Ernst hat geschrieben:In der Zeitskala A kommt das Licht zur Wand-Ortszeit 1s an.
In der Zeitskala B kommt das Licht zur Wand-Ortszeit 0,577s an.
Es ist der gleiche Vorgang, eben nur anders skaliert.
Da irrst Du dich. In der SRT ist ein Ereignis nicht abhängig vom Bezugssystem unterschiedlich skaliert, sondern Ereignisse SIND ungleichzeitig in einem IS, wenn sie im anderen IS gleichzeitig sind. Würde dem nur eine unterschiedliche Skalierung zugrunde liegen, dann hätte die RdG keine physikalischen Auswirkungen - es wären ja nur andere Zahlen. Der RdG werden aber physikalische Wirkungen zugeschrieben - wie z.B. im Bellschen Raumschiffparadoxon, wo das Seil reißt, weil die Raumschiffe in einem IS gleichzeitig und im anderen ungleichzeitig beschleunigen! Das ist ja der Witz bei der SRT, dass den Ereignissen nicht bloß unterschiedliche Zahlen zugeordnet werden oder unterschiedliche Skalierungen, sondern die Ereignisse tatsächlich zu unterschiedlichen Zeitpunkten stattfinden, wenn die RdG dies aussagt. Das Seil bei den Raumschiffen hätte ja keine Veranlassung, zu reißen, wenn der Vorgang bloß unterschiedlich skaliert wäre. Mein Zollstock hat auf der einen Seite eine Skalierung in cm und auf der anderen Seite eine in Zoll. Wie lang ist er denn?
Viele Paradoxa der SRT werden mit der RdG aufgelöst und das hat nur dann eine Bedeutung, wenn man die RdG als echten Zeitunterschied zwischen den Ereignissen ansieht und nicht bloß als eine andere Skalierung.
Auch die ZD beruht nicht auf unterschiedlicher Skalierung, so kann die Langlebigkeit der Myonen, die wider Erwarten die Erdoberfläche erreichen, nicht auf unterschiedliche Skalierung zurückgeführt werden, sondern die Zeit vergeht für sie konkret langsamer! Die Effekte der SRT sind also keinesfalls unterschiedliche Skalierungen, sondern werden als real angenommen. Ist die RdG real, dann gibt es den Unterschied in der ZEIT, und nicht in der Skalierung! Nur aus unterschiedlichen Skalierungen auf die Relativität von Raum und Zeit zu schließen, wäre von vornherein belanglos und kein Grund für eine SRT. Auch das Postulat steht nicht auf unterschiedlichen Skalierungen, sondern es wird angenommen, dass das Licht in IS die Geschwindigkeit c HAT und die LG invariant IST. Unterschiedliche Skalierungen könnten eine derartige Annahme nicht untermauern, denn die können ja beliebig erfolgen.
Wenn also herauskommt, dass in A das Licht zur Zeit 1s ankommt und in B zur Zeit 0,577 s, dann ist das nach SRT keine Ortszeit (das war sie noch bei Lorentz), sondern es bezeichnet einen tatsächlichen Zeitunterschied - und keinesfalls einen Unterschied in einer ortsüblichen Skalierung. Wäre es nur das, könnte keiner der SRT-Effekte als real bezeichnet werden. Die LT transformiert nicht zwischen unterschiedlichen Skalierungen, sondern zwischen unterschiedlichen Räumen und Zeiten!
Kommt das Licht im IS_B früher an als im IS_A - dann IST das früher - und muss es nach dem Postulat auch sein. Ist das nicht so, dann kommt das Licht gleichzeitig an - und dann haben wir nichts anderes als die GT, bloß mit unterschiedlichen Skalierungen. Das ist die LT aber nicht, und Relativisten hätten keine Freude mit Deiner Interpretation.
Grüße
Harald Maurer
