Trigemina schreibt:
Die Kontraktion der mit Labormassstäben gemessenen Umfangslinie ist genauso real wie der gleichbleibende Radius der rotierenden Scheibe. Aber eine Kontraktion der Kontraktion der Kontraktion... usw. als kaskadenartige Kettenkontraktion ist schon nur aus dem Grund nicht einzusehen, weil der Radius ja unverändert bleibt. Eine solche Situation kann sich aus der Metrik der rotierenden Scheibe wegen der invarianten Radialabstände und Winkel nicht ergeben.
Eine Verringerung des Umfangs bei invariantem Radius und Winkeln ist ja absurd genug, um zuminest die Unzuständigkeit der SRT für die Rotation festzustellen. Andererseits bliebe bei zunehmender Verformung der Radius ohnehin invariant.
Nein, die Scheibe verformt sich physisch nicht. Dr. Pössel dürfte das sicher auch so sehen. Das verzerrte Verhältnis von Umfang und Durchmesser erklärt sich alleine aus der Vielzahl der für jeden einzelnen Raumpunkt auf der rotierenden Scheibe verwendeten Koordinatensysteme und ihrer Integration, die zu einer nicht-euklidischen Geometrie führt.
Eine nicht-euklidische Geometrie erfordert die Beurteilung der Scheibe mit der ART. Wenn die Kontraktion des Umfangs durch Krümmung der Raumzeit zustandekommt, bleibt laut ART der Radius nicht invariant sondern es tritt auch eine radiale Raumkontraktion ein. Das bedeutet, dass sich die Scheibe anders verhält, wenn man sie mit der ART beurteilt und es zu anderen Aussagen kommt als in der SRT. Auch ein derartiger Widerspruch stellt die Theorien in Frage.
Eine kontrahierte Umfangslinie sollte doch eine geringere Umfangsgeschwindigkeit zur Folge haben und keine höhere! In der gleichen Zeit wird eine geringere Strecke durchlaufen was eine geringere Umfangsgeschwindigkeit ergibt. Egal, auch wenn’s umgekehrt wäre kann diese Kaskadenkontraktion nicht aufrecht erhalten werden. Generell berechnet sich die Umfangsgeschwindigkeit über
v=ω*r
und hängt nur von der als konstant vorausgesetzten Winkelgeschwindigkeit und dem Radius ab. Und genau diese zwei Grössen sind invariant in Bezug auf Transformation.
Wenn die Umfangsgeschwindigkeit geringer wird, müsste auch die Kontraktion geringer ausfallen. Wenn in gleicher Zeit geringere Strecken durchlaufen werden, wird die Bahn langsamer, was wiederum zur Folge hätte, dass die Relativgeschwindigkeit zwischen den Bezugssystemen Bahn und Schiene geringer wäre, die aber Ausgangsgröße für die Berechnung der Kontraktion sowohl für Scheibenumfang als auch Schiene war. Wie immer man auch die Situation mit der SRT betrachtet, man landet stets in einem absurden Rückkopplungseffekt. Werden hingegen immer gleiche Strecken in gleichen Zeiten durchlaufen, also die Bahn bliebe gleich schnell (und das sollte man doch erwarten), so führt die Verringerung des Umfangs zur erhöhten Umfangsgeschwindigkeit. Es ist egal, wie man es betrachtet, es ist immer absurd. Man kann nicht behaupten, die Metrik würde nicht-euklidisch "werden" und gleichzeitig blauäugig mit Euklid argumentieren.
Faber schreibt:
Das Paradoxon verschwindet laut Hrvoje Nikolic. Gemäß seiner Lösung kontrahiert jedes Atom separat und die Atomzwischenräume werden entsprechend größer, so dass im Laborsystem der Umfang des rotierenden Rings insgesamt keine Kontraktion erfährt. Dies wird auch in der englischsprachigen Wikipedia erklärt und grafisch dargestellt.
So willkommen uns diese Lösung sein sollte, so falsch müsste sie bei korrekter Anwendung der SRT sein - denn nicht Atome kontrahieren laut SRT, sondern es kontrahiert der RAUM ! Das heisst, natürlich kontrahiert damit auch der Raum zwischen den Atomen. In der SRT kontrahiert immer das Bezugssystem im Gesamten und nicht nur materielle Körper in diesem (wie immer wieder fälschlich angenommen wird). Wäre dem nicht so, ließe sich wiederum eine Menge netter Paradoxa konstruieren. Die Lösung von Nikolic ist daher nicht SRT konform, sondern eine zielgerichtete Konstruktion zum Zwecke, das Paradoxon "verschwinden" zu lassen.
Die Auflösung des Ehrenfest-Paradoxons durch Hrvoje Nikolic zementiert das Zahnradbahn-Paradoxon.
Das sowieso. Aber auch ohne diese Auflösung steht das Paradoxon fest zementiert da, denn das mathematische Kudelmuddel mit den sich ergebenden Rückkopplungen (die veränderte Umfangsgröße beeinflusst sämtliche Parameter, die für die Berechnung der Umfangsgeschwindigkeit selbst vorausgesetzt waren und dies kaskadenartig unaufhörlich) kann das Paradoxon nicht widerlegen. Es ist jede dieser Lösungen absurd, wenn man sie ausschließlich mit der SRT versucht.
Grüße
Harald Maurer
