Zeitdilatation - Wahrheit oder Mythos?

Hier wird die Relativitätstheorie Einsteins kritisiert oder verteidigt

Re: Zeitdilatation - Wahrheit oder Mythos?

Beitragvon fallili » Fr 20. Mär 2015, 13:52

Harald Maurer hat geschrieben:Es ist daher kaum anzunehmen, dass irgend ein Beobachter irgend etwas wie in Zeitlupe sehen würde. Und im Zeitraffer schon gar nicht, denn die ZD ist unabhängig von der Richtung und bestenfalls sähen sich zwei relativ bewegte Beobachter gegenseitig in Zeitlupe!
.........
Grüße
Harald Maurer

Wie soll man es beim "normalen" Zwillingsparadoxon interpretieren, dass für einen z.B. 5 Jahre und für den Andern 10 Jahre vergangen sind?
Der mit den 10 Jahren muss ohne Zweifel doppelt so viel erlebt haben wie der Andere - muss also aus Sicht des um 5 Jahre gealterten Zwillings ein Leben in "Zeitraffer" geführt haben.
Also wenn ein Bekannter heute bei mir in den Urlaub wegfährt, in 7 Tagen wiederkommt und erzählt, er war in der Zwischenzeit 5 Tage auf Hawaii, dann 3 Tage im Yellowstone Park und dann noch 4 Tage in New York - und wenn er mir das anhand von Fotos und Videos beweisen kann, dann werde ich nicht umhin kommen seinen Urlaub als "im Zeitraffer" verbracht zu bezeichnen.
Und umgekehrt wird er wohl anerkennen müssen, dass ich in seinen Augen in Zeitlupe gelebt habe.

Mag sein, dass das "Hausfrauen - SRT" ist - Deine Begründungen warum es nur "Hausfrauen - SRT" sein soll, muss ich mir aber erst durchdenken.

Auch viele Grüße
fallili
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Re: Zeitdilatation - Wahrheit oder Mythos?

Beitragvon contravariant » Fr 20. Mär 2015, 20:43

Harald Maurer hat geschrieben:Die 15 s reichen leider nicht, wenn die Sicherheitsmaßnahmen 30 s dauern! Aber mit den 31 s im Feuerkugelsystem geht es sich aus. Das sind echte Zeitunterschiede, denn in beiden Systemen wird mit der SI-Sekunde gemessen, wie überhaupt alle Zeit-und Raumeinheiten in beiden Systemen übereinstimmen, denn sie sind über die Lichtgeschwindigkeit definiert. Man sieht es auch an den Raumkoordinaten bzw. Strecken. Es ist also nicht so, dass 15 s den 31 s "entsprechen" und man im Feuerkugelsystem die Erdbewohner in Zeitlupe sehen würde. Im Erdsystem braucht die Feuerkugel 115 s, im Feuerkugelsystem die Erde 57 s - und dieser Unterschied kommt aus den unterschiedlichen mit v durchflogenen Strecken. Freilich kann man rücktransformieren. Wir beginnen daher einfach mit der Beschreibung im Feuerkugelsystem, in welchem beobachtet wird, dass 30 s lang die Erdbewohner sich in Sicherheit bringen und transformieren zurück. Dann ergibt es sich, dass nach 15 s das Feuer da ist und von Sicherheit keine Rede sein kann. Wie man's dreht und wendet, es passt nicht zusammen!

Ich rufe nochmal meine Rechnung in Erinnerung viewtopic.php?f=6&t=562&start=1390#p89745
(Explosion) (xE, tE) = (100Ls, 0s) -> (xE',tE') = (200.0Ls, 173.2s)
(Licht trifft Erde) (xL, tL) = (0Ls, 100s) -> (xL', tL') = (173.2Ls, 200.0s)
(Feuer trifft Erde) (xT, tT) = (0Ls, 115.5s) -> (xT', tT') = (200.0Ls, 231.0s)
Jetzt kann man ja als Beispiel annehmen, dass ein Mensch in Sicherheit rennt, wenn der Lichtblitz die Erde trifft. Und zwar flüchtet er um 100 Meter (oder 3.3E-7 Ls). Also
(x1, t1) = (0Ls, 100s) -> (x1', t1') = (173.2Ls, 200.0s)
(x2, t2) = (3.3E-7Ls, 115s) -> (x2', t2') = (199.2Ls, 230s)
Damit benögt die Flucht im Feuerballsystem 30s, was aber kein Problem darstellt, da dort ja der Feuerball 31s nach dem Lichtblitz die Erde erreicht. Jetzt kann man das natürlich wieder zurücktransformieren, man erhält dann natürlich die Ausgangswerte, und sieht, dass die Flucht im Erdesystem dann natürlich wieder 15s dauert. Das von dir beschriebene Problem existiert also nicht.
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Re: Zeitdilatation - Wahrheit oder Mythos?

Beitragvon julian apostata » Sa 21. Mär 2015, 11:13

Okay, jetzt hab ich den entscheidenden Fehler in Haralds Argumentation gefunden. Grund dafür ist: Es lassen sich die Berechnungen wesentlich einfacher nachvollziehen, wenn man seine vorgegebene Geschwindigkeit nur geringfügig ändert, nämlich auf c*wurzel(3)/2~0.8660254038*c.

Dann ergibt sich nämlich eine Matrix aus 2 ganzen Zahlen und einer Wurzel. Und die Ergebnisse weichen nur geringfügig von seinen Werten ab.

http://www.mahag.com/neufor/viewtopic.php?f=6&t=562&start=1360#p89580

Harald Maurer hat geschrieben:Wir transformieren in die Koordinaten des Feuerkugel-Systems:

x=100 LS --> x'= 199,9824 LS od.59953215,9491149.. km
t=0 s --> t'= 173,18476 s


Bild

Harald Maurer hat geschrieben:Die Erde wird daher nach 57,7418 s mit der Feuerkugel zusammenprallen.

Bild

Um von x'=150 zu x'=200 zu gelangen braucht die Erde noch 57,4 s (230,94-173,21)

Harald Maurer hat geschrieben:Das Licht der Feuerkugel kommt hier nur um 7,7374 s früher an der Erde an.


Und hier haut Harald gewaltig daneben! Die Erde nähert sich also mit 0,866*c und das Licht von der Kugel kommt mit c der Erde entgegen.

Von der Kugel aus gesehen verringert sich also der Abstand zwischen Erde und Kugel mit 1,866*c

Von der Kugel aus gesehen trifft also das Licht schon nach 26,79 s auf die Erde, während bis zum Zusammentreffen von Kugel und Erde noch 57,74 s verstreichen.

Die Vorwarnzeit aus Sicht der Kugel beträgt somit 30,94 s und für die Erdbewohner (wegen Zd) genau die Hälfte, also ca 15,47 s.

Und das steht keineswegs im Widerspruch zur letzten Matrix-Vektor-Multiplikation.
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Re: Zeitdilatation - Wahrheit oder Mythos?

Beitragvon fallili » Sa 21. Mär 2015, 12:01

julian apostata hat geschrieben:Von der Kugel aus gesehen verringert sich also der Abstand zwischen Erde und Kugel mit 1,866*c

Ohne nun genau zu verstehen was Du insgesamt aussagen willst - DAS halte ich für eine sehr gewagte Aussage!

Dass ein dritter Beobachter sieht, das sich Abstände mit mehr als c verringern, ist kein Problem.
Links nähert sich mir A mit 0,8 c - rechts nähert sich mir mit B mit 0,8c --- Von mir aus gesehen ändert sich der Abstand zwischen A und B mit 1,6 c.

Aber das ein Beobachter feststellt das sich ihm etwas mit 1,866 c nähert halte ich für ein Märchen.
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Re: Zeitdilatation - Wahrheit oder Mythos?

Beitragvon julian apostata » Sa 21. Mär 2015, 12:41

fallili hat geschrieben:Aber das ein Beobachter feststellt das sich ihm etwas mit 1,866 c nähert halte ich für ein Märchen.


Das hab ich auch nie behauptet.

julian apostata hat geschrieben:Von der Kugel aus gesehen verringert sich also der Abstand zwischen Erde und Kugel mit 1,866*c


Vielleicht hätte ich lieber schreiben sollen.

Im System der Kugel wird eine Abstandsverringerung von 1,866*c fest gestellt.


Bist du mit letzter Formulierung einverstanden?
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Re: Zeitdilatation - Wahrheit oder Mythos?

Beitragvon Harald Maurer » Sa 21. Mär 2015, 12:48

julian apostata hat geschrieben:Vielleicht hätte ich lieber schreiben sollen.

Im System der Kugel wird eine Abstandsverringerung von 1,866*c fest gestellt.



Bist du mit letzter Formulierung einverstanden?
:geek:
Das ist auch falsch. Diese Abstandsverringerung besteht zwischen dem Licht der Kugel und der Erde. Kugel und Erde nähern sich hingegen mit v, der Relativgeschwindigkeit. Die ist konstant in beiden Systemen. Das Licht hat in Bezug zur Erde c+v - daher die 26,79 s Laufzeit. Da habe ich nur mit c gerechnet, ein Fehler, den ich eingestehen muss! Aber mit dem c+v habe ich dennoch keine Freude.

Grüße
Harald Maurer
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Re: Zeitdilatation - Wahrheit oder Mythos?

Beitragvon Harald Maurer » Sa 21. Mär 2015, 14:27

Nach Akzeptanz der Argumente von contravariant muss ich mir wohl etwas anderes ausdenken.
Wie sich bislang ergeben hat, dauert die Zeit für die Sicherheitsmaßnahmen aus Sicht des Feuerkugelsystems länger als dies auf der Erde der Fall ist. Jetzt gehen wir davon aus, dass die Feuerkugel 57 s lang brennen kann. Erde und Feuerkugel kommen über die verkürzte Strecke im Feuerkugelsystem zusammen, und im Erdsystem ebenfalls über die längere Strecke - da hier die Feuerkugel wg. ZD länger brennt. Die Endsituation ist daher in beiden Systemen dieselbe: Feuerkugel kommt gerade noch brennend an der Erde an. Haben wir auf der Erde eine gleiche Feuerkugel, die ebenfalls nur 57 s brennen kann, dann brennt diese im System der anderen Feuerkugel ebenfalls länger. Und nun sich statt der Feuerkugeln zwei Myonen zu denken (mit der maßlos übertriebenen Zerfallszeit von 57 s ;) ) ist wohl auch kein Problem. Dann haben wir im Erdsystem ein Myon, das 57 s lang lebt und ein bewegtes Myon, das 115 s lang lebt und dieses Myon lebt in seinem System 57 s und trifft auf der Erde ein Myon an, das 115 s lang gelebt hat! Welches Myon länger lebt und welches nicht, hängt also vom Bezugssystem ab. Ebenso hängt der Ausgang von Experimenten mit relativistisch bewegten Myonen vom Bezugssystem ab. Das ist schon mal eine nach dem RP völlig unzulässige Situation.
Haben wir in jedem System einen Experimentator, und beide kommen nach ihrem Experiment zusammen um ihre Ergebnisse auszutauschen, dann werden sie sich wahrscheinlich duellieren müssen. Denn sie werden sich nicht einig sein. Jeder wird behaupten, dass das andere Myon länger gelebt hat - und jeder wird aber ein Myon gehabt haben, das nur 57 s lang gelebt hat.
Willkommen im Reich der Wunder, Märchen und Illusionen.

Grüße
Harald Maurer
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Re: Zeitdilatation - Wahrheit oder Mythos?

Beitragvon Kurt » Sa 21. Mär 2015, 15:06

Spacerat hat geschrieben:dass bewegte Myonen länger leben, oder gäbe es noch eine andere Erklärung dafür (z.B. ÜLG)? An der Tatsache, dass Teilchen, Atome, Ionen und Moleküle in Bewegung länger leben, könnte man doch eigentlich auch erkennen, ob sich etwas in Bewegung befindet oder nicht. Das aber würde auch genauso gegen das RP verstossen.


Wo denkst du hin, seit Jahren ist mein reden dass mit drei Uhren die raumsymmetrisch angeordnet sind und rotieren erkennbar ist ob sich die Anordnung bewegt oder nicht.
Aber das wird von den Herrn RTlern ja durch die "zwingend" vorgeschriebene Verwendung (von einigen Möchtgernrechthabern) der SI-Sekunde für die Erkennung von Frequenzen usw. ja auszuhebeln versucht.
Schau dir die Definition der SI-Sekunde an und dann sag mir ob du damit einen Gangunterschied von Uhren erkennen könntest.
Wies herschaut wird diese Definition sogar in der neuen SI-Einheitenfestlegung neu aufgerollt/übernommen.
Erwartest du da ein Einlenken?
Scheinbar besteht kein Interesse die Natur zu verstehen, sondern ein ganz anders gelagertes.

Kurt
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Re: Zeitdilatation - Wahrheit oder Mythos?

Beitragvon Harald Maurer » Sa 21. Mär 2015, 15:31

Spacerat hat geschrieben:Das Problem aber ist doch, dass bewegte Myonen länger leben, oder gäbe es noch eine andere Erklärung dafür (z.B. ÜLG)? An der Tatsache, dass Teilchen, Atome, Ionen und Moleküle in Bewegung länger leben, könnte man doch eigentlich auch erkennen, ob sich etwas in Bewegung befindet oder nicht. Das aber würde auch genauso gegen das RP verstossen.

Schon dass inertiale Bewegung an und für sich einen Einfluss auf die Lebenszeit von Myonen haben könnte, ist ein Verstoß gegen das RP. Entweder haben wir eine Bewegung gegen ein Absolutsystem und somit Absoluteffekte (wie bei Lorentz, nach welchem die im Äther ruhende Uhr am schnellsten läuft und der Gang der Uhr von der Bewegung durch den Äther abhängt) oder es ist die Energie schuld, die beim Beschleunigen von geladenen Teilchen diesen zugeführt wird. Es wäre also zu klären, ob es sich um eine Zeitverlangsamung nach SRT oder um eine Prozessverlangsamung aus anderen Gründen handelt. Man schiebt es auf die Relativität der Zeit und forscht leider nach anderen Richtungen nicht weiter.

Grüße
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Re: Zeitdilatation - Wahrheit oder Mythos?

Beitragvon contravariant » Sa 21. Mär 2015, 16:13

Harald Maurer hat geschrieben:Haben wir in jedem System einen Experimentator, und beide kommen nach ihrem Experiment zusammen um ihre Ergebnisse auszutauschen, dann werden sie sich wahrscheinlich duellieren müssen. Denn sie werden sich nicht einig sein. Jeder wird behaupten, dass das andere Myon länger gelebt hat - und jeder wird aber ein Myon gehabt haben, das nur 57 s lang gelebt hat.
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Die von dir beschrieben Situation stellt sich doch völlig symmetrisch da. Also sind beide IS gleichberechtigt. An welcher Stelle genau wird dort dann das RP verletzt?
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