@Joachim Stiller
Vielen Dank für Deine freundlichen Antworten! Sexl ist ein wunderbares Beispiel für einen m.E. aufrichtigen Wissenschaftler, der die RTen so gründlich in zustimmender Weise bearbeitet hat, dass er gewissermaßen hinten wieder rausgefallen ist. Er hat einige (auch deutsche) Bücher geschrieben, in denen manche Zeile steht, die RT-Hardliner ziemlich erschüttern würden - wenn sie das denn konsequent weiterdenken wollten/könnten. In den GOMueller-Sammlungen müsste man die entsprechenden Verweise finden. An Sexl (nicht Saxl übrigens!) zeigt sich sehr schön, dass die RT-Kritik eine deutlich subtilere Angelegenheit ist, als es hier mitunter den Anschein erweckt. Pro und Contra ist da z.T. ziemlich nah beieinander. Dingle hatten wir ja schon, der hatte einen ähnlichen Lebensweg. Ich kann das biographisch nicht genau belegen, aber ich habe den Verdacht, dass auch Sexl ziemliche innere Kämpfe ausgestanden hat wegen der Widersprüche seiner Disziplin (siehe z.B. sein früher Tod).
Zu Deinem Postulat eines absoluten Bezugssystem: Es tut mir leid, Dir sagen zu müssen, dass diese Idee unter den RT-Hardlinern der Akademien mit einem "wissen wir längst" abgekanzelt würde. Und es stimmt auch, dass das manche dort wissen, weil die Lorentz-Transformation zwischen zwei Bezugssystemen eine Art absoluten Ruhepol hat (siehe Zitat oben oder hier
http://de.wikipedia.org/wiki/Lorentzsche_%C3%84thertheorie ). Offensiv vertreten haben das in der "Community" diverse Leute, z.B. eben Lorentz selbst bis zu seiner Bekehrung zur SRT. Aber die meisten haben das nicht sehr lange gemacht, weil so einer bald nicht mehr Ernst genommen wird (Eiferer schätzt man im "Club" nur, wenn sie auf Linie bleiben, ansonsten werden sie sehr "höflich" zum Schweigen gebracht).
Die Lorentz'schen Äthertheorie ist eine reine Deutungsalternative zur SRT und formal so gut wie identisch. Das ist nämliche die tückische Spezialität der SRT: man kann mit ihr sehr gut "Sichtweisen" bzw. Deutungen aus dem Hut zaubern. Und je vertrackter eine Theorie, desto "freier" muss man ihre formalen Elemente "deuten". Tragischerweise bieten unsinnigen Theorien besonders viel Spielraum...
Das gilt erschreckenderweise für SÄMTLICHE mathematischen Theorien. Mathematik ist heutzutage eine Wissenschaftler-ABM. Gegen diesen vernichtenden Befund wird oft angführt, dass unsere Technik aber doch so gut funktioniere WEGEN dieser Theorien. Jedem/r, der/die das glaubt, empfehle ich, mal einen praktizierender Techniker zu befragen, am besten aus der Hochfrequenztechnik, und am besten einen, der Mathematik nicht schon von Haus aus hasst.
Mit Gruß aus dem Labor der
realitätsphysik