Highway hat geschrieben:Ich gehe lediglich nach Newton III davon aus, wenn auf eine Masse eine (konstante) Kraft einwirkt, dann muss es mindestens 1 weitere Masse geben, die ebenfalls von einer Kraft gleicher Größe beschleunigt wird.
Das ist ja auch richtig. Schon ein gewöhnlicher Spaziergang wird mir nur durch die Wechselwirkung meiner Füße mit dem Erdball möglich. Die Kräfte nach Newton III, die meine Beine und der Erdball zueinander ausüben, sind gleich groß und einander entgegen gesetzt - dennoch wird sich der Erdball keinen Millimeter bewegen. Auch die Straße samt Erdball rührt sich nicht, wenn sich ein PKW mit einer Kraft von 100 N darauf beschleunigt, obwohl ihm das nur aufgrund der Wechselwirkung seiner Masse mit der Erdmasse möglich ist. Nach Newton III gibt es zwar eine gleich große Kraft nach beiden Richtungen, aber das Ausmaß der Beschleunigung jedes beteiligten Körpers hängt von seiner Masse ab. Wenn Du annimmst, dass bei Koordinate 0 die Kraftwirkung der beiden Körper zueinander beginnt, und sie beträgt 100 N, dann sind 100 N eben 100 N, und hat die zu betrachtende Masse 1 kg, dann entscheiden nur diese 100 N und dieses 1 kg über das Ausmaß der Beschleunigung vom Ausgangspunkt Koordinate 0 beginnend. Was die andere beteiligte Masse macht, hat keinerlei Einfluss auf die 1 kg-Masse und kann völlig egal sein; es wirkt zwar auch auf sie eine Reaktionskraft gleicher Größe, aber wenn's der Erdball ist, wird der sich kaum rühren, und ist's eine kleinere Masse, wird eine dementsprechende Bewegung resultieren - was auf die Bewegung der mit 100 N beschleunigten 1kg-Masse keinerlei Einfluss hat. Es ist also völlig ausreichend, nur nach der Beschleunigung der 1 kg-Masse zu fragen, weil die andere Masse piepegal ist. Und da ist eben die interessante Frage, ob bei der Berechnung der Bewegungen dieser 1 kg-Masse in irgendeiner Weise eine Trägheitskraft zu berücksichtigen wäre (was ja der Fall sein müsste, wenn es sie gäbe!). Und das ist offenbar nicht der Fall.
Und müssten zwei Massen zueinander eine konstante Beschleunigung bewirken, dann dürfen und können sie sich nicht voneinander entfernen, denn eine Fernwirkung mit einer konstanten Beschleunigung als Folge gibt es bekanntlich nicht. Meine Füße müssen daher auf dem Boden und das Auto auf der Straße bleiben - und müsste die 1 kg-Masse durch eine andere Masse kontinuierlich beschleunigt werden, muss irgendein Kontakt aufrecht bleiben, welcher eine konstante Kraft bewirkt, die nicht dem 1/r²-Gesetz unterliegt.
Jetzt wäre noch zu ergründen, wo in deinen Berechnungen die Trägheitskraft zu finden wäre. Die Reaktionskraft auf die 2. Masse kann es ja nicht sein, denn das ist eine Newtonsche aktive Kraft, die darauf zurückgeht, dass Kräfte sich im Raum symmetrisch auswirken, sich also stets auf mindestens 2 Körper verteilen. Diese symmetrische Ausbreitung 1 Kraft bzw. Wirkung dieser 1 Kraft auf beide Körper hat etwas mit den Eigenschaften des Raums und der Impulserhaltung zu tun (Noether-Theorem) und der Ausdruck "Reaktionskraft" ist etwas irreführend und führt sogar soweit in die Irre, dass manche annehmen, zwischen dem Auftreten der Aktionskraft und dem Auftreten der Reaktionskraft müsse ein Zeitintervall liegen - was natürlich völlig falsch ist. Diese sogenannte Reaktionskraft ergibt sich in ihrem Betrag aus der angelegten Aktionskraft und hat mit der Trägheit der Körper nichts zu tun, denn die Größe der Trägheit ist nur durch die Größe der trägen Masse bestimmt. Die Reaktionskraft kann daher keine Trägheitskraft sein. Wer das glaubt, hat Newton III nicht kapiert.
Grüße
Harald Maurer
