Dreht man das MMI, so ändert sich die Zeitdifferenz, welche die Amplituden zueinander haben. Ändert sich die Zeitdifferenz, die der eine Strahl gegenüber dem anderen hat, läuft auch genau die entsprechende Zeit-und Wegdifferenz vorher durch, ehe sie einander treffen. Treffen sich an diesem Punkt gerade zwei Amplituden, so treffen sich auch dann zwei Amplituden, wenn dieselbe Weglänge durchgelaufen ist, die der andere Strahl noch zurückzulegen hatte. Ist in einer bestimmten Lage des MMI gar keine Zeitdifferenz vorhanden, läuft auch vorher nichts durch - die Amplituden begegnen sich wiederum am gleichen Punkt. In jeder Lage trifft eine Amplitude irgend eine andere, die genau um den Zeitversatz später vom Strahlteiler kommt. Man kann das MMI drehen wie man will, die Kompensation verändert sich proportional dementsprechend. In jeder Lage des MMI schwingen am Begegnungspunkt Umlenker
zeitgleich zwei Amplituden auf!
Daran denken: Jede einzelne Amplitude eines resultierenden Strahls wird zu einem anderen Zeitpunkt abgesendet.

Die Zeitdifferenz, welche die beiden Strahlen zueinander haben, bestimmt gleichzeitig immer auch die Größe der Kompensation. Ist das MMI einmal so eingestellt, dass sich am Umlenker zwei Amplituden treffen, so treffen sich in jeder Lage des MMI dort zwei Amplituden. Immer werden hier zwei Amplituden aufschwingen, die den Zeitversatz zueinander nicht haben! Vom Umlenker weg laufen die Wellenabschnitte daher immer phasengleich zum Detektor weiter...
Bei Drehung des MMI verwandelt sich der senkrechte Strahl in den waagrechten und der waagrechte in den senkrechten. Im Zwischenstadium, in welchem die Amplituden ohnehin zeitgleich sind, begegnen sie sich auch zeitgleich, bei Weiterdrehung läuft dann beim ehemals waagrechten, nun senkrechten Strahl die Zeitdifferenz vorher durch, ehe sich Amplituden treffen, die wiederum dadurch ihren Zeitversatz kompensiert haben.
Es geht nicht um die Geschwindigkeiten der beiden Teilstrahlen und ihre einzelne Zeitdauer, sondern um den Zeitpunkt, an welchem gerade zwei Amplituden am Umlenker aufschwingen. Es schwingen immer zwei Amplituden
zum selben Zeitpunkt auf! Der allgemeine Denkfehler besteht darin, dass man vermeint, man könne genau die Laufzeit der beiden Amplituden, die gleichzeitig vom Strahlteiler losgeschickt werden, miteinander vergleichen. Das geht nicht, weil die Wellenzüge stets um den Zeitversatz zueinander verschoben am Umlenker ankommen. Und da die Weglänge dieser Verschiebung immer genau dem jeweiligen Zeitversatz entspricht, begegnen sich am Umlenker stets auch gleiche Phasen. Es sind aber nicht beide "dieselben" Phasen, die vom Strahlteiler losgeschickt wurden. Es geht lediglich darum, dass zu gleichen Zeitpunkten am Umlenker Amplituden entstehen. Und das ist der Fall.
Grüße
Harald Maurer