU die Darstellung NICHT verstehst.
Was ich sehr schade finde, weil Du etliche gute kritische Gedanken zur SRT hast - aber solange Du einen Deiner Hauptkritikpunkte auf ein Fehlverständnis von DIR aufbaust wird man in einer Diskussion nie zu einem sinnvollen Ergebnis kommen.

Ich versteh nicht, dass DU diesen offen sichtlichen Fehler nicht sofort erkennst.
Da sind 3 rote Linien als Repräsentation des Zuges eingezeichnet - für t' kleiner als Null, für t' Null und für t' größer als Null.
Und alle 3 Linien werden verglichen mit einem Bahnhof bei t = NULL.

Da ist NICHTS zu sehen von einem VERGLEICH EINES Zuges der von t' kleiner als Null fährt und sich zeitlich nach t' größer Null "bewegt" mit einem Bahnhof der sich zeitliche logischerweise AUCH von t = kleiner als Null zu t = größer als Null "bewegen" MUSS.

Wie gesagt - OFFEN sichtlich was dieses Bild von Petry darstellt !
Zuletzt geändert von fallili am Sa 28. Sep 2013, 09:42, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Es gibt keine Kausalitätsverletzungen in der SRT

Beitragvon Harald Maurer » Sa 28. Sep 2013, 09:41

fallili hat geschrieben:Petry zeigt nicht die Abfolge EINES Zuges der durch den Bahndamm fällt, sondern stellt die Relativität der Gleichzeitigkeit dar.
Er hat 3 VERSCHIEDENE Züge visuell dargestellt (die 3 roten Linien).

Falsch. Petry zeigt drei zeitliche Situationen des gleichen bewegten "Zuges", die erste bei der Registrierung der ersten Blitzes, die zweite bei den Blitzeinschlägen im ruhenden System, die dritte bei der Registrierung des zweiten Blitzes. Ich habe das gleiche aufgelöst in drei Bildern dargestellt, Petry macht's in einem.
Das Fehlverständnis liegt durchaus auf Deiner Seite.

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