Hannes hat geschrieben:Jetzt müsstest du eigentlich Harald kritisieren, denn er hat GENAU beschrieben, um was es sich eigentlich handelt.
Ja, habe ich - aber Du verwechselst ständig Trägheit mit Trägheits
kraft! Wenn ich schreibe "Trägheit", dann meine ich Trägheit und keine Kraft! Legt man an eine träge Masse eine Kraft an, so wird die Masse beschleunigt - das kann eine Änderung der Geschwindigkeit sein oder eine Änderung der Richtung. Und das schreibt sich F=ma , und da ist keine zweite Kraft und auch keine Trägheitskraft, sondern da ist eine eingeprägte Kraft F, eine träge Masse m und eine Beschleunigung a. Und das ist alles!
Man kann daher die Trägheit nicht von vornherein als Kraft ansehen und schon gar nicht als Fliehkraft!
Wenn ein Körper durch eine angelegte Kraft beschleunigt wird, so greifen an diesem Körper nicht etwa 2 Kräfte an, die angelegte und womöglich die "eigene", die er Deiner Meinung auf sich selbst ausübt. Und der Widerstand, welcher von der trägen Masse m der angelegten Kraft F entgegen gesetzt wird, ist ja durch die Kraft F, die aufgewendet wurde, um den Körper in Bewegung zu setzen, schon überwunden. m=F/a. Newton schreibt diesen Widerstand der Existenz eines Äthers zu. Zum Beispiel auf Seite 24 seines Werkes, wo er schreibt:
"Erklärung 7. Die beschleunigende Grösse der Centripetalkraft ist derjenigen Geschwindigkeit proportional, welche sie in einer gegebenen Zeit erzeugt.
So ist die Kraft desselben Magneten grösser in kleiner, und kleiner in grosser Entfernung. Die Kraft der Schwere grösser in Thälern, kleiner auf den Spitzen sehr hoher Berge (wie Pendelversuche gezeigt haben), und noch kleiner (wie später gezeigt werden wird) in grösseren Abständen von der Erde. In gleichen Abständen ist sie aber überall dieselbe, weil sie alle fallenden Körper (schwere oder leichte, grosse oder kleine)
nach aufgegebenem Widerstande des Aethers gleich stark beschleunigt."
Nach Newton kommt dieser Widerstand also gar nicht aus dem Körper selbst, sondern aus der Bewegung durch den Äther. Da leuchtet doch sofort ein, dass dem Körper selbst gar keine Kraft gegeben ist, mit der er sich wehrt. Die moderne Physik negiert zwar den Äther, geht aber ganz ähnlich vor, indem sie die Massenwirkung einem Higgsfeld zuschreibt! Die Trägheit ist also keine Kraft, aber eine Kraft ist nötig, um sie zu überwinden, denn was überwunden wird, ist der Widerstand des Äthers (nach Newton) oder als moderne Variante der Widerstand des Higgsfeldes!
Finden aber in beschleunigten Bezugssystemen Bewegungen und Wirkungen träger Körper statt, führt man Trägheitskräfte ein, obwohl diese Körper nichts anderes tun, als ihren Zustand beizubehalten! Ich fliege mit dem Motorrad aus der Kurve, wenn die Haftreibung der Reifen nicht ausreicht, die nötige Zentripetalkraft zu liefern und ich kann in meinem Bezugssystem sagen, da hat mich wohl eine Kraft aus der Kurve getragen, eine Fliehkraft. Ein Außenbeobachter wird hingegen feststellen, dass ich bloß samt Motorrad geradeaus weiter gesaust bin, er braucht daher die Annahme einer Fliehkraft nicht, um die Bewegung zu beschreiben! Ob sich die Trägheit eines Körpers als Kraft auswirkt, hängt also vom Bezugssystem ab!
Das ist doch wirklich nicht schwer zu begreifen! Wenn Du aber eine von der Lehre abweichende Meinung hast und dir eine eigene Physik zusammen zimmerst, kann man sich die Debatte ohnehin sparen. Und da Du außerdem meinst, ich will Dich auf die Schippe nehmen, werde ich nicht mehr versuchen, Dir etwas zu erklären.
Grüße
Harald Maurer