Ernst hat geschrieben:t=t' existiert nur an einem einzigen Ort. Das hatte ich ja schon gezeigt.
Nein! t=t'=0 heißt. dass in diesem Augenblick sowohl alle Uhren in S als auch alle Uhren in S' auf "0" stehen! Und t'=-0,57735 s bedeutet, dass das Ereignis Blitzschlag in S' 0,57735 s vor der Zeit t'=0 stattgefunden hat!
Vor der Zeit t'=0 ! Guck mal, was Petry schreibt:
Siehst Du's: "Der Einschlag hat also vor der Zeit t'=0 stattgefunden..." und "...hat also der Blitz ... nach der Zeit t'=0 eingeschlagen". Vor und nach der Zeit t'=0 !
Im Moment der Blitzeinschläge in S stehen in beiden Systemen die Uhren auf "0". Erst nach diesem Moment laufen die Uhren in den Systemen unterschiedlich durch die ZD! Im Minkowski-Raum dargestellt sieht das so aus:
1.) Die Spitze des schräg gestellten Zugs erreicht den Ort des Blitzeinschlags und registriert den Blitz rechts. Alle Uhren im Zug stehen in diesem Moment auf -0,57735 s!
2.) Die beiden Systeme kreuzen sich bei x=x'=0, t=t'=0. In diesem Moment schlagen im Bahndamm beide Blitze gleichzeitig ein. Alle Uhren stehen in diesem Moment auf "0" - das hat aber für S' keine Bedeutung, denn für S' hat ja der Blitz schon vor 0,57735 stattgefunden! Und der Blitz links wird erst in 0,57735 s stattfinden!
3.) Das Ende des Zugs erreicht den Ort des linken Blitzeinschlags nach 0,57735 s, und nun wird in S' der Blitzeinschlag registriert!
Das Ereignis rechts findet daher in S' vor der Zeit t'=0 statt, und das Ereignis links nach der Zeit t'=0! Zur Zeit t=0 in S schlagen die Blitze gleichzeitig ein. Das ist auch die Zeit t'=0 - aber da passiert gar nichts, denn ein Blitz hat schon eingeschlagen und der andere Blitz wird erst einschlagen! Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der beiden Systeme sind zueinander verdreht. Ebenso verdreht ist die Gleichzeitigkeit in den beiden Systemen. Als Minkowsi-Diagramm sieht das so aus:
DIe Gleichzeitigkeit auf der schwarzen Achse x stimmt nicht überein mit der Gleichzeitigkeit auf der blauen Achse x'. Links und rechts liegt zwischen den Gleichzeitigkeiten der Systeme ein "undefinierter" Raum - doch das ist nichts anderes als die Zeitspanne, die zwischen den verdrehten Gleichzeitigkeiten liegt! Denn diese Zeitspannen manifestieren sich beim Schaffner in der Mitte des Zugs zu einer realen Zeitspanne, die in beiden Systemen auftritt! Und das ist der Haken an der Sache, weil diese auch für S gültige Zeitspanne nicht aus imaginären Zeitspannen entstehen kann. Sie müssen ebenso real sein. Sind die Zeitspannen links und rechts im System S imaginär, kann auch das Resultat daraus nur imaginär sein. Aber das ist nicht der Fall!
Ernst hat geschrieben:Bei einem einzelnen Ereignis von Gleichzeitigkeit zu sprechen, ist nicht sehr glücklich. Da muß ich mich anders ausdrücken. Ein Ereignis findet einfach nur statt.
Natürlich beziehen sich t und t' jeweils auf ein einzelnes Ereignis. x=1;t=0s bzw. x'=1,1547; t'=-0,577; bezieht sich auf das eine Ereignis Blitz vorn und x=-1; t=0; x'=-1,1547; t'=0,577 bezieht sich auf den Blitzeinschlag hinten. Da es sich beides mal um ein einzelnes Ereignis handelt, kann jeweils zwischen t und t' kein "realer zeitlicher Abstand" sein. t und t' beschreiben das gleiche einzelne Ereignis in unterschiedlichen Koordinatensystemen.
Sooo unterschiedlich sind sie nicht. Räumlich unterscheiden sie sich durch die LK. Zeitlich unterscheiden sie sich durch die Synchronisation der Uhren in S, die aus S' gesehen wegen der dort konstanten LG anders aussieht, weil das Licht aufgrund der aus dieser Sicht bewegten Uhren an der Zieluhr früher und an der Uhr am Koordinatenende später ankommt! In der Realität (und nicht im esoterischen Minkowski-Raum), wo die Systeme ja nicht zueinander verdreht sind, ist das Ganze nur ein Synchronisationseffekt aufgrund des Postulats. Da ergeben sich zwar unterschiedliche Zeiten, doch sie bezeichnen das gleiche Ereignis und repräsentieren imaginäre Zeitspannen, und daraus kann die RdG eben nicht entstehen! Denn existieren diese Zeitspannen nicht real, so läuft das Licht der Blitze nicht ungleichzeitig los, sondern die Situation entspricht eben nur ungleich gestellten Uhren zum gleichen Moment. Denn startet das Licht nicht früher und später, kommt es auch in der Mitte des Zugs nicht ungleichzeitig an!
Ernst hat geschrieben:Wie gesagt, ist es unpassend bei einem einzelnen Ereignis von Gleichzeitigkeit zu sprechen. Deshalb ist solche Logik hier falsch. Die Zeiten t und t' sind in der SRT gleichermaßen real. Sie weisen in S Gleichzeitigkeit der Blitze und in S' Ungleichzeitigkeit aus
Über real oder nicht real muss man hier gar nicht streiten. Niemand ist gezwungen, Uhren nach Poincaré-Einstein zu synchronisieren. Synchronisiert man alle Uhren in den Systemen mit den Signalen eines weit entfernten Pulsars, findet die ganze Story nicht statt und man kann die hübschen Minkowski-Bildchen wegwerfen! Die Zeitspanne beim Schaffner erklärt sich dann ganz einfach mit c+/- v ! Nimmt man aber die LT als wahre Naturbeschreibung an, dann hat man eben Kausalitätsverletzungen in der Form, dass ein Ereignis registriert wird, bevor es stattfindet, oder einen Blitz, dessen Licht erst eine Zeitspanne später los saust und bis dahin sich offenbar schlafen gelegt hatte! Man hat es auf alle Fälle mit einem Mischmasch aus Esoterik und Physik zu tun. Denn die zur RdG nötigen Zeitspannen werden zwar von Uhren angezeigt, aber man kann sie nicht messen, weil sie nicht existieren. Da sind wir dann in der Welt der Wünschelrutengänger, deren Erdstrahlen man auch nicht messen kann, aber immerhin der Grund für das Auffinden von Wasser sein sollen.
Ernst hat geschrieben:Wieder ist "Gleichzeitigkeit" unangebracht. t und t' nach der Beziehung t' = (t -vx/c²)gamma beziehen sich auf das gleiche einzelne Ereignis. Aber logischerweise beziehen sich dann t=t' allgemein nicht auf das gleiche Ereignis
Der Nullpunkt t=t'=0 bezieht sich auf die gleichen Ereignisse. Nur finden sie bei t=0 beide gleichzeitig statt, und bei t'=0 eben 0,57735 s vor bzw. nach dieser Zeit. Und wer's glaubt, wird selig samt den Kausalitätsproblemen, die sich daraus ergeben. Die kann man ja ignorieren oder versuchen hinweg zu debattieren, wie Du es gerade versuchst!
Ernst hat geschrieben:Ich hatte ja angenommen, daß dir der Hinweis auf die Abhängigkeit der Werte und damit einer vorhandenen oder nicht vorhandenen vorgeblichen Kausalitätsverletzung von der Wahl des Koordinatenursprungs die Augen öffnet. Eine Kausalitätsverletzung kann doch unmöglich davon abhängen, wie man für den gleichen Vorgang das beschreibende Koordinatensystem wählt.
Auch die Wahl der Bezugssysteme darf nicht einmal eine Kausalitätsverletzung ergeben und ein andermal nicht. Ein andermal gibt es aber gar nicht, denn es ist immer eine da, wenn man die Daten der LT als Realität wertet. Die Wahl des Bezugssystems entscheidet bloß darüber, wo diese Verletzung stattfindet. Und genau das sollte Dir die Augen öffnen, um zu erkennen, dass die LT und damit die SRT eine Spielerei mit Uhren und Koordinatensystemen darstellt, schon daraus ersichtlich, dass alle Effekte davon abhängen, welches Koordinatensystem man als ruhend definiert. Das ist keine Physik, sondern gehört in die Schublade der Esoterik, der Wunder und Märchen!
Grüße
Harald Maurer
