Ernst hat geschrieben:Da ist sie wieder, deine absolute Zeit. Wenn nur die beiden (unterschiedlichen) Zeitskalen in den beiden Flugzeugen existieren; nach welcher Zeitskala willst du dann feststellen, daß sich die Flugzeuge in der Mitte "gleichzeitig" begegnen? Nach den Zeitskalen in den beiden Flugzeugen erfolgt das Ereignis Begegnung zu unterschiedlichen Zeiten.
Flugzeuge begegnen sich stets gleichzeitig! Andernfalls begegnen sie sich nicht! Wenn sie in der Mitte zusammenstoßen und fallen in der Mitte der Flugstrecke runter, und jedes hatte mit gleicher Geschwindigkeit dieselbe Strecke hinter sich, kann an der Gleichzeitigkeit ihres Zusammenstoßes auch in dieser Hinsicht kein Zweifel bestehen - völlig ungeachtet dessen, was für eine Zeitskala die Flugzeuge verwenden. Sie müssen dann auch gleichzeitig in London und New York gestartet sein - wiederum völlig bedeutungslos, ob die Starts um 20.00 Uhr bzw. 15 Uhr erfolgt sind!
Ernst hat geschrieben:Nicht anders ist es bei der LT, wo die Zeiten auf unterschiedlichen Zeitskalen gelten. Auch da gibt es keine absolute Zeitskala, auf der ein Vergleich der transformierten mit der nicht transformierten Zeit möglich ist. Es fällt offenbar schwer, sich von der Vorstellung einer absoluten Zeit zu lösen:
Mit absoluter Zeit hat das gar nichts zu tun, sondern das ruhende System schafft aufgrund seiner lichtsynchronisierten Uhren eine Basis, von der nach den Formeln der LT die Zeiten im bewegten System abhängen. Die Zeiten stehen daher über die LT zueinander in Beziehung! Sie können also sehr wohl verglichen werden und werden nicht mit irgendeiner absoluten Zeit verglichen!
Ernst hat geschrieben:Und auf welcher Skala erkennst du diese Gleichzeitigkeit? Nur auf der Bahnhofsskala, welche du damit zur absoluten Zeitskala erhebst.
Es sind nicht "lediglich andere Zeitanzeigen"; es sind auf der betreffenden Skala schlicht andere Zeiten für das gleiche Ereignis.
Die Bahnhofsskala beruht auf den synchronisierten Uhren in diesem System, die einheitlich die Zeit dieses Systems zeigen! Die Gleichzeitigkeit der Blitzeinschläge bestätigt sich dann, wenn beide Lichtsignale den Wärter in der Mitte gleichzeitig erreichen! Diese Gleichzeitigkeit wird vom bewegten System ungleichzeitig wahrgenommen, weil aus dieser Sicht die Uhrensynchronisation anders ausfällt, und zwar um einen ganz bestimmten Betrag anders, der sich aus dem Postulat ergibt, weil die Synchronsignale hier an den Uhren früher bzw. später ankommen (weil sich hier die Uhren des Bahndamms bewegen). Das ergibt ganz konkrete Zeitunterschiede, und nicht nur anders gestellte Uhren! Wären die Uhren bloß anders gestellt, findet die RdG nicht statt. Denn ein Beobachter oder ein Detektor kann feststellen, ob er von zwei Lichtsignalen gleichzeitig oder ungleichzeitig getroffen wird - ohne dazu eine Uhr zu benötigen! Sind die Blitzeinschlags-Momente im Zug identisch mit den Momenten im Bahndamm und lediglich die Uhren falsch synchronisiert, dann unterscheidet sich der Vorgang im Bahndamm von jenem im Zug nicht und es gilt die exakt lichtsynchronisierte Gleichzeitigkeit des Bahndammsystems für beide Systeme. Der Schaffner würde demnach nicht ungleichzeitig von den Lichtsignalen getroffen! Die LT gibt daher konkrete Zeitdifferenzen an, und schlägt der Blitz im Bahndamm um "0" Uhr ein, dann macht er das im gegebenen Beispiel im Zug 0.57735 s früher! Muss so sein, denn sonst käme dessen Licht nicht früher beim Schaffner vorne an als das Blitzlicht von hinten.
Ernst hat geschrieben:Ein Objekt ruht in S in der Position x_objekt. Dagegen bewegt sich das Objekt in S' mit der Geschwindigkeit -v.
Diese Bewegung ist in S "unsichtbar", da nicht vorhanden. Dagegen ist sie in S' "sichtbar", weil vorhanden.
Da alle IS gleichberechtigt sind, ist auch keine Aussage über eine absolute Bewegung möglich.
Um so eine Aussage geht es hier nicht. Sondern es geht um die Gleichzeitigkeitsbasis im Bahndammsystem, hier hergestellt mit Synchronisierung von Uhren mit konstanter Lichtgeschwindigkeit! Auf diese Basis beziehen sich die mit der LT errechenbaren Zeiten im Zugsystem. Und diese Zeiten müssen sich durch Zeitintervalle von den Zeiten im Bahndammsystem unterscheiden, weil sich andernfalls, bloß mit anderen Zeitanzeigen, die Prozesse in den Systemen nicht zeitlich unterscheiden können! Das müssen sie aber, wenn es eine RdG geben soll! Und dies muss messbar sein - etwa mit einem Detektor in der Mitte des Zugs!
Der Einwand, es gäbe keine absolute Zeit, ist hier völlig irrelevant. Wenn 1+4=5 ergibt, dann beträgt die Differenz eben 4 bezogen auf 1 und 5, und 1 und 5 bedeuten nicht das gleiche. Wenn die LT ausgehend von "0" eine andere Zeit von -0,5735 berechnet, dann ist das eine zeitliche Differenz, und "0" und -0,57735 sind nicht gleichbedeutend, sondern -0,57735 ist eben bezogen auf "0" um 0,57735 s früher! Denn worauf sonst sollte sich diese frühere Zeit -0,57735 s beziehen und was hätte diese Zeitangabe mit dem Minus davor sonst für eine Bedeutung? Minus wovon??? Und wieso ergibt sich aus dem Minus 0,57735 s vorne im Zug und dem Plus 0,57735 s am Ende genau die Zeit "0", die im Bahndamm gilt? Die Beziehung zueinander ist klar, und deshalb können die Zeiten auch miteinander verglichen werden! Das müssen sie sogar, um zu verstehen, wieso die RdG zustande kommt! Die Zeiten der LT beziehen sich zueinander und die Behauptung, ein Vergleich dieser Zeiten würde sich auf eine absolute Zeit beziehen, ist völlig inhaltsleer. Wo sollte diese absolute Zeitskala sein und wie sähe sie aus?
Grüße
Harald Maurer