fallili hat geschrieben:Wir ersetzen das Raumschiff durch Satelliten.
Auf dem Satellit befindet sich eine ruhende Lampe, daneben wird auf einem Schlitten eine Lampe auf eine konstante Geschwindigkeit gebracht (ein paar km/sec sind technisch vorstellbar - kann ja wie eine Pistolenkugel auf Geschwindigkeit gebracht werden)
Wir können die ruhende und die bewegte Lampe auch relativ einfach (na ja - kann auch weniger einfach sein, ist aber machbar) mit Kontakten versehen, welche beim vorbeigleiten der bewegten Lampe an der ruhenden Lampe einen Stromkreis schließen und damit BEIDE Lampen gleichzeitig zum Blitzen bringen. Ich hoffe das Prinzip ist damit ausreichend genug beschrieben.
2 solche Satelliten bringen wir im Abstand von 600.000 km im Weltall unter, ein dritter Satellit der anstelle der Lampen Detektoren hat wird mittig platziert.
Ob Du nun 2 Lampen an den Endpunkten der IS zum Aufblitzen bringst, wenn sich die Inertialsysteme gerade decken, ist das Gleiche wie wenn ein Blitz jeweils an den Endpunkten durch beide Inertialsysteme fährt. Ob dies geschieht oder nun eine Lampe oder zwei oder mehr Lampen aufleuchten, macht keinen Unterschied. Es gibt einfach an den Endpunkten für das ruhend definierte IS gleichzeitig die Emission von Licht. Was da aufleuchtet, ist völlig egal.
fallili hat geschrieben:Ich möchte die weiteren Folgerungen von mir nummerieren und würde bitten, dann auch zu beantworten welche Folgerung NICHT zutreffend ist.
1) Es existiert ein ruhendes IS1, welches von L1a --- D1 --- L1b gebildet wird
Ja, wenn das IS1 als ruhend definiert ist. Es kann aber auch das bewegte System sein, wenn sich das andere IS als ruhend definiert!
fallili hat geschrieben:2) Es existiert ein in Beziehung zu Is1 bewegtes IS2, welches von L2a --- D2 --- L2b gebildet wird
Ja, wenn IS1 ruhend definiert ist. Ist aber IS2 als ruhend definiert, ist IS1 das bewegte System!
fallili hat geschrieben:3) Die beiden Lampen L1a und L2a werden am selben Ort und zur selben Zeit gezündet und bilden damit EIN Raum-Zeit-Ereignis. ( Ich erlaube mir zu vernachlässigen, dass die Lampen bei so einer Versuchsanordnung vielleicht nur auf 0,1 mm Abstand und der Zündzeitpunkt auch im Picosekundenbereich nicht exakt gleich sein würde)
Auf alle Fälle würde aber jeder beliebige ruhende oder bewegte Beobachter in ebenfalls beliebigem Abstand diese beiden Blitze als "im Rahmen der Meßgenauigkeit" gleichzeitig und am selben Ort stattfindend bezeichnen.
Ich weiß, dass diese Behauptung möglicherweise angreifbar ist, aber in einem Experiment in dem die Ergebnisse in 300.000 km Abstand gemessen werden, sind 0,1 mm (oder sogar 1mm Abstandsdifferenz) meiner Meinung nach definitiv egal
.
Natürlich kann man zwei Lampen ortsgleich u. gleichzeitig zünden, z.B. durch eine Kontaktschaltung. Das ist aber dasselbe wie
eine Lampe. In einer Lampe können ja auch mehrere Leuchtmittel stecken, die allesamt gleichzeitig aufleuchten. Mit dieser Konstruktion lässt sich also nichts gewinnen, weil es eben nur ein Aufleuchten von Licht ist, und ein Blitz ist auch nichts anderes!
fallili hat geschrieben:4) Innerhalb von IS1 können die beiden Lampen L1a und L1b gleichzeitig gezündet werden, da eine Synchronisation innerhalb eines IS möglich ist.
Ja, richtig!
fallili hat geschrieben:5) Eine gleichzeitige Zündung von L1a und L1b bedeutet bei der beschriebenen Versuchanordnung aber auch die damit verbundene Zündung von L2a und L2b. Wir haben als 4 Lampen die gleichzeitig losblitzen. Dass etwaige Absolutzeiten im IS1 und IS2 nicht übereinstimmen ist bedeutungslos
.
Gut, 4 Lampen blitzen gleichzeitig auf. Also jeweils 2 an den Endpunkten. Wie gesagt, könnten es auch Weihnachtsbäume sein mit 100 elektr. Lichtern drauf. Macht keinen Unterschied. Licht entsteht, und das ist
ein Ereignis. Nicht mehr und nicht weniger.
fallili hat geschrieben:6) Der ruhende Beobachte B1 muss also diese 4 Blitze auch gleichzeitig empfangen, da er sowohl logischerweise, als auch nach allen Vorstellungen der SRT, definitiv die Blitze L1a und L1b gleichzeitig empfängt. Und wenn meine Annahme 3 stimmt, empfängt er damit zur selben Zeit auch die Blitze L2a und L2b.
Natürlich. Für den ruhenden Beobachter sind ja alle Leuchtmittel (welche auch immer) gleichzeitig gezündet worden. Und ein Lichtstrahl besteht ja sowieso aus vielen, vielen parallel laufenden elektromagnetischen Wellen. Ob's ein paar mehr oder weniger sind, spielt ja keine Rolle.
fallili hat geschrieben:7) Der bewegte Beobachte B2 muss aber auch diese 4 Blitze gleichzeitig empfangen, da er ebenfalls nach allen Vorstellungen der SRT definitiv die Blitze L2a und L2b gleichzeitig empfängt.
Ja, der bewegte Beobachter muss alle Blitze ebenfalls gleichzeitig empfangen, weil er sich in in gleicher Höhe befindlich wie der andere Beobachter als ruhend definieren und behaupten kann, der andere sei der Bewegte!
fallili hat geschrieben:8) Und nun die entsetzliche Schlussfolgerung: 2 Ereignisse, welche ein Beobachter B1 als gleichzeitig wahrnimmt, nimmt damit zwingenderweise auch ein dazu relativ bewegter Beobachter B2 als gleichzeitig wahr, weil bei jedem Beobachter das Licht der Lampen des eigenen IS UND das Licht der Lampen des andern IS zu einem exakt definierbarem Zeitpunkt gleichzeitig eintreffen.
Was soll ich sagen - genau das erlaubt die SRT nicht.
Was ist entsetzlich und was erlaubt die SRT nicht? Das Aufleuchten einer Lampe, oder von zwei Lampen oder von 100 Lampen an einem Endpunkt des Koordinatensystems, sind nicht zwei Ereignisse und auch nicht 100 - das ist
ein Ereignis - ebenso wie der Einschlag eines Blitzes. Licht kommt vom Endpunkt des IS - von wem und warum ist völlig egal. Sind's halt zwei Lampen. Auch recht. Aber Du kannst das Licht dieser Lampen nicht jeweils dem einen und dem anderen IS zuordnen, denn das Licht ist von den Lampen
unabhängig und befindet sich in
beiden Bezugssystemen!
fallili hat geschrieben:9) Oder anders gesagt, der bewegte Beobachter B2 bewegt sich definitiv von der Lampe (des anderen IS) L1a weg und auf die Lampe L1b zu und müsste daher, wie überall geschrieben steht, von der SRT auch vorausgesagt wird (und auch Ernst erwähnt) vom Licht der Lampe L1b früher erreicht werden - was aber definitiv nicht mit Aussage 8 übereinstimmt.
Also der bewegte Beobachter bewegt sich nicht selektiv auf irgend eine der Lampen zu, sondern er bewegt sich für den ruhenden Beobachter augenscheinlich gegen das Licht
beider Lampen. Und daraus sollte man nun meinen, er müsste das Licht ungleichzeitig empfangen. Das ist aber nicht konsistent mit der SRT, weil er sich ja ruhend definieren kann, das Licht aber nicht mit den Lampen mitmarschiert, sondern sich lt. SRT-Postulat nun in seinem Ruhesystem mit c bewegt!!!
fallili hat geschrieben:Wie schon oft gesagt - eine auftretender Widerspruch und ich finde den Fehler in meiner Argumentationskette nicht.
Eben kein Widerspruch, wie man mit der LT mathematisch beweisen kann. Die LT ändert die Ortskoordinaten und die Zeiten genau um die Beträge, die der Beobachter braucht, um gerade dort, wo die Strahlen zusammenkommen, zu landen - und daher nimmt er die Strahlen auch gleichzeitig wahr. Das bedeutet, wenn sich an den Endpunkten jeweils eine Lichtsphäre nach Maxwell hübsch symmetrisch ausbreitet (Kugelwellen), dann breiten sie sich in jedem der IS-Ruhesysteme getreu nach Maxwell aus (für den Bewegten aber nicht gleichzeitig). Und das ist auch der Zweck der Sache! Weil's der Elektrodynamik in einem IS völlig egal zu sein scheint, ob sich das IS bewegt oder ruht. Damit hat Einstein auch das Licht in das Relativitätsprinzip einbezogen, das ja bei Galilei oder Newton nur für Trägheitssysteme, also Inertialsysteme galt, wo das Licht mangels Trägheit (jedenfalls im Wellenmodell) nicht automatisch dazu gehörte. Nachdem diverse Experimente zeigten, dass man die Bewegung eines Inertialsystems relativ zu Licht aufgrund unterschiedlicher Lichtlaufzeiten nicht feststellen kann (was ja der Fall wäre, würde der bewegte Beobachter das Licht ungleichzeitig empfangen) muss man eben die LT anwenden, um dem gerecht zu werden. Das ist jedenfalls der Sinn der SRT. Mit dem kleinen Schönheitsfehler Doppler-Effekt, der sich übrigens auch aus anderen Gründen dazu eignet, die gesamte SRT zu hinterfragen. Doch das wäre dann ein anderes Kapitel des Relativitätsmärchens.
Grüße
Harald Maurer