Britta hat geschrieben:Hallo Gluon…;), also ich stelle mir das so vor, ich habe paar Autos hintereinander und zwischen den Wagen immer einen Stoßdämpfer. Fange ich nun an von hinten zu schieben, beschleunige also alle Wagen, dann wird die Kraft von Hinten nach Vorne über die Dämpfer weiter gegeben, die sich dabei immer ein Stück zusammenschieben. Wenn der erste Wagen dann ganz am Anfang zu rollen beginnt, ist die ganze Schlange einwenig kürzer geworden. Ich kann das auch so machen, dass ich am ersten Wagen vorne anfange zu ziehen, wenn dann der letzte Wagen rollt, dann ist die Schlange länger geworden. Wenn ich nun aber aufhöre zu beschleunigen, also nur noch mit einer konstanten Geschwindigkeit schiebe/ziehe, dann 'normalisiert' sich die Länge der Schlange nach einiger Zeit. Ich gehe mal davon aus, dass es keinen Luft und Rollwiderstand gibt, die Wagen also nicht abgebremst werden und ihre Geschwindigkeit halten. Ich verstehe dich nun so, dass dieses aber nichts mit der SRT und der LK zu tun hat?
So ist es. Der Effekt, dass der Zug beim Schieben zunächst kürzer und beim Ziehen zunächst länger wird, ist in der klassischen und in der relativistischen Mechanik (zumindest qualitativ) identisch. Der Stoß oder die Zugspannung breiten sich im Medium mit Schallgeschwindigkeit aus. Da diese viel kleiner ist als Lichtgeschwindigkeit, wird es keinen großen Unterschied machen, ob man es relativistisch oder klassisch rechnet. Nach der Beschleunigung nimmt der Zug dann wieder seine entspannte Länge an. Erst da macht sich die Längenkontraktion bemerkbar. Deshalb mein Widerspruch: Faber versucht diesen Effekt auf Kinematik zu reduzieren. Tatsächlich führt aber die Kinematik zu einer Verlängerung des Zuges in seinem Ruhesystem, wenn man alle Punkte gleichartig beschleunigt. Erst elektrische Kräfte zwischen den Bestandteilen des Zuges werden dann für die Kontraktion sorgen. Wenn sie stark genug sind, wenn sie zu schwach sind, weißt der Zug auseinander. Auch das Reißen von Objekten ist relativistisch erlaubt.
Man kann übrigens zwei Näherungen verwenden, wenn man die Beschleunigung eines Körpers berechnen will. Die eine ist, dass die Beschleunigung so rasch erfolgt, dass die Atome nicht nachkommen, ihre Bindungen zu normalisieren. Dann befindet sich das Objekt nach vollendeter Beschleunigung in einem gestreckten, verspannten Zustand und wird zu schwingen anfangen und letztlich einen kontrahierten neuen Gleichgewichtszustand einnehmen. Die andere Näherung ist die, dass der Zug so langsam beschleunigt, dass die Atome alle Zeit der Welt haben, stets in ihren neuen Gleichgewichtszustand zu kommen. Diese Näherung entspricht Fabers Simulation. Deshalb funktioniert diese für geradlinige Beschleunigungen. Für Rotationen und nicht geradlinige Beschleunigungen gibt es aber nicht zu jeder Zeit einen Ruhezustand. Eine rotationsbewegung ist ja eine ständige Beschleunigung mit ortsabhängigem Beschleunigungsvektor. Diese führt in einem Körper zu Verspannungen, die sich nicht auflösen lassen. Ein rotierendes Koordinatensystem ist kein Inertialsystem. In ihm ist das Verhältnis von Umfang zu Durchmesser größer als Pi. Deshalb ist das rotierende Zahnrad verspannt und die Zacken können sich nicht vollständig zu ihrem Ruhezustand kontrahieren.
Gruß,
Gluon
