von Harald Maurer » Mo 26. Dez 2011, 23:08
Lieber Ljudmil!
Du schreibst: "...der Außenbeobachter „sieht“ eine Kraft, die die Gondeln in Kreisbewegung zwingt. Diese muss wohl radial nach innen zeigen (Stange, Kette). Die Gondeln bewegen sich aber nicht nach innen, sondern bleiben auf konstantem Abstand vom Zentrum. Er muss die Wirkung einer anderen Kraft annehmen. Diese andere Kraft ist die Trägheitskraft, sie ist tangential gerichtet – der Körper will ja tangential weiterfliegen. Kräfteparallelogramm – und Du bekommst die Richtung der Gondeln-Bewegung. Richtig, diese Kräfte sind nicht im Gleichgewicht, sonst müsste die Gondel inertial weiterfliegen, bzw. stehen."
Alles richtig bis hierher!
Und schreibst: "Der mitrotierende Beobachter fühlt sich in RUHE."
Nein, das fühlt er nicht. Er fühlt, dass eine Kraft seinem Bestreben, seinen Zustand beizubehalten, entgegenwirkt. Das schreibt er einer Kraft zu, die er Zentrifugalkraft nennt!
Und: "Das was Du und andere schreiben, er wisse von seiner Rotation, ist reinster Schmarrn, dann braucht man nicht von rotierendem BS zu sprechen."
Natürlich weiß der rotierende Beobachter von seiner Rotation. Er kann dies ja experimentell leicht nachweisen. Nur wenn er dumm ist oder im Mittelalter lebt, weiß er nichts davon.
Du schreibst ferner: "Er sieht, spürt, misst eine für ihn reale Kraft, die alles radial nach außen treibt. Ist ein Gegenstand fest mit dem System verbunden, bleibt er für den Beobachter in Ruhe. Nachdem er aber die allgegenwärtige radial nach außen treibende Kraft registriert hat, muss er eine entgegengesetzte radial nach innen und gleichstarke Kraft annehmen, die den Gegenstand in Ruhe hält."
Es verhält sich umgekehrt. Der Beobachter weiß seit Newton, dass in seinem rotierenden BS eine Zentripedalkraft wirkt. Befindet sich ein Körper in diesem BS in Ruhe, so nimmt der Beobachter an, dass diese Zentripedalkraft durch die Kraft, die er vermeint zu verspüren, kompensiert wird. Er nimmt daher ein Kräftegleichgewicht zwischen Zentripedal- und Zentrifugalkraft an. Wenn er aber etwas von Physik versteht und Newton gelesen hat, weiß er auch, dass dieses Kräftegleichgewicht tatsächlich zwischen der Trägheit des Körpers und der Zentripedalkraft vorliegt und diese Kraft, die er Zentrifugalkraft nennt, eine Scheinkraft ist, die deshalb spürbar wird, weil er sich aufgrund der Zentripedalkraft nicht träge weiter bewegen kann! Er weiß folglich auch, dass diese Zentrifugalkraft eine Trägheitskraft ist und somit keine Reaktionskraft zur Zentripedalkraft darstellt.
Und: "So einfach ist das, wenn man die Sicht aus den BS nicht durcheinander bringt. Kräfteparallelogramm aus Sicht des Mitbewegten und Du siehst eine Resultierende gleich Null, der Gegenstand bleibt in Ruhe. Die Kräfte sind im Gleichgewicht."
Ja, nur welche Kräfte? Die Trägheit und die Zentripedalkraft sind es. Die Zentrifugalkraft ist nur eine mathematische Größe. Sie kann kein Gleichgewicht zu einer realen Kraft haben.
Und: "Dass Mitrotierende von seiner Rotation weiß, eine zentripetale Kraft voraussetzt und als Gegenkraft eine scheinbare Zentrifugale erfindet, ist schlicht und einfach Unfug. Ein Beobachter in einem BS ist immer in Ruhe."
Das ist er , wenn seine zentripedale Beschleunigung mit seiner Trägheit im Gleichgewicht ist. Ist dieses Gleichgewicht nicht gegeben, ist's mit der Ruhe auch vorbei...
Grüße
Harald Maurer