Faber listet sehr interessante Gedankenexperimente auf; diesmal eine Erweiterung des
Ehrenfest-Paradoxons, die unter idealisierten Annahmen auch mit der
Born-Metrik für mechanisch hyperstabile Materialien berechnet werden können. Auch stationär rotierende Räder stellen kein Inertialsystem dar und müssen zur Berechnung relativistischer Effekte in ein nicht-rotierendes Inertialsystem überführt werden, von wo aus in jedes beliebige Bezugssystem transformiert werden kann.
Das Paradoxon der rotierenden Scheibe ist die konsequente Anwendung der am Scheibenrand maximalen Umfangsgeschwindigkeit in einem System mit insgesamt nicht konstanten Umfangsgeschwindigkeiten. Also konstant in Bezug auf eine bestimmte radiale Entfernung, aber nicht konstant innerhalb des ganzen Bereichs des Scheibenradius!
Ein mitrotierender Beobachter am Punkt r=r'=0 hat keine Relativgeschwindigkeit zu einem anderen Punkt auf der Scheibe; ein Beobachter auf r' hat eine von diesem Abstand abhängige Umfangsgeschwindigkeit zum Laborsystem, so dass für jeden radialen Punkt von 0 bis r' ein verschiedenes Koordinatensystem zu verwenden ist. Obwohl zwischen zwei verschiedenen radialen Abständen keine Relativbewegung auf der rotierenden Scheibe vorhanden ist, muss jeder Punkt darauf einem anderen nicht-inertialen System zugeordnet werden, was zur nicht-euklidischen Geometrie der rotierenden Scheibe führt und somit ihre Kontraktion abhängig von r' - trotz fehlender Relativbewegung im Scheibensystem – auch dort widerspruchsfrei erklärt.
Die Physik der Ereignisse darf sich ja durch die Auswahl der Bezugssysteme (Beobachterrolle) nicht verändern!
Der Umfang einer rotierenden Scheibe in ihrem Ruhesystem beträgt U’ = 2*r*Pi. Im Laborsystem ist er abhängig vom Abstand r und der Winkelgeschwindigkeit ω:
U = 2*Pi*r / sqrt(1-ω^2*r^2/c^2)
Im Abstand r vom Mittelpunkt der Scheibe ergibt sich die Zeitdilatation:
dt’=dt*sqrt(1-r^2*ω^2/c^2)
Auch der mit einer rotierenden Scheibe mitbewegte Beobachter stellt Laufzeitunterschiede zwischen dem rechtslaufenden und dem linkslaufenden Signal fest. Wenn man von der Minkowski-Metrik
ds²=c²*dt²-dx²-dy²-dz²
ausgeht und die Koordinatentransformation
x=r*cos(θ+ω*t), y=r*sin(θ+ω*t)
anwendet, ist der raumzeitliche Abstand ds benachbarter Punkte, ausgedrückt in dem rotierenden System, durch die Beziehung
ds²=(c²-r²*ω²)*dt²-dr²-r²*dθ²-dz²-2r²*ω*dt*dθ
gegeben.
Gruss