Es ist wichtig, die aus dem Abschnitt 4 zitierten Teile im vollständigen Kontext zu betrachten:
ÜbersetzungIn Abschnitt 2 haben wir festgestellt, dass die Koordinatentransformation den Rahmen eines kurzen Stabs gleichmäßig entlang der kreisförmigen Rinne beschreibt. Lassen Sie uns währenddessen davon ausgehen, dass die Länge dL des Stabs infinitesimal klein ist und dass der Stab starr (dh, seine richtige Länge dL haben soll) und gleich der richtigen Länge des gleichen Stabs ist, als wenn er unbewegt wäre. Wir stellen fest, dass die relativistische Kontraktion des Stabes gleich gemessen wird wie für einen Beobachter in S. Der Beobachter in S sieht beide Enden des Stabes in ein und demselben Augenblick, so dass dt = 0.gilt. Von der Symmetrie her ist es offensichtlich wie die relativistische Kontraktion ist, da sie nicht von t abhängt, so dass wir, um die Berechnungen zu vereinfachen, diese bei t = 0 auswerten. Der Stab hat die Koordinaten x’ = y’ = 0 und t’ = 0. Angesichts der Abweichung von (17) und (18) in Bezug auf Raum- und Zeit-Koordinaten setzen wir x’ = y’ = t’ = dt’ = 0 und stellen fest, dass der Beobachter in S die Länge
dL = dy = dy'/gamma = dL'/gamma
sieht.
Lassen Sie uns nun unsere Aufmerksamkeit auf das Konzept richten, das die richtige Länge eines Körpers beschreiben soll. Gewöhnlich wird sie definiert als eine Länge des Körpers gleich des richtigen Rahmens des Körpers. Doch wie wir gesehen haben gibt es im Allgemeinen so etwas Ähnliches wie die richtige Länge eines passenden Rahmens des Körpers nicht als Ganzes. So etwas gibt es nur für einen nicht rotierenden, trägheitsbehafteten beweglichen Körper in der flachen Raumzeit.
Das Konzept einer richtigen Länge eines grossen Körpers hat keine grundlegende Bedeutung, weil ein grosses Objekt nicht wirklich ein Objekt ist, sondern eine Reihe vieler wechselwirkender Teilchen. Jedoch ist die richtige Länge eines infinitesimal kleinen Teils des Körpers klar definiert. Deshalb können wir die richtige Länge eines ganzen Körpers als eine Summe der richtigen Länge ihrer infinitesimal kleinen Teile betrachten. Angewandt auf (27) sehen wir, dass die relativistische Kontraktion für einen kurzen, aber nicht infinitesimal kurzen Stab gleich der kreisförmigen Rinne L = L0/gamma für einen Beobachter in S ist. Hier ist L0 definiert als die richtige Länge wie weiter oben.
Nun sei wie in Abschnitt 2 angenommen, dass der rotierende Ring eine Serie unabhängiger kurzer Stäbe sei, die längs der [kreisrunden] Rinne gleichverteilt sind.
Jeder einzelne Stab ist relativistisch kontrahiert, der Ring hingegen nicht. [Anmerkung von mir: Dies entspricht der Situation einer kontrahierten Umfangslinie bei gleichbleibendem Radius]Dies bedeutet, dass die Abstände zwischen benachbarten Enden der benachbarten Stäbe grösser werden als für einen nicht-rotierenden Ring, so dass die richtige Länge des Rings grösser ist als für einen nicht-rotierenden Ring.
Diese Situation stellt einen realistischeren Ring aus elastischem Material dar, in dem die Atome die Rolle der kurzen, starren Stäbe spielen. Wegen der Rotation erhöht sich der Abstand benachbarter Atome, so dass im Material Zugspannungen auftreten.
Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass die Rotation nicht unbedingt erforderlich ist für das Verständnis des Ursprungs dieser Zugkräfte, da ein ähnlicher Effekt auch in einer linearen relativistischen Bewegung stattfindet.
Die gleiche relativistische Kontraktion der kurzen Stäbe tritt für einen Beobachter in der Mitte der rotierenden Scheibe auf, weil seine Situation durch die Galilei-Transformation bestimmt wird.
Lassen Sie uns untersuchen, wie die nicht-rotierende Rinne für einen auf dem Ring mitrotierenden Beobachter in der Mitte gemessen wird. Ohne sich auf die Allgemeingültigkeit zu beziehen nehmen wir dafür t’ = 0 an. Wir berechnen die infinitesimale Länge eines Teils der Rinne mit
x = y = 0. Beide Enden werden zum gleichen Zeitpunkt gemessen, so dass dt’ = 0 gilt. Angesichts der Differenzen von (17) mit Bezug auf die Raumkoordinaten und des Setzens von t’ = 0 stellen wir fest, dass der Beobachter in S' eine kontrahierte Länge von
dL’ = dy’ = dy/gamma = dL/gamma
sieht, was der zu erwartenden relativistischen Kontraktion entspricht.
Es ist wichtig zu betonen, dass dies nur in Form der Infinitesimalrechnung gilt. Der Ringbeobachter sieht die kontrahierten Teile der Rinne nicht in der gleichen Weise, da für ihn die Rinne und der Ring nicht symmetrisch auf gleicher Höhe zueinander stehen. [...]
Übersetzung EndeWürde man im Laborsystem
keine kontrahierte Umfangslinie messen, könnte man kaum von einem “weltbewegenden“ Paradoxon sprechen. Es stellte eine solche Situation die klassisch Newtonsche Sichtweise dar.
Gruss