fallili hat geschrieben:1) knallen die Blitzschläge gleichzeitig auf den Bahndamm, dann sieht es der Schaffner ungleichzeitig - der Wärter gleichzeitig
2) knallen die Blitzschläge gleichzeitig auf den Zug, dann sieht es der Wärter ungleichzeitig - der Schaffner gleichzeitig
daraus FOLGT aber :
3) knallen die Blitzschläge gleichzeitig auf Bahndamm UND Zug dann:
3a) sieht es der Schaffner SOWOHL gleichzeitig ALS AUCH ungleichzeitig
3b) sieht es der Wärter SOWOHL gleichzeitig ALS AUCH ungleichzeitig
Du versuchst, die SRT mit Logik zu beurteilen? Das geht von vornherein nicht, weil das Postulat schon nicht logisch ist. Wenn man unzählige zueinander mit unterschiedlichem v bewegte, übereinander liegende Koordinatensysteme hat, und ein Lichtstrahl bewegt sich durch alle Systeme hindurch, dann sollte in jedem ruhend definierten c=const gelten! Wie geht denn das? Jedes der Systeme kann sich als ruhend definieren, keines der Systeme ist zu bevorzugen, alle sind gleichberechtigt. Es ist das Postulat, das der Logik des "gesunden Menschenverstands" widerspricht.
Haben wir das Zugsystem und das Bahndammsystem, und aufgrund der besonderen Situation gelangt das Licht tatsächlich gleichzeitig in beide Systeme, dann gilt für jeden Beobachter zwar das Postulat - aber er kann nur seine eigenen Beobachtungen machen. Er bekommt also die Lichtsignale gleichzeitig und ist es der Wärter, der in den Zug gar nicht hineinsehen kann, dann kann er aus der Annahme, dass der Schaffner gegen das Licht fährt, nur vermuten, dass die Signale beim Schaffner ungleichzeitig ankommen. Der Schaffner bewegt sich aber nicht gegen das Licht, weil in seinem Zug ebenfalls das Postulat gilt! Er wird also dieselbe Vermutung am Wärter ansetzen! Genau das ist das Dilemma, welches durch das Postulat entsteht und das uns zwingt, eine Entscheidung zu treffen!
fallili hat geschrieben:Bei Harald, weiß ich nicht: Kann er das nicht erkennen oder will er nicht zugeben dass es so sein muss.
Du hast nicht begriffen, was mit diesem Szenario aufgezeigt werden soll! Es macht einen Unterschied, ob zwei Signale an einem Körper gleichzeitig oder ungleichzeitig eintreffen. Das sind zwei physikalisch nicht vergleichbare Effekte.
Wenn also die Blitze so einschlagen, dass jeder ruhend definierte behaupten kann, sie seien gleichzeitig eingeschlagen - und das ergibt sich eben aus dieser speziellen Situation:

Dann ist man gezwungen, eine Entscheidung zu treffen. Entweder gilt die Gleichzeitigkeit im System S ODER sie gilt im System S'. Nimmt man es für beide Systeme an, dann entsteht eben die Unlogik, die Du kritisierst. Aber diese Entscheidung steht uns gar nicht zu, denn der Wärter und der Schaffner haben dies zu entscheiden! Und wie werden sie sich einigen?
Es muss also so sein, dass nur in einem der Systeme die Gleichzeitigkeit gilt. Und daher frage ich dich, für welches der Systeme würdest Du dich entscheiden? Ist es das des Wärters, dann möchte ich wissen, warum Du dieses System bevorzugst, und ist es das des Schaffners, wäre dies auch zu begründen. In dieser Debatte hat man sich von vornherein für das Bahndamm-System entschieden - aber es gibt dafür keine Begründung, denn das Licht ist unabhängig von der Quelle. Genauso gut hätte man sich für das Zug-System entscheiden können! Petry - das ist jemand, der die SRT wirklich im Schlaf beherrscht - schreibt ja nicht umsonst, man müsse in diesem gegebenen Szenario eine Wahl treffen! Aber genau diese freie Wahl ist der Haken an der Sache, weil man damit einen bestimmten physikalischen Effekt im nicht gewählten System determiniert! Und das kann selbstverständlich nicht zulässig sein, denn die Natur richtet sich nicht nach den Vorgaben eines Physikers, und neutrale Detektoren könnten von dieser Wahl nichts wissen! Es ist wirklich verwunderlich, dass die Problematik, die sich aus diesem Szenario ergibt, hier nicht erkannt bzw. schlichtweg negiert wird!
Es ist auch nicht zu erwarten, dass jemand, der in die SRT das Phänomen der Längendilatation einführt, diese Problematik erkennt. Aber es muss doch in diesem Forum auch Leute geben, die denken können!
Also denke mal ein wenig und wähle statt des Bahndamms
anfangs den Zug! Da erhälst Du natürlich ein umgekehrtes Ergebnis. Was sagt uns das? Es sagt uns, dass die SRT nicht einmal falsch ist, sondern nur ein mathematisches Uhrenspektakel darstellt und als Naturbeschreibung unhaltbar ist!
Grüße
Harald Maurer