Kurt hat geschrieben:Daniel K. hat geschrieben:
Man soll ja nie, nie sagen, und 100 prozentige Sicherheit gibt es nicht,
Du gibst also zu (bist dir also nicht sicher), dass es doch eine geben könnte die, bei geschlossener Kabine, aussagt ob der Zug bewegt ist und auch wie schnell er bewegt ist.
Das ist mehr eine philosophische Frage Kurt, wessen man sich wirklich zu 100 Prozent sicher sein kann. Schau mal hier:
1. Skeptizismus
Was kann ich wissen? Laut dem Skeptizismus kann ich gar nichts wissen. Der Cartesianische Skeptizismus behauptet, dass mich ein Dämon sowohl gegenüber meinen a priori Überzeugungen als auch gegenüber meinen a posteriori Überzeugungen täuschen könnte. Aufgrund solcher skeptischer Alternativen A könnte ich nicht wissen, dass "2+2 = 4" ist oder dass ich kein Gehirn im Tank bin.
2. Überzeugung und Rechtfertigung
Stimmt das? Das hängt ganz davon ab, was die Rechtfertigung einer Überzeugung leisten können muss. Der Kontextualismus besagt, dass der Wahrheitswert einiger Überzeugungen kontextabhängig ist. Meine nicht-unmittelbar gerechtfertigte Überzeugung p: "vor mir steht ein Laptop" ist nach alltäglichen Standards durch meine visuellen Eindrücke gerechtfertigt. D.h. im Alltagskontext K weiß ich, dass p. Nach Gewissheits-Standards weiß ich jedoch nicht, dass p, weil ich im Kontext der skeptischen Alternativen K* auch ein Gehirn im Tank sein könnte. Ob ich wissen kann, dass p, hängt also vom Äußerungskontext bzw. vom epistemischen Rechtfertigungsstandard ab.
Überdies zeigt uns der erkenntnistheoretische Fundamentalismus, dass der Wahrheitsgehalt einiger anderer Überzeugungen nicht kontextabhängig ist. Diese sogenannten "Basisüberzeugungen" q sind unmittelbar gerechtfertigt und somit immer wahr. Zu diesen Basisüberzeugungen gehören z.B. evidente Überzeugungen wie "ich existiere" oder unkorrigierbare Überzeugungen wie "vor mir sehe ich einen Laptop". Entgegen der skeptischen Lehre kann ich also wissen, dass meine Basisüberzeugungen q wahr sind.
Der Kohärentismus bestreitet diese Schlussfolgerung des erkenntnistheoretischen Fundamentalismus. Wodurch ist denn meine Basisüberzeugung q: "vor mir sehe ich einen Laptop" gerechtfertigt? Die plausibelste Antwort lautet: durch die entsprechende introspektive Sinneserfahrung S. Dann aber verstricken wir uns laut Laurence BonJour in ein Dilemma: Entweder S hat selbst Überzeugungscharakter oder S hat ihn nicht, in beiden Fällen ist q keine Basisüberzeugung. Laut der Kohärenztheorie ist eine Überzeugung vielmehr dann gerechtfertigt, wenn sie Element eines maximal kohärenten Systems von Überzeugungen ist. D.h. nach der Kohärenztheorie kann ich auch wissen, dass p, weil p Teil meines komplexen Systems von Überzeugungen ist, dass ich eine reale Außenwelt erlebe.
3. Wissen und Wahrheit
Aber was ist "Wissen" überhaupt? Laut der auf Platon zurückgehenden Standardanalyse ist Wissen gerechtfertigte, wahre Überzeugung. Ich weiß also, dass p, genau dann wenn:
(W1) p wahr ist.
(W2) ich überzeugt bin, dass p.
(W3) ich gerechtfertigt bin, überzeugt zu sein, dass p.
Dagegen die Gettier-Fälle: Wenn ich durch Gerüchte gerechtfertigt bin, anzunehmen, dass ich morgen befördert werde, wenn ich morgen rote Socken tragen werde, und wenn morgen (entgegen der Gerüchte) meine Kollegin befördert wird, die ebenfalls rote Socken trägt. Dann waren die Bedingungen (W1) bis (W3) für meine Überzeugung p2: "Morgen wird jemand mit roten Socken befördert werden" erfüllt. Da ich aber trotzdem nicht wusste, dass p2, kann die Standardanalyse des Wissens nicht hinreichend sein. Das liegt wahrscheinlich daran, dass meine Rechtfertigung für p2 nichts mit p2 zu tun hatte. Wir wissen also nicht, was Wissen ist.
Und was ist "Wahrheit"? Wahrheit ist immer auf Rechtfertigung bezogen, wer p rechtfertigt, der führt gute Gründe dafür an, dass p wahr ist. Die Proposition p* ist dabei der Wahrheitswertträger einer Überzeugung p, also ihr semantischer, der "wahr" oder "falsch" sein kann. Nach der ältesten und auf Aristoteles zurückgehenden Wahrheitstheorie ist eine Proposition genau dann wahr, wenn sie mit einer Tatsache in der Welt übereinstimmt, andernfalls ist sie falsch. Der semantische Inhalt der Überzeugung p ist also wahr, wenn p* mit der Wirklichkeit übereinstimmt, d.h. wenn tatsächlich ein Laptop vor mir steht. Diese sehr intuitive Korrespondenztheorie der Wahrheit bringt aber auch einige Probleme mit sich: So erklärt sie Wahrheit beispielsweise ohne Rückgriff auf epistemisches Vokabular wie ‚glauben’, ‚überprüfen können’ oder ‚vernünftigerweise annehmen’. Aber Wahrheit sollte doch etwas mit dem zu tun haben, was wir vernünftigerweise glauben sollten.
https://www.philoclopedia.de/was-kann-ich-wissen/https://dajolens.de/blog/was-kann-ich-wissen%3Fhttps://de.wikipedia.org/wiki/SkeptizismusIch beziehe mich darauf, auf die Frage, was man denn wirklich ganz sicher wissen kann, und da geht es eben in die Philosophie und wir verlassen die Physik. Aber die Philosophie ist meiner Meinung nach elementarer, die Wissenschaft baut darauf auf. Und so ist es auch in der Wissenschaft, keiner gibt da an, es ist 100 prozentig sicher, das Higgs-Boson existiert, es ist somit zweifelsfrei bewiesen. Eben deswegen wird ja in der Physik und der Wissenschaft von einer gewissen Sicherheit gesprochen, mit der man angibt, wie sicher eine Aussage belegt ist, oder man sich dieser eben sein sein, man spricht von Sigma, ab 5 Sigma ist die Wahrscheinlichkeit so hoch, dass man sagt, ja ist so, passt. Es gibt Dinge die man mit einer Sicherheit von über 7 Sigma als gegeben sieht.
Kurt hat geschrieben:
Heißt: S kann dem S' sagen dass er bewegt ist und wie schnell er bewegt ist. Bewegt gegen das festgelegte BS, und damit auch gegen des S'.
Die SRT wird ja wie die RT allgemein wie alle Theorien immer wieder überprüft und es wird versucht diese zu falsifizieren. Das wird auch in Zukunft so sein, aber alle Experimente haben eben die Aussagen der RT bestätigt. Klar kann man es eben nicht zu 100 Prozent ausschließen und davon abgesehen passen RT und QT nicht zusammen, habe ich schon ein paar mal hier geschrieben, die RT ist eine Feldtheorie und die QT eine Teilchentheorie, in ihrem Bereich sind diese beiden Theorien unglaublich genau und mit extremer Sicherheit bestätigt. Aber bei bestimmten Situationen geht es eben nicht, Schwarze Löcher sind hier ein Beispiel, da braucht man beide Theorien und die RT kommt da an ihre Grenze, es tauchen Unendlichkeiten auf, Werte und Größen die unendlich werden, ein Zeichen, dass da was nicht passt.
Recht sicher wird es also eine Theorie geben, die tiefer geht, fundamentaler ist, die alle vier Grundkräfte beschreibt, die die Gravitation mit der Quantentheorie zusammenbringt. Die Stringtheorie ist so ein Versuch, hier mal ein Link dazu:
https://www.spektrum.de/news/quantengra ... it/2007706