Hallo Harald !
Ich messe also zwar diese Zentripetalkraft, und bezogen auf das BS des PKW bleibt die Brille aber in Ruhe. Jetzt führe ich eine Trägheitskraft ein, um dieses scheinbare Kräftegleichgewicht zu begründen. Diese nur im rotierenden BS einzuführende Kraft nennt sich Zentrifugalkraft und ist und bleibt eine Scheinkraft.
Dass im rotierenden System diese Kraft Fliehkraft heißt, ist selbstverständlich.
In einem geradlinig beschleunigten System wirken wieder andere Kräfte.
Bitte überlege einmal: Wenn du die Brille an keiner Federwaage befestigt hast,
kannst du keine Zentripetalkraft feststellen.Die Brille rutscht eben weg, ohne dass eine Kraftwirkung auftritt.
Das ist das, was du als Scheinkraft bezeichnest.Wenn du die Brille aber befestigt hast, dann ist eine Kraft messbar. Und zwar genau soviel Kraft, als die Brille Widerstand leistet.Nicht mehr und nicht weniger.
Doch versuche einmal mit mir mitzudenken:
1.Du hast ein 30 cm langes Schienenstück einer Spielzeugeisenbahn mit einem
kleinen Prellbock an einem Ende.
Du stellst einen Spielzeugwaggon auf das Geleise und gibst dem Waggon einen Schubs, sodass er gegen den Prellbock läuft.
Was sagst du dazu: Der Waggon ist mit
eingeprägter Kraft gegen den Prellbock gelaufen. Stimmt das nach deiner Version ?
2. Du stellst den Waggon auf die Schiene und ziehst so an der Schiene, dass der Waggon ebenfalls auf den Pellbock auffährt.
Wie sagst du jetzt dazu ?
Der Waggon hat sich mit einer Scheinkraft auf den Prellbock zubewegt und ist mit dieser
Scheinkraft auf den Prellbock aufgefahren.
Wenn du eine Zeichnung anfertigst, musst du einmal die Bewegung des Waggons zeichnerisch darstellen, das andere mal die Bewegung der Schiene. Wenn du das nicht machst, weiß beim zweiten Beispiel kein Mensch, warum der Waggon auf den Prellbock aufgelaufen ist.
Bei der Zeichnung mit dem Mädchen, das von seinem Vater herumgeschleudert wird, ist die Drehbewegung nicht eingezeichnet.Ein Beobachter kann sich deswegen nicht erklären, wieso die Hände des Vaters schräg liegen.
Ich habe Ernst ersucht , mir das zu erklären. Er hat mich lieber für dumm erklärt.
Vielleicht kannst du es besser erklären.
Eine Rotation ist eine andauernde Beschleunigung eines Körpers. Wenn ich jetzt ein Karussell zeichne, und in die Zeichnung diese Rotation nicht explizit einzeichne, stimmt etwas nicht.
Dann hängen plötzlich die Seile schräg und man weiß nicht, warum die Seile schräg hängen.Und zwar bei jeder Drehzahl verschieden schräg.
Wenn nämlich die Rotation eingezeichnet wäre, würde man erkennen, dass eine Kraft an der Masse der Gondeln zieht.
Diese Kraft bräuchte nicht ziehen, wenn die Gondel keinen Widerstand erzeugen würde. Dieser Widerstand ist genau so eingeprägte Kraft wie die Bewegungskraft eines antriebslos laufenden Eisenbahnzuges.
Und dort ist der Trugschluss:
Bei einer bewegten Masse von eingeprägter Kraft zu sprechen und bei einer relativ unbewegten Masse genau diese Eigenschaft als Scheinkraft zu erklären.
Mit Gruß
Hannes