Hugo hat geschrieben:Das ist interessant. Bitte erklären sie mir anhand von Newton (O-Ton Newton: "Die absolute Zeit, die unbeeinflussbar und gleichmäßig fortschreite..."), wie die Zeit bei zwei Atomuhren, die einen Höhenunterschied von 30cm aufweisen, unterschiedlich schnell vergeht.
Die Zeit vergeht nicht unterschiedlich schnell, sondern Uhren laufen unterschiedlich schnell. Uhren können Zeit nicht "messen", sondern liefern lediglich periodische Prozesse, die von ihrer Konstruktion abhängen und uns eine Vergleichsbasis für die Definition der Dauer physikalischer Vorgänge liefern.
Hugo hat geschrieben:Desweiteren erklären sie mir bitte, wieso "unter Newton" die Gravitation (Schwerkraft) ihrer Meinung nach einen derart großen Einfluss auf die Zeit hat, dass im 18. Jahrhundert die Uhrenbauer ihre Uhren um ein Tourbillon erweitern mussten, damit die Uhren nicht schon nach wenigen Tagen völlig falsch gingen.
Die Gravitation hat keinen Einfluss auf die Zeit, sondern einen Einfluss auf Uhren - und das je nach Bauart unterschiedlich.
Hugo hat geschrieben:Bevor sie sich das Hirn zermartern ... ein Tourbillon sollte einst die REIBUNGSKRÄFTE verhindern, die bei einer LIEGENDEN Taschenuhr auftraten (im Gegensatz zu einer in der Westentasche "STEHENDEN") und dadurch die Uhr schon nach kurzer Zeit nachgehen ließen...
Und da haben Sie ja schon einen deutlichen Einfluss der Gravitation auf Uhren über die Reibungskräfte! Diese Kräfte sind von der Gravitation abhängig und fallen natürlich schwächer aus, wenn die Gewichtskraft auf die Bauteile einer Uhr, welche ihren Gang bestimmen, im schwächeren Gravitationsfeld geringer wird. Schon eine mechanische Uhr wird daher abhängig von der Entfernung zu einer gravitierenden Masse unterschiedlich laufen! Die Verringerung der Reibungskräfte in einer Tourbillon bedeutet nichts anderes als den Einfluss der Gravitation verringern. Wüsste man über diesen Zusammenhang nicht Bescheid, würde man aus dem gravitationsbedingten unterschiedlichen Gang von Uhren auf einen unterschiedlichen Verlauf der Zeit schließen - und das wäre natürlich Unsinn. Bei mechanischen Uhren ist der Gravitationseinfluss offensichtlich, bei Atomuhren müsste man einfach mal genauer hinschauen, um festzustellen, wo und wie die Gravitation hier Einfluss nimmt. Dazu gäbe es mehrere Möglichkeiten. Jedenfalls ist es die Gravitation, die über unterschiedliche Reibungskräfte, Beschleunigungskräfte und unterschiedlich schnell verlaufende Wechselwirkungen den Gang einer Uhr verändert - besonders deutlich zu sehen, wo Gravitation selbst die Uhr antreibt und eine Pendeluhr daher langsamer wird, wenn die Gravitation abnimmt. Über diesen Zusammenhang eine Uhr zu konstruieren, die automatisch den Gravitationseinfluss kompensiert, ist gar nicht schwierig - und die Frage ist dann, wo Einsteins ART dann bei Einsatz solcher Uhren verbleibt! Auch sollte man darüber nachdenken, wieso die gravitative Blauverschiebung nicht mehr stattfindet, bloß weil man in den Lauf einer Uhr eingreift! Damit greift man doch nicht in den Verlauf der Zeit ein! Den Einfluss der "Raumzeit" könnte man auf so einfache Art nicht einfach aushebeln, aber man kann es und das zeigt, dass man eine Wirkung mit einer Gegenwirkung aufheben kann. Wirkungen gibt es nur zwischen Objekten - und die Zeit ist kein Objekt! Was man damit kompensiert, ist die Wirkung von Massen zueinander (auch von Atomen!), die wiederum von der Gravitation bestimmt wird. Auch der höhenabhängige Gang von Atomuhren hat daher sicherlich nichts mit einem unterschiedlichen Verlauf der Zeit zu tun.
Grüße
Harald Maurer