Jocelyne Lopez hat geschrieben:
Nicht nur, dass diese Erklärung der gegenseitigen, gleichen Wahrnehmung einer Ungleichzeitigkeit der Einschläge an den Zugenden für die zwei Beobachter in aller Kürze die Annahme der SRT für Physiklaien perfekt beschreibt, ist darüber hinaus die oben zitierte Behauptung von Lübecker falsch, dass beim Zugbeispiel vorausgesetzt wird, dass die Blitze nicht gleichzeitig einschlagen haben. Ganz im Gegenteil: Einstein setzt ausdrücklich in seinem Zugbeispiel voraus, dass die Blitze gleichzeitig an den Zugenden einschlagen.
Richtig - und Ernst hat es ganz richtig beschrieben. Die Blitze schlagen in beiden Inertialsystemen gleichzeitig an den Zugenden ein, wenn man voraussetzt, dass die Blitze einschlagen in dem Moment, in welchem sich die Koordinatensysteme gerade decken. Kann ja gar nicht anders sein, wenn die Blitze in diesem Augenblick durch die
Enden beider Bezugssysteme hindurch fahren. Laut
Postulat muss in der Folge jeder der Beobachter die Blitze gleichzeitig wahrnehmen (nämlich erst dann, wenn ihn die Wellenfronten tatsächlich erreichen!). Damit die Transformation im Sinne dieses Postulats das auch ergibt, ist die RdG notwendig - und die Ungleichzeitigkeit der Blitzeinschläge, die jeder der Beobachter am
für ihn bewegten IS messen würde, wird mit der Wahrnehmung der Blitze in den Mitten der Inertialsysteme
verwechselt. Es ist so wie mit Maßstäben, die in den Ruhesystemen mit ihren Eigenlängen gemessen werden, in den Systemen hingegen, in
welchen sie bewegt sind, verkürzt erscheinen (so gemessen werden!).
Jetzt muss man sich fragen, wie ist es denn möglich, dass die Beobachter das Einschlagen von zwei Blitzen durch alle vier Endpunkte der Koordinatenysteme einerseits gleichzeitig und andererseits ungleichzeitig erleben, wenn objektiv betrachtet dies gar nicht möglich ist. Da muss man sich an Einsteins Sprüchlein erinnern, der sagte. "Zeit ist das, was Uhren anzeigen!" Und was in den Bezugssystemen tatsächlich unterschiedlich ist, ist das, was die Uhren anzeigen, eine Folge der Synchronisation. Nachdem sich die LG c auf jedes der Ruhesysteme bezieht, ganz egal ob sie bewegt oder ruhend sind, kann die richtige Schlussfolgerung nur sein, dass jeder der Beobachter vom Licht gleichzeitig erreicht wird.
Schickt man von den Endpunkten eines Inertialsystems gleichzeitig jeweils ein Photon zur Mitte, werden sich beide Photonen auch genau in der Mitte treffen. Ganz egal, ob das IS "bewegt" oder "ruhend" ist - was ohnehin nur eine Relativdefinition durch einen anderen Beobachter sein kann. Ein Inertialsystem zeigt keinen Unterschied zwischen bewegt oder ruhend auf, und die SRT bezieht dabei das Licht mit ein. Startet Licht an den Endpunkten gleichzeitig, kommt es gleichzeitig zu dem Beobachter, der in der Mitte steht - völlig unbeeinflusst davon, wie das ein etwaiger Außenbeobachter anders sehen könnte.
Diese auf das Postulat begründete SRT-Logik auf das hier abgeackerte Beispiel angewandt kann nichts anderes ergeben, als gleichzeitige Wahrnehmung der beiden Blitze von beiden Beobachtern, Fahrgästen und Schaffnern und ihren Verwandten, Katzen und Hunden, falls sie die mitgenommen haben...

Das ganze Problem lässt sich nach SRT sofort beantworten mit der Formel

für die RdG.
Sind die Endpunkte der Blitzeinschläge im Ruhesystem voneinander 600000 km entfernt, so werden dort gleichzeitige Blitzeinschläge von einem relativ mit 0,5 c bewegten IS mit einem Zeitunterschied von 1,1554... s gemessen. Mit der gleichen Formel lässt sich auch berechnen, ob ein in der Mitte des ruhenden IS stattfindendes gleichzeitiges Eintreffen zweier Photonen vom anderen IS gemessen, ungleichzeitig wird. Und man wird feststellen, der Zeitunterschied ist Null!
Grüße
Harald Maurer