Nicht-Transitivität der Lorentztransformation

Hier wird die Relativitätstheorie Einsteins kritisiert oder verteidigt

Re: Nicht-Transitivität der Lorentztransformation

Beitragvon Jocelyne Lopez » Sa 17. Apr 2010, 06:50

Gerhard Kemme hat geschrieben:
Wir werden bei dieser Art von Diskussions-Medium erstens den begrenzten Schreibraum berücksichtigen müssen und zum anderen nicht völlig losgelöst von der Leserschaft schreiben können. Insofern kommt es im Rahmen eines Beitrages darauf an, den Gedankengang in Kürze aber Verständlichkeit so gut wie möglich rüber zu bringen. Dies läuft besser mit einem konkreten Beispiel, welches einfach nur zeigt, wie solch ein Beweis möglich ist. Wer den Beweis dann allgemein machen oder gar eine Widerlegung zeigen möchte, kann dies tun.


Sehr vernünftige und einsichtige Einstellung. :)

Dipl.-Ing. Norbert Derksen beschreibt die Problematik für die Öffentlichkeit in seinem neuen Leserbrief von 8.4.10 wie folgt:

Zitat Norbert Derksen:

Die Lorentz-Transformation ist allein deshalb schon falsch, weil sie im allgemeinen Fall nichtkollinearer Geschwindigkeiten überhaupt nicht transitiv ist, wie ich schon zig mal rechnerisch überprüft habe, was sicherlich auch Ihnen nicht schwerfallen wird. Wenn man also beispielsweise ein Ereignis bzw. einen Weltpunkt vom Inertialsysten S in ein solches namens S’ transformiert, anschließend von S’ nach S”, so bekommt man etwas anderes heraus, als wenn man direkt von S nach S” transformiert. Damit ist diese Formel unabdingbar falsifiziert.


Ich habe aber bis jetzt ein konkretes Beispiel bei Norbert Derksen vermisst. Vielen Dank, Herr Kemme, dass sie ein vorgebracht haben.

Viele Grüße
Jocelyne Lopez
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Re: Nicht-Transitivität der Lorentztransformation

Beitragvon Mirko » Sa 17. Apr 2010, 09:11

Belibt immer noch die Frage, ob Transitivität überhaupt notwendig ist.
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Re: Nicht-Transitivität der Lorentztransformation

Beitragvon scharo » Sa 17. Apr 2010, 10:39

Was die Transitivität in der LT betrifft muss man zuerst unterscheiden, ob es sich um die LT in LET (Lorentz) oder um die LT in der SRT handelt.
Contravariant schriebt, dass die Frage nach der Transitivität in der LT und SRT nicht zu suchen hätte. Möglich, dass er recht hat, aber wenn bereits 1911 – v. Laue, oder wer sonst war, eine fehlende Transitivität feststellte und auch (später?) Lorentz über vorhandene Transitivität in seiner Theorie sprach, müsste sie doch relevant sein.

Über Transitivität spricht man bei mindestens drei IS, die zueinander bewegt sind. Transitiv ist ein Rechenweg, der egal auch aus welchem IS identische Resultaten liefert – das wäre z.B. bei der GT der Fall.
Nehmen wir den einfachsten Fall: Drei IS, die zueinander in gleiche Richtung bewegt sind (alle x-Achsen fallen zusammen), IS_1 mit v = 0; IS_2 mit v = 0,4c und IS_3 mit v = 0,8c.
Ein Punktereignis passiert zur Zeit t_1 und Abstand x_1 von IS_1. Alle drei IS sind zum Zeitpunkt des Ereignisses am gleichen Ort – d.h die KS-Ursprünge aller IS fallen zusammen.
IS_1 misst t_1 und x_1
IS_1 meint, IS_2 muss das Ereignis bei t´_1 und x´_1 messen = (t_1; x_1)*y(0,4c) - (Bitte die Prims beachten!)
IS_1 meint, IS_3 muss das Ereignis bei t´´_1 und x´´_1 messen = (t_1, x_1)*y(0,8c)

Jetzt versetzen wir uns in IS_2, das jetzt „unbewegt“ ist.
IS_2 wird das Ereignis bei t_2 und x_2 messen, wobei t_2 = t_1 und x_2 = x_1 (Invarianz der Eigenzeit und –länge)
IS_2 wird meinen, IS_1 muss das Ereignis bei t´_2 und x´_2 messen = (t_2, x_2)*y(0,4c), was = (t_1; x_1)*y(0,4c) – die Symmetrie und Relativitätsprinzip stimmen.

IS_2 wird meinen, IS_3 muss das Ereignis bei t´´_2 und x´´_2 messen = (t_2, x_2)*y(0,4c), was aber nicht den Resultaten aus Sicht von IS_1 entspricht, da y(0,4c) nicht y(0,8c) gleich ist. Aus Sicht von IS_2 zeigen IS_1 und IS_3 gleiche Resultaten, logisch müsste aus IS_1 alles in IS_3 gleich verlaufen – ist es aber nicht. Somit kann man von Transitivität nicht sprechen. IS_3 müsste nach Meinung von IS-1 und IS_2 zu gleicher Zeit und an gleichem Ort verschiedene Koordinaten des Ereignisses messen.

Das war ein einfaches Beispiel, vielleicht nicht ganz zutreffend, normalerweise werden bei der Diskussion über die Transitivität IS genommen, die in verschiedene Richtungen zueinander bewegt sind – z.B. 90°.

Diese „fehlende“ Transitivität wird, wurde mit der Thomas-Drehung unter den Tisch gekehrt. Diese „Drehung“ hat mit der Drehung der Koordinatenachsen bei Minkowski nichts zu tun, sonst würde Minkowski-Drehung heißen. Das Problem existiert auch in den Minkowski-Diagrammen.

Die Beispiele mit Zwillingen und Drillingen haben mit der fehlenden Transitivität nichts zu tun. Dort werden fälschlicherweise die Prim-Werte als Eigenzeit und –länge des entsprechenden IS genommen – das tun die Relativisten, die die SRT nicht kennen. Sollten wir die Prim-Werte als relevant für die Transitivität nehmen, dann gebe es Transitivität, genauso RP nicht mal zwischen nur zwei IS.
Genauso hat die relativistische G-Addition damit nichts zu tun.

Die Aussage von Derksen:
„Wenn man also beispielsweise ein Ereignis bzw. einen Weltpunkt vom Inertialsysten S in ein solches namens S’ transformiert, anschließend von S’ nach S”, so bekommt man etwas anderes heraus, als wenn man direkt von S nach S” transformiert. Damit ist diese Formel unabdingbar falsifiziert.“
ist nur bedingt richtig! Er nimmt eben die Prim-Werte. Mit Prim-Werte gäbe es keine Transitivität sogar bei nur zwei IS.
Beispiel: IS_A misst t = 5; transformiert in IS_B, das mit 0,6c zu IS_A bewegt ist, bekommt man t´= 4. Sollte jetzt t´= 4 tatsächlich die Eigenzeit des IS_B sein (d.h. IS_B misst in seinem eigenen und jetzt unbewegten IS tatsächlich 4) dann nach Transformation zu IS_A müsste 3,2 sich ergeben, usw.

Derksen wundert sich, dass Lorentz der Meinung war, die LT in seiner Theorie doch transitiv wäre. Ist sie auch – bei Lorentz gibt es nur ein einziges bevorzugtes Bezugssystem – der Äther. Egal dann aus welchem IS etwas zu egal auch welchem IS beurteilt wird, muss man zurück zum Äther transformieren und erst dann zum anderen IS. In der SRT ist natürlich anders – dort sind alle IS „bevorzugt“.

Ich persönlich finde, dass die fehlende Transitivität in der SRT nicht so überzeugendes Argument gegen sie darstellt, da ein breiter rhetorischer Spielraum vorhanden ist.

Gruß
Ljudmil
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Re: Nicht-Transitivität der Lorentztransformation

Beitragvon contravariant » Sa 17. Apr 2010, 10:55

scharo hat geschrieben:Möglich, dass er recht hat, aber wenn bereits 1911 – v. Laue, oder wer sonst war, eine fehlende Transitivität feststellte und auch (später?) Lorentz über vorhandene Transitivität in seiner Theorie sprach, müsste sie doch relevant sein.

Da hätte ich doch gerne eine Referenz zu. Denn das was ihr hier fabriziert, hat immer noch nichts mit Transitivität zu tun, weil die LT (wie der Name ja bereits andeutet) Transformationen sind und keine Relationen. Ich schlage deshalb vor, wir geben dem Kind einen neuen Namen: Kemmesch.
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Re: Nicht-Transitivität der Lorentztransformation

Beitragvon contravariant » Sa 17. Apr 2010, 11:25

Chief hat geschrieben:Gibt es in der LT keine Relationen? Wenn nicht warum?

Lies dir mal ein paar Grundlagen durch, dann kannst du wiederkommen und uns erzählen, warum die Frage keinen Sinn macht.
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Re: Nicht-Transitivität der Lorentztransformation

Beitragvon contravariant » Sa 17. Apr 2010, 11:37

Chief hat geschrieben:Vielleicht kannst du uns das erklären. :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:

Können tue ich das vermutlich schon, machen aber eher nicht. Bei deinem dümmlichen Smiliepost ist mir grade die Lust vergangen.
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Re: Nicht-Transitivität der Lorentztransformation

Beitragvon contravariant » Sa 17. Apr 2010, 11:56

Chief hat geschrieben:Das bedeutet für mich, dass du das nicht kannst. :mrgreen: :lol:

Bitte, wir leben in einem freien Land.
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Re: Nicht-Transitivität der Lorentztransformation

Beitragvon scharo » Sa 17. Apr 2010, 11:59

Hallo Contravariant,

„Da hätte ich doch gerne eine Referenz zu.“

Doch, doch, die gibt es. Ich habe jedoch keine Lust jetzt danach zu suchen – bestimmt kann ein anderer sie angeben.
Zitat:
„nach unserem Gespräch vom vergangenen Freitagabend bei Uni-Downtown habe ich
> mich bei Wikipedia umgeschaut und das Manuskript von Lorentz (1914)
> gefunden.
>
> Interessant ist, dass er im Nachtrag unter 3. näher auf die mathematischen
> Eigenschaften der Lorentztransformation, von ihm als „Spezielle
> Relativitätstransformation“ bezeichnet, eingeht. Er stellt nach der Formel
> (20) unter Eigenschaft b) fest, dass die Transformation transitiv sei.“


Ich bin eigentlich auch der Meinung, von einer Transitivität zu sprechen, ist für eine Transformation, die einen nichtlinearen, exponentialen Faktor enthält, nicht passend.
Erst, wenn die Prim-Werte als reale Eigenzeiten und –längen interpretiert werden, was bei Lorentz aufgrund des realen Äthers und LK der Fall ist, dann schon. Möglich, dass Laue, wie Einstein und alle Relativisten heute, das glauben – dann wäre die Transitivität doch relevant.

Gruß
Ljudmil
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Re: Nicht-Transitivität der Lorentztransformation

Beitragvon contravariant » Sa 17. Apr 2010, 12:05

scharo hat geschrieben:Ich bin eigentlich auch der Meinung, von einer Transitivität zu sprechen, ist für eine Transformation, die einen nichtlinearen, exponentialen Faktor enthält, nicht passend.

Ich bin nachwievor der Meinung, dass die Begriff Transitivität nur für Relationen definiert ist, und nicht für Transformationen, auch nicht für lineare. Übrigens sind die LT lineare Transformationen.
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Re: Nicht-Transitivität der Lorentztransformation

Beitragvon Jocelyne Lopez » Sa 17. Apr 2010, 12:16

Eine kleine Bemerkung am Rande:
Die Debatte über die Natur der Transitivität, das Vorhandsein bzw. Nichtvorhandsein der Transitivität, sowie die Notwendigkeit oder Nichtnotwendigkeit der Transitivität in der RT finde ich als Mathematiklaiin absolut köstlich... ;) Sie dokumentiert meiner Meinung nach sehr gut wie schwach und missverständlich die Sprache der Mathematik zur Beschreibung von physikalischen Prozessen ist bzw. sein kann... Galilei lag auf jeden Fall völlig daneben, als er behauptete, das Buch der Natur sei in der mathematischen Sprache geschrieben... :?

Aber das wie gesagt nur am Rande, ich verfolge weiter gerne die Debatte über die Nichttransitivität der Lorentztransformation, wobei ich mir dabei sicher bin, dass auch hier kein Konsens zwischen Experten aus beiden Lagern zu erreichen ist. Auch bin ich nach wie vor der Meinung, dass hauptsächlich die Mathematiker der Relativistik Schuld am intellektuellen Desaster dieses Theoriekomplexes sind, was auch die dramatische Überbewertung dieser Disziplin in der Physik und in der Bildung dokumentiert.

Viele Grüße
Jocelyne Lopez
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