Danke sehr für die freundliche Antwort, lieber Herr Maurer. C`est la vie oder so ähnlich. Oder besser: Eh kloar.
Harald Maurer hat geschrieben:Die scheinbare Zentrifugalkraft darf nur im rotierenden Bezugssystem eingeführt und damit gerechnet werden. Im Außensystem ist sie geradezu verboten!
Ich wußte leider noch nicht, daß bei uns die Fliehkraft im äußeren inertialen Bezugssystem nun schon geradezu verboten ist, nur, daß man sich dort nicht mehr mit ihr erwischen lassen darf.
Ich muß deshalb das folgende Experiment, das leider nur im Beisein einer gemeinen Fliehkraft durchgeführt werden kann, an den Äquator verlegen wie folgt:
Ein Auto mit der Masse m steht auf einer Autobahn, die eben und gerade entlang des Äquators verläuft. Das Auto wird mit der sogenannten Erdbeschleunigung g in Richtung Erdmittelpunkt beschleunigt, also mit einer Zentripetalkraft von G=m*g von der Erde angezogen. Es fällt aber natürlich nicht in Richtung Erdmittelpunkt, weil die Straße mit der gleichgroßen entgegengesetzten Kraft G* gegen die Reifenauflagefläche drückt.

- Auttoumlauf01.jpg (16.21 KiB) 3883-mal betrachtet
Nun fahre dieses Auto entlang des Äquators um die Erde. Die Erdrotation sowie alle Reibungskräfte und der Luftwiderstand werden hier zwecks Vereinfachung ausgeschaltet. Mit zunehmendem Tempo wird das Auto wegen der Kreisbahn um die Erde immer leichter werden, weil eine offenbar reale (Zentrifugal-)Kraft F der Zentripetalkraft G entgegenwirkt. (Dieses Leichterwerden ist beispielsweise auch zu spüren, wenn man mit dem Auto schnell über eine Kuppe oder Bodenwelle fährt.)
Der Gegendruck der Straße auf die Reifenauflagefläche wird mit zunehmendem Tempo weniger, und zunehmend durch die (Zentrifugal-)Kraft F ersetzt. Die Reifen werden genau dann den Kontakt zum Boden gerade noch halten, wenn die (Zentrifugal-)Kraft F schon fast genauso groß ist wie das Gewicht G des Autos. Das Auto fährt dann also noch auf der Autobahn um die Erde auf einer Kreisbahn.
Wird nun die Geschwindigkeit des Autos noch etwas erhöht, so daß nun die Zentrifugalkraft geringfügig höher wird als das Gewicht, werden die Räder den Kontakt zum Boden verlieren, und das Auto wird einige cm über dem Boden auf der Kreisbahn weiterfliegen, also nicht etwa tangential in den Himmel steigen. Es wird auch deshalb - trotz Zentripetalbeschleunigung - nicht wieder auf den Boden fallen, eben weil Zentripetalkraft und Zentrifugalkraft im Gleichgewicht sind.
Und das Auto wird deshalb auf der Höhe von nur einigen cm um die Erde herum fliegen, weil sich erstens die Zentrifugalkraft mit größer werdendem Bahnradius wieder verringert, und sich zweitens die Geschwindigkeit durch das Aufsteigen des Autos ebenfalls wieder verringert, und deshalb das Auto nicht weiter steigen kann.
Falls das Auto einen Rückstoßantrieb besitzt, kann es seine Geschwindigkeit erhöhen, um eine höhere Umlaufbahn einzunehmen.
Für jede Kreis-Umlaufbahn des Autos über der Erdoberfläche um die Erde, also ohne Straßenkontakt, gilt die Beziehung, daß die Zentripetalkraft entgegengesetzt gleich groß ist der Zentrifugalkraft, also beide im Gleichgewicht sind.Hochgehoben über den Boden, und dann auf eine höhere Umlaufbahn, wird das real schwere Auto allein durch eine physikalisch reale Kraft, und zwar allein durch die Zentrifugalkraft. Mit einer Zentripetalkraft ist dies nicht möglich, im Gegenteil. Und das ganz unabhängig davon, ob ein Autoinsasse (rotierendes Bezugssystem) das beobachtet, oder ein Erdling neben der Autobahn stehend oder ein Außerirdischer (inertiales Bezugssystem).
Nun wird es natürlich schwierig für die Scheinphysiker, diesen zweifelsohne vorhandenen Effekt ohne Zentrifugalkraft zu erklären, insbesondere da sie nun schon verboten ist. Ernst kommt bestimmt wieder mit der Kanonenkugel oder ähnlichen Hütchenspielertricks. Aber auch wenn man den Umlauf als freien Fall ohne Zentrifugalkraft deklariert (was übrigens falsch ist): Wie kommt man allein mit einer Fallbeschleunigung in die Höhe? Natürlich nur mit einer höheren Geschwindigkeit und mit entsprechend höherer Trägheitskraft, Zentrifugalkraft genannt. Also was ist nun?
Wen es interesssiert, kann für den jeweiligen Bahnradius die zugehörige Geschwindigkeit des Autos nach der Formel entweder für die Zentripetalkraft oder auch nach der für die Zentrifugalkraft berechnen.
Er braucht also zur mathematischen Berechnung nur eine Kraft von beiden. Das ist aber kein Grund, physikalisch auf die Zentrifugalkraft zu verzichten oder sie nur mathematisch gelten zu lassen, wie das die Scheinphysiker tatsächlich tun. Der absolute physikalische Blödsinn, den Ernst hier ständig verzapft und aus wikipedia zitiert, und den er vermutlich selbst nicht glaubt (denn er weiß ganz genau, welchen Argumenten er ausweichen muß), sowie die penetranten Schmähungen anstelle und mangels von sachlichen Argumenten, weisen daraufhin, daß Ernst hier gezielt im Forum im Auftrag derer unterwegs ist, die diese relativistische Verblödung der Physik betreiben.
Mit freundlichen Grüßen
L. Pernes