Ernst hat geschrieben:
Der Regen fällt ja auch beim fahrenden Zug senkrecht auf die Erde. Aber auf den Zug fällt er real schräg. Leicht daran zu erkennen, daß die vordere Scheibe beim Fahrer naß wird und die hintere Scheibe am Bremserhäuschen trocken bleibt. Das ist doch kein Schein, sondern harte Realität, der Fahrer muß den Scheibenwischer einschalten.
Noch ein Beispiel dazu. Du sitzt in einem geräuschlos fahrenden Zug und schläfst ein. Als du aufwachst, weißt du nicht, ob der Zug gerade fährt oder irgendwo steht. Es ist dunkel und du siehst nur die Regentropfen dicht an deinem Fenster schräge vorbeiziehen. Der Regen fällt im Zugsystem schräge. Wie er auf der Erde fällt, kannst du nicht sagen. Stände der Zug, fiele er auch auf der Erde auch schräg (weil es windig ist); wäre er in Fahrt, fiele der Regen auf die Erde senkrecht. Aber du weißt ja nicht, ob der Zug fährt/steht. Also ist deine einzig wahre Aussage, der Regen fällt relativ zum Zug schräg.
Gut, ich mach das jetzt mal von einer anderen Seite her.
Es kann nicht sein, dass alles relativ ist und, dass alls IS gleichberechtigt sind. Das ist ein Relikt aus der Denke der Leute im späten 19.Jhdt. In unserem Beispiel ist die Erde das BS für alle Beteiligten, weil der Regen auf die Erde fällt und sich der Zug auf der Erde bewegt. Dadurch, dass alles auf der Erde statt findet, wird sie zum bevorzugten BS. Wäre dem nicht so, könnte man ja auch annehmen, dass die Erde plötzlich langsamer/schneller rotiert und daher der Zug, der sich dann relativ zur Sonne immer noch gleichförmig still verhalten würde, an seiner relativen Position stehen bleibt und eben die Erde anders rotiert. Da das aber nicht nur unwahrscheinlich, sondern völlig ausgeschlossen ist, kann man sehr wohl feststellen, dass sich der Zug auf der Erde bewegt. Der Regen fällt lt Gravitationsgesetz sowieso immer senkrecht zur Erdmitte. Ich kann also im fahrenden Zug entweder durch Messung an der Erdoberfläche, oder meinetwegen Astronomie oder Sonnenstand genau ermitteln, dass sich mein Zug bewegt, durch die scheinbar schrägen Regentropfen kann ich auch meine v gegenüber der Erde bestimmen, so lange es natürlich windstill ist.
Jetzt einfach her zu gehen und zu sagen, der Zug könnte ja genauso still stehen, ist zwar auch ein lustiges Gedankenexperiment, würde aber zuviel an Mathematik erfordern um zu erklären, wieso sich dann alle Sterne anders drehen. Man kann z.B. auch zwischen Gravitation und Beschleunigung unterscheiden, genauso, wie man anhand der homogenen Hintergrundstrahlung ermitteln kann, wie und wie schnell man sich im Universum bewegt. Das ganze Universum ist voll von ausgezeichneten BS, man muss sie nur suchen und akzeptieren.
Der Regen fällt "relativ zum Zug schräg" ist ja absolut richtig, aber es kommt eben auf das "relativ zum Zug" an, das ist eben der Schein, nicht das sein. Wie gesagt, ich kann im Zug auch das Fähnchen an meiner Kugel sehen, das senkrecht nach oben zeigt. Wie würdest Du das denn interpretieren?
Herzliche Grüße