Trigemina hat geschrieben:Die Sichtachse zeigt auf die scheinbare Jupiterposition.
Ernst hat geschrieben:Die Sichtachse zeigt abweichend von der Wellennormalen stets zur tatsächlichen Position des Jupiters
Und bei fb... kommt in einem Bezugssystem (Äther)das Licht schräg und im anderen (Erde) senkrecht daher ...
Was ist denn jetzt richtig?
Ich gebe gleich mal eine Aufklärung. Der Astronom sagt, die Planetenaberration bei Annahme eines Äthers ist gar keine Aberration, sondern nur eine Verschiebung innerhalb desjenigen Zeitintervalles, in welchem das Licht zur Erde gelangt. Diese Verschiebung, Winkel zwischen der wahren Richtung zum Planeten und der scheinbaren Richtung ist im Falle der gleichmäßigen geradlinigen Bewegung im Betrag gleich wie die Aberration des Lichtes. Der Astronom macht einen Unterschied zwischen stellarer Aberration (oder Aberration des Lichts von Planeten), die aufgrund der endlichen Lichtgeschwindigkeit in Bezug zur Geschwindigkeit des Beobachters eine Sichtachse als Resultierende ergeben (die auf einen scheinbaren Ort zeigt) gegenüber der tatsächlichen Verschiebung im Äther, in welcher das Licht tatsächlich vom Ort kommt, wo der Planet war! Im ersten Fall, der Aberration ohne Äther nur aufgrund der Geschwindigkeiten, verschiebt sich die Sichtachse zur Wellennormale tatsächlich, im zweiten Fall, also der Verschiebung im Äther, aber nicht, weil das Licht tatsächlich vom Ort kommt, wo der Planet bei Abstrahlung war. In diesem Fall ist auch die Wellennormale geneigt und entspricht der Sichtachse. Denn es handelt sich nicht um eine Projektion auf einen imaginären Ort, sondern um einen tatsächlichen Lichtweg im Äther.
Diese Verschiebung aufgrund der Lichtlaufzeit und der Planetenbewegung wird von den Astronomen auch ohne die Voraussetzung des Äthers angenommen; es wird also beides berücksichtigt, sowohl die Aberration des Lichtes als auch die Verschiebung. Siehe auch:
http://members.aon.at/puschnig/Ephemeriden/Koordinaten/Koordinaten.html
Zitat daraus:
Lichtlaufzeit und Aberration:
Diese zwei Effekte sind verantwortlich für die scheinbare Ortsveränderung eines Planeten:
Lichtlaufzeit: der Planet wird dort gesehen, wo er war, als der Lichtstrahl ihn verließ (aufgrund endlicher
Geschwindigkeit des Lichts).
Aberration: durch die Bewegung der Erde um die Sonne (jährliche Aberration) und um die eigene Achse (tägliche
Aberration), verändert sich die Einfallsrichtung des Lichts.
Bei der Aberration ohne Äther wird der Planet nicht dort gesehen, wo der Lichtstrahl ihn verließ, sondern an einem Ort, wo er noch gar nicht war, denn sein virtuelles Bild wird nach vorne versetzt. Bei der Verschiebung im Äther hingegen ist der Planet tatsächlich an diesem Ort gewesen. Dieser Ort kann daher nicht vor ihm, sondern nur hinter ihm liegen. Im Jupiterexperiment ist sowohl die Aberration aufgrund der Relativbewegung zwischen Erde und Jupiter als auch die Verschiebung zu berücksichtigen, wobei die Aberration aufgrund der geringen Relativgeschwindigkeit kaum ins Gewicht fällt. Im Falle des Äthers und der Verschiebung stimmen Sichtachse und Wellennormale überein, weil das Licht tatsächlich die gesehene Richtung hat, die Aberration erzeugt hingegen eine scheinbare Sichtachse, was auf die Lage der Wellennormalen keinen Einfluss hat. Im Falle der stellaren Aberration (Bradley) sind demnach die Wellenfronten, die vom Fixsternhimmel waagrecht kommen, gegenüber der verdrehten Sichtachse unverändert waagrecht und der Himmelskörper erscheint an einem Ort, an welchem er niemals war, lediglich als Projektion auf das Himmelsgewölbe.
Eine Bestätigung dieser Unterscheidung zwischen Aberration und Verschiebung habe ich in einem Text von Kunizkij gefunden, dessen Formulierung ich für die sinngemäße Wiedergabe der Erklärung des Astronomen teilw. übernommen habe:
Wir haben demnach richtig gehandelt, als wir die Messbasis nach der Sichtachse ausgerichtet haben. Denn im Falle des Äthers gibt sie einen tatsächlichen Lichtweg an und Sichtachse stimmt mit Wellenvektor (Wellennormale) überein: die Wellenfronten stehen dazu senkrecht und die Basis ebenso. Gibt es den Äther nicht, haben wir nur mit der Aberration aufgrund der Relativbewegung zwischen Erde und Jupiter und jener aus der Erdrotation zu rechnen; beide haben einen so kleinen Wert, dass sie das Messergebnis kaum beeinflussen; in beiden Fällen - Äther oder SRT - ist die Ausrichtung der Basis nach Sichtachse korrekt und kommen die Signale an A und B gleichzeitig an.
Also meine Herren. Genaugenommen hatte keiner von uns 100-ig recht, denn der Unterschied zwischen Verschiebung im Äther und Aberration war mir auch nicht bewusst. Auch ist die Ansicht richtig, dass Wellennormale und Sichtachse zueinander verdreht sein können, aber nur im Fall der Aberration und nicht im Fall der Verschiebung.
Wie so oft im Leben, kommt es auf den kleinen Unterschied an!
Grüße
Harald Maurer
