von Harald Maurer » Mo 26. Dez 2011, 22:02
Kann hier eigentlich keiner lesen, was Ernst schreibt (und mir die Arbeit abnimmt)? Newton schreibt:
Die jenem Bestreben entgegengesetzte Kraft, durch welche die Schleuder den Stein beständig gegen die Hand zurück- zieht und ihn im Kreise festhält, nenne ich die Centripetalkraft.
Was meint er denn mit "jenem Bestreben" ?
Das erklärt er vorher:
Ein in der Schleuder herumgedrehter Stein hat das Bestreben, sich von der herumtreibenden Hand zu
entfernen; er spannt durch dieses Bestreben die Schleuder an, und zwar desto stärker, je schneller er herumgedreht wird, und er fliegt davon, sobald man ihn loslässt.
Damit meint er die Trägheit des Steins, also das Bestreben, sich geradlinig gleichförmig zu bewegen. Die gegen dieses Bestreben gerichtete Kraft nennt er Centripedalkraft.
Wären Zentripedalkraft und Zentrifugalkraft zwei Kräfte, die aus dem actio-reactio-Prinzip hervorgehen, wären sie immer gleich groß! Eine könnte nie größer werden als die andere. Wir wissen aber, dass eine Kraft die andere überwiegen kann - und Newton beschreibt das ja auch deutlich:
... Eben so wie das Projectil in eine Bahn gebracht werden und so die ganze Erde umlaufen könnte, kann auch der Mond entweder durch die Schwerkraft, wenn er nur schwer ist, oder durch eine andere ihn gegen die Erde drängende Kraft stets vom geradlinigen Wege zur Erde hingezogen und in seine Bahn gebogen werden. Ohne eine solche Kraft kann er nicht in derselben erhalten werden. Diese Kraft würde ferner, wenn sie angemessen kleiner wäre, ihn nicht stark genug vom geradlinigen Wege ablenken, hingegen, wenn sie zu gross wäre, ihn mehr als hinreichend zur Erde ablenken und gegen diese hinfuhren.
Die Zentripedalkraft kann also nicht stark genug sein, um den Mond vom geradlinigen Weg abzulenken und sie kann auch zu groß sein, und ihn zur Erde ziehen. Wäre eine Reaktionskraft namens Zentrifugalkraft vorhanden, könnte das nicht der Fall sein! Deutlicher wie Newton kann man das nicht ausdrücken! Wenn der Mond in seiner Kreisbahn bleibt, heißt das, dass ein Gleichgewicht zwischen seiner Trägheit (dem Bestreben, geradlinig gleichförmig weiter zu fliegen) und der Zentripedalkraft (hier die Gravitation) vorliegt! Und keinesfalls ein Gleichgewicht zwischen Zentripedalkraft und Zentrifugalkraft, denn die Zentrifugalkraft gib es real überhaupt nicht! Und schon gar nicht als reactio zur Zentripedalkraft, denn sie würde diese ja ständig kompensieren und es gäbe gar keine Kreisbahn!
Wenn ich in einem PKW sitze und in einer Linkskurve gegen die rechte Wand gedrückt werde, habe ich den Eindruck, es gäbe eine Kraft, die mich gegen diese Wand drückt und neige dazu, diese Kraft mit "Zentrifugalkraft" zu benennen. Aber ich werde gar nicht gegen die Wand gedrückt, sondern ich habe lediglich das Bestreben, eine geradlinig gleichförmige Bewegung beizubehalten. Es ist die Wand, welche samt Auto die Richtung ändert, und daher wird die Wand gegen mich gedrückt. Der Druck, den ich verspüre, ist keine Reaktion auf die Zentripedalkraft, sondern stammt aus meiner Trägheit! Daher ist die Kraft, die ich dem Effekt zuschreibe und mit Zentrifugalkraft benenne, eine Trägheitskraft und somit eine Scheinkraft. Denn diese Scheinkraft hat keine eigenständige Ursache. Nur meine Trägheit und die Zentripedalkraft, ausgeübt von der Wand, welche die Richtung ändert, sind im Spiel und sonst nichts!
Newton beschreibt das geradezu genial einfach und klar. Wieso manche da etwas ganz anderes herauslesen, ist mir unbegreiflich.
Grüße
Harald Maurer