Das erste Newtonsche Gesetz sagt nicht, dass eine geradlinige, gleichförmige Bewegung tatsächlich irgendwo stattfinde. Es sagt nur, dass eine solche Bewegung -wenn dann- kräftefrei sei.
Das zweite Newtonsche Gesetz sagt: "Die Änderung der Bewegung einer Masse ist der Einwirkung der bewegenden Kraft proportional und geschieht nach der Richtung derjenigen geraden Linie, nach welcher jene Kraft wirkt.“
Das wird allerhäufigst fälschlicherweise mit der (Leibnizschen) Formel
F = d
p/dt (bzw.
F = m
a) wiedergegeben.
Newton sagt aber:
F ∝ Δ
p. (man vergleiche mit dem Text)
Ein wesentlicher Unterschied zwischen den beiden Formeln besteht darin, dass die Leibnizsche, die in der klassischen Mechanik verwendet wird, eine instantane Wirkung d
p/dt beschreibt. Die Kraft
F bewirkt instantan d
p/dt. Leibniz wirft damit den Kausalzusammenhang über den Haufen. Er formuliert einen Zusammenhang nach dem Prinzip
aequat causa effectum (die Ursache gleicht der Wirkung). Das aber ist ein
logischer Fehler. Nach Leibniz ist Bewegung zwar stetig, ansonsten aber beliebig. Zu behaupten, es gebe keine geradlinige Bewegung, ist (gemäß Leibniz) genauso sinnlos, wie zu behaupten, es gebe keine Kreisbewegung oder keine Bewegung entlang einer Parabel oder keine Bewegung entlang irgendeiner vorgegebenen stetigen Kurve.
Newton hingegen spricht von endlichen Änderungen Δ
p der Bewegung. Zwischen mehreren solchen vergeht eine gewisse Zeitspanne, die es überhaupt erst ermöglicht, dass die Wirkung der Ursache nicht instantan folgen muss. Newton beschreibt einen echten Kausalzusammenhang.
Das zweite Newtonsche Gesetz beschreibt den Kausalzusammenhang aller Bewegungen. Dabei sind die Bewegungen stückweise geradlinig und gleichförmig. Diskrete Kräfte bewirken diskrete Änderungen.
Gruß
Faber