nocheinPoet hat geschrieben:Und eine Theorie, welche in einem so großen Bereich Phänomene so genau beschreibt wie die SRT ist nicht einfach falsch, oder kann nicht einfach falsch sein.
Die SRT beschreibt Phänomene, die real nicht existieren. Und es gibt kein Experiment, das aussschließlich die SRT bestätigen würde. So locker hingeworfene Behauptungen sind deshalb eine Provokation für jeden Kritiker. Leider wissen die Kritiker auch nicht, was sie wollen und argumentieren überwiegend verkehrt...
Da schilderte ich, dass es eine realisierbare Möglichkeit gibt, zu überprüfen, ob die ZD der SRT eine konkrete Gangänderung von Uhren beinhaltet, weil es zwischen Punkten auf unterschiedlichen Breitengraden unseres Erdballs Relativgeschwindigkeiten gibt und weise darauf hin, dass sich beim Vergleich hochgenauer Atomuhren bislang nichts dergleichen feststellen ließ ... und was machen die "Kritiker der SRT" ? Sie bestreiten doch glatt diese Relativgeschwindigkeiten! Anstatt darüber glücklich zu sein, dass die SRT Zeitdilatationen voraussagt, die sich nicht bestätigen lassen!
Manche "Kritiker" behaupten sogar, Einsteins Schilderung der Relativbewegung zwischen Äquator- und Poluhr sei "falsch". Aber sie ist keinesfalls falsch. Den echten Fehler in der Beschreibung unmittelbar vor dieser Textstelle, in welcher Einstein eine Uhr A zur Uhr B laufen lässt, bemerkt hingegen keiner der "SRT-Spezialisten". Denn hier stellt Einstein den dilatierten Gang der Uhr als
Absoluteffekt dar (weil sich die Uhranzeigen letztlich unterscheiden). Dieser Absoluteffekt ist aber - sollte er konsistent mit der SRT bleiben - nur aufgrund der Beschleunigung möglich, welche die Uhr B braucht, um v zu erreichen. Folglich ist die Formel in dieser Textpassage eindeutig falsch. Abgesehen davon, dass Einstein die Uhr B im falschen Bezugssystem laufen lässt...
Das sollte inzwischen wohl längst geklärt sein: Längenkontraktion und Zeitdilatation der SRT sind Messeffekte aufgrund der
Relativität der Gleichzeitigkeit. Nichts schrumpft laut SRT und keine Uhr geht langsamer. Auch die Invarianz der Lichtgeschwindigkeit ist ein Messergebnis und stammt ebenfalls aus der Einsteinschen Definition der Gleichzeitigkeit. Denn wer seine Uhren just mit dem Licht, das er messen will, synchronisiert, und dies unter der Annahme tut, das Licht habe eine invariante Geschwindigkeit, wird weder etwas Genaues über seine Uhren erfahren noch genaue Kenntnis über das Verhalten des Lichts erhalten. In diesem Zirkelschlussprinzip kompensiert sich jede allfällige Bewegung gegen das Licht oder den Äther, gleichgültig, ob es diesen gibt oder nicht. Und genau das ist ja der Zweck der Absicht.
Zum Bertozzi-Experiment wäre zu sagen, dass sich die Conclusio auf lediglich
vier Messpunkte stützt (ein 5. Messpunkt liegt weit außerhalb des Diagramms) und die schönen Messkurven, wie man sie im Paper oder in den Fachbüchern präsentiert bekommt, reinste Fiktion sind. Obwohl das behauptete Resultat des Bertozzi-Experiments meiner Anschauung nicht total entgegensteht, halte ich das gewiss genial durchdachte Experiment eher für recht schwach in der Aussage. Es hat sicherlich nicht jene Bedeutung für die SRT, die man ihm allgemein zuschreibt.
chief hat geschrieben:Man sieht dass mal Satellit mal die Bodenuhr schneller bewegt wird, wodurch sich beide ZDs fast vollständig kompensieren.
Nein - die ZD ist stets nur ein Effekt innerhalb der Beziehung zweier Bezugssysteme zueinander. Es sollte also eine (gar nicht geringe!) ZD zwischen Satellit und Bodenstation geben, oder aber eine zwischen Satellit und Sonnensystem oder Bodenstation und Sonnensystem etc. Wäre die ZD ein konkreter Effekt, also eine Veränderung der Gangeigenschaft von Uhren, käme ein hübsches Durcheinander von ZDs zustande. Eine Uhr mit stabilem Gleichlauf wäre völlig undenkbar. (Daher mein ironischer Satz, hochgenaue Atomuhren wären wohl eine Chimäre ...) Richtig interpretiert bedeutet die ZD, dass Uhren nicht langsamer laufen, sondern vom anderen Bezugssystem aus als langsamer wahrgenommen ("gemessen") werden! Würden Uhren tatsächlich je nach ZD ihren Gleichlauf verändern, könnte man unter Einsatz mehrerer unterschiedlich bewegter BS die schönsten Paradoxa konstruieren.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass manche Fachleute offenbar die ZD nicht richtig auslegen und sowohl Experimente missdeuten als auch die ZD (wie z.B. im GPS) falsch zu korrigieren versuchen. Denn ein rein messtechnischer, relativer Effekt lässt sich nicht dadurch kompensieren, dass man in den Gang von Uhren prophylaktisch eingreift. So berücksichtigt man beim GPS auch die ZD der SRT insofern, als man die ART-Korrektur um diese ZD vermindert - so als würde der SRT-Effekt tatsächlich real auftreten und einen langsameren Gang der Uhr verursachen. Das ist natürlich falsch - und deshalb ist das GPS (das auch ohne diese relativistischen "Korrekturen" funktionieren würde!) als Bestätigung für die RT völlig wertlos.
Aber auch die Korrektur des ART-Effektes beim GPS ist verfehlt. Im höheren Gravitationspotenzial läuft eine Uhr bekanntlich schneller als auf dem Erdboden. Stellt man nun eine dementsprechend niedrigere Oszillatorfrequenz ein, so läuft die Uhr aufgrund dieses Effektes "normal". Die GPS-Oszillatoren strahlen deshalb idealerweise schon die Nominalfrequenz nach unten ab. Unten aber "vergeht" lt. ART die Zeit langsamer als oben, und diese Nominalfrequenz würde daher überschätzt werden (gravitative Blauverschiebung). Man hätte also, um auch diesen zusätzlichen Effekt zu kompensieren, die Frequenzverstimmung
doppelt anwenden müssen. Aber auf diese ART-Blauverschiebung hat man schlicht und einfach vergessen.
Grüße
Harald Maurer