Rudi Knoth hat geschrieben:Offensichtlich vertritt er [Ganteför im Video] im Prinzip dieselbe Ansicht wie hmpf, aber die Begründung ist eine wesentlich andere.
Im Prinzip ja. So sagt er z.B. richtig, dass Druck und Temperatur nicht prinzipiell zusammenhängen, genau wie hmpf mit seinem Autoreifen. Das ist schon korrekt. Prinzipiell kann auch unter hohem Druck die gleiche Temperatur herrschen wie unter niedrigem, ganz klar.
Das Problem bei der Suche nach einer möglichst einfachen Erklärung ist, dass die Realität nicht so einfach ist, wie man es gerne hätte. Man kann nicht hingehen und sagen, die einzige Ursache eines Phänomens sei ausschließlich diese (welche auch immer) und keine andere. In der Natur hat man allermeistens ein Zusammenspiel mehrerer Ursachen und Wirkungen. Wenn man nur eine einzige Ursache sehen will, muss man zwangsläufig stark vereinfachen und einiges fällt unter den Tisch.
In hmpfs Beispiel mit der Herdplatte in der thermisch isolierten Küche fällt z.B. die Gravitation völlig unter den Tisch. Sie macht sich ja bei 2,5 m Deckenhöhe kaum bemerkbar und deshalb stellt sich mit der Zeit überall die gleiche Temperatur ein.
Wenn man das Phänomen der zunehmenden Kälte mit zunehmender Höhe unbedingt auf eine einzige Ursache herunter brechen will, dann ist diese Ursache die Gravitation:
- Strahlung & Wärmeleitung bewirken Erwärmung/Abkühlung der Atmosphäre.
- Gravitation bewirkt eine mit der Höhe abnehmende Dichte der Atmosphäre.
- Unterschiedliche Dichte bewirkt vertikale Konvektion durch Expansion/Kompression.
- Expansion/Kompression einer Stoffmenge bewirkt adiabatische Temperaturänderung.
Es ist klar, dass auch Temperaturänderungen durch Wärmeleitung in jeder Höhe stattfinden, nicht ausschließlich adiabatische, aber auch nicht ausschließlich durch Wärmeleitung.
Ebenso klar ist, dass auch Temperaturänderungen durch Strahlung stattfinden, aber nicht ausschließlich durch Strahlung, sondern eben
auch durch Wärmeleitung
und auch durch Adiabasie.
Warum kann man nun die Gravitation die Hauptursache nennen? Ganz einfach deshalb, weil ohne sie keine höhenabhängigen Dichteunterschiede existieren würden (Ganteförs "Pullover" wäre oben nicht dünner) und außerdem die Luft nicht temperaturabhängig auf- und absteigen würde.
Zwar würde durch Abstrahlung der Treibhausgase (falls vorhanden) wohl trotzdem am äußeren Rand der Atmosphäre gekühlt, aber ohne Treibhausgase nicht. Ohne Gravitation und ohne Treibhausgase würde sich kein mit der Höhe monoton steigender oder fallender Temperaturgradient einstellen. Mit Gravitation aber sehr wohl.
Ganteför vereinfacht die Sache so, dass er eine einzige – zugegeben wichtige – Ursache herausstreicht, und die anderen unter den Tisch fallen lässt. Wäre ich sein Student gewesen als er diese Frage stellte, dann hätte ich auf jeden Fall Einspruch erhoben gegen seine stark vereinfachende Antwort. Das geht so höchstens populärwissenschaftlich durch, wo man die Leute nicht mit komplizierten Erklärungen überfordern will, aber nicht an einer Universität. Da würde ich mir als Student verarscht vorkommen.