Hannes hat geschrieben:So weit sollte es nicht kommen, dass man den Relativisten die Mechaniklehrbücher der Unterstufe vorhalten muss.
Gerhard Kemme hat geschrieben:Solche Sätze und Vokabeln bedürfen allerdings der Erläuterung, denn ich glaube nicht, dass es viele Leser gibt - wenn überhaupt einen - der den Sinn deiner Worte versteht. Die Frage wäre dann allerdings auch, ob ein physikalischer Nährwert in ihnen steckt, wobei ich deine Fachkenntnis ansonsten zu schätzen weiß.
Harald Maurer hat geschrieben:Trigemina hat geschrieben:Reine Lichtlaufzeitmessungen einer Strecke im Gravitationsgradient unterscheiden sich von Messungen lokal mitgeführter Meterstäbe.
Tatsächlich? Mit welchem Experiment wurde das eindeutig nachgewiesen? Bitte um Quelle oder Link.
Lokal wird immer die Lichtgeschwindigkeit c gemessen mit den mitgeführten Massstäben und Uhren. Betrachten wir zunächst ein Photon als energetische Anregung des elektromagnetischen Feldes weit ausserhalb einer Gravitationsquelle, messen wir im quasi-inertialen Bezugssystems eine von c kleinere Geschwindigkeit eines Photons, das sich der Gravitationsquelle nähert. Dieses quasi-inertiale Bezugssystem wird auch Buchhaltersystem genannt, weil man in einer absoluten Landkarte jedes Ereignis einordnen kann. Der Nachteil darin ist, dass die Experimente in der gekrümmten Raumzeit nicht in Buchhalter-Koordinaten gemessen werden und entsprechend umzurechnen sind.
Damit lassen sich mit der Schwarzschild-Metrik Zeiten und Strecken im Gravitationspotential berechnen, die für einen weit entfernten Beobachter langsamer gehen, wenn sie sich dem Gravitationszentrum nähern. Den Polarwinkel Θ und den Azimutwinkel Φ kann man vereinfachend mit Null gleichsetzen:
g_ik:=matrix(4,4,[int(sqrt(1-2*a/r),r=r1..r2),0,0,0,0,-int(sqrt(1/(1-2*a/r)),r= r1..r2),0,0,0,0,-int(r,r= r1..r2),0,0,0,0,-int(r*(sin(theta)^2),r= r1..r2)]);
# r1:= innerer Radius; r2:= äusserer Radius
# a:=G*m/c^2; theta:=0;phi:=0; r_s:=2*a;
x_mu:=matrix(4,1,[sqrt(1-r_s/r),sqrt(1/(1-r_s/r)),sqrt(theta),sqrt(phi)]);
x_mu_S:=multiply(g_ik,x_mu);
Gegeben seien 2 statische Punkte im Gravitationspotential der Sonne. Wir senden vom höher gelegenen Punkt P2 einen Laserpuls radial zum tiefer gelegenen Punkt P1, der von einem Spiegel wieder zurück zum Punkt P2 reflektiert wird.
Desgleichen in umgekehrter Richtung: Vom Punkt P1 senden wir einen Laserpuls zum höher gelegenen Punkt P2, der über einen Spiegel wieder zurück zum Punkt P1 reflektiert wird.
Es werden zwei baugleiche kalibrierte Uhren verwendet (Eichung auf ein Zeitnormal ist nicht notwendig, da nur die Zeitdifferenzen massgebend sind) und an den Orten P1 und P2 aufgestellt.
Angaben:
P1 = 2*rs (rs=Schwarzschildradius)
P2 = 6*rs
m=1.989e30kg; G=6.67428e-11m³/(kg*s²) ; c=299'792’458m/s; rs= 2954.118m
Der Abstand zwischen P1 und P2 beträgt somit 4*rs in feldfreien (Buchhalter)-Koordinaten.
Für gleichzeitige Ereignisse (dt=0) an unterschiedlichen Orten ergibt sich der Schalen-Abstand, der sich durch Vermessen hintereinandergelegter Meterstäbe mit ihren lokal gültigen Definitionseigenschaften ergäbe:
ds_Shell = int(sqrt(1/(1-rs/r)), r=2rs..6rs) = 13’961.5m = 4.73*rs
Die Zeit am Punkt P2 eines entlang des Gravitationsgradienten frei laufenden Lichtstrahls von P2 nach P1 und wieder zurück geteilt durch 2 mit der lokal konstanten Lichtgeschwindigkeit c beträgt:
int(sqrt((1-r_s/r)),r=2*rs..6*rs) = 10’043.7m / c = 3.353e-5s
Über den metrischen Tensor der Schwarzschildgleichungen können wir nun auf den statischen Punkt P1 transformieren.
Der Abstand beträgt von P1 aus gesehen (transformationstechnisch zeitunabhängig):
5.994*rs
mit der Laufzeit des ebenfalls aus der Transformation ermittelten Laserpulses von
7918.56m / c = 2.641e-5s
- tiefer gelegene Uhren laufen im Vergleich zu höher gelegenen langsamer, weshalb aus der unterschiedlich gemessenen Zeitdauer eines reflektierten elektromagnetischen Signals nicht auf eine Streckenänderung geschlossen werden kann. Desgleichen werden aufgrund der grösseren Raumkrümmung aufsummierte Streckenintervalle (mit der Lichtlaufzeit dt≠0) von unten (P1) grösser gemessen als von oben (P2).
- im Wesentlichen werden die an den beiden Punkten P1 und P2 “gemessenen“ (hier in Wirklichkeit berechneten) Strecken und Zeiten über ihre jeweils nur lokal gültigen Massstäbe und Uhren ermittelt, was über den vom Licht zu durcheilenden Gradienten innerhalb des zu untersuchenden Gravitationspotentials zu den erwähnten Abweichungen führt.
- eine identische Streckenmessung (von oben nach unten und umgekehrt) wird durch das Hintereinanderlegen von Massstäben erreicht (dt=0), die entlang des Gravitationsgradienten an jeder Stelle ihre Definitionseigenschaften bewahren. Über die Lichtlaufzeitmessung (dt≠0) unterscheiden sich deren Ergebnisse aus genannten Gründen.
- die Änderungen der Strecken und Zeiten beim Übergang eines Schalen-Koordinatensystems ins andere erfolgen aus den jeweiligen Transformationseigenschaften der Schwarzschildmetrik.
Experimentelle Nachweise finden sich in der
Shapiro-Verzögerung, wo Radarsignale auf der Venus und Merkur reflektiert wurden, und an der Änderungsrate auf der Erde empfangener Frequenzbänder von
Pulsaren.
Gruss