Ernst hat geschrieben:Und dieses Prinzip hat Harald gerade beim entsprechenden Modell bezweifelt. Er meint, daß es überhaupt nicht zusammenpaßt, daß einerseits die Frequenzen/Periodendauern konstant bleiben und andererseits ein Phasenverzug am Ziel auftreten kann. Und genau in dieser Konfiguration, wie ich sie gerade benutze.
Nein, konstante Periodendauer passt nicht mit einem Phasenverzug am Ziel zusammen! Und elektromagnetische Wellen sind keine Leichtathleten. Ich habe bei Leichtathleten noch keine Periodendauer feststellen können.
Ich erkläre nun, wieso das nicht zusammen passt: Fasst man die Periode als das zeitliche Intervall auf, in welchem sich ein Vorgang wiederholt, bedeutet das im Zusammenhang mit der em-Welle, dass innerhalb einer bestimmten Dauer, nehmen wir eine Sekunde an, der Wellenzug innerhalb dieser Sekunde ein Maximum und ein Minimum durchschwingt und daher in Sekundenabständen immer denselben Zustand hat. Am Strahlteiler stimmen diese Zustände bei beiden Teilstrahlen überein, sie werden also z.B. mit einer maximalen Aplitude gestartet und haben dieses Maximum nach jeder Sekunde abermals. Symbolisiert man den Periodendurchlauf durch 360° mit einem Zeiger, so entspricht das einem Uhrzeiger, der innerhalb einer Sekunde einmal rotiert und dabei den jeweiligen Grad der Phase anzeigt. Daher der Ausdruck Kreisfrequenz.
Beide Teilstrahlen behalten diese Periodendauer von 1 Sekunde konstant bei. Beide haben demnach zu jeder vollen Sekunde denselben Zustand, entweder ein Maximum oder ein Minimum oder eben den jeweiligen Zustand dazwischen. D.h. die "Zeiger" der Kreisfrequenz haben zu jeder Zeit eine übereinstimmende Stellung. Daran kann kein Zweifel bestehen, wenn man mal festgestellt hat, dass die Periodendauer bei beiden Teilstrahlen konstant bleibt.
Nehmen wir nun an, zu einer vollen Sekunde kommt ein Teilstrahl am Ziel mit einem Maximum an. Diesen Zustand hat die Schwingung ja zu jeder vollen Sekunde. Ist nun die Phase des zweiten ankommenden Strahls verschoben und kommt dieser z.B. mit einem Minimum an, so bedeutet das, dass dieser Wellenzug sein Maximum
eine halbe Sekunde später haben wird. Er hat also plötzlich nicht mehr jede volle Sekunde ein Maximum, sondern seine Periodendauer ist verändert und die Zeigerstellungen der Kreisfrequenz stimmen nicht mehr überein. Dann ist aber die Periodendauer offensichtlich nicht konstant geblieben! Wie man mathematisch leicht zeigen kann, bleibt aber die Periodendauer bei beiden Teilstrahlen des MMI konstant! Daher müssen beide Teilstrahlen zu jeder Zeit beim Ziel mit demselben Phasenzustand ankommen! Eine Verschiebung der Phase - wie in diesem Beispiel um 180°- kann nicht auftreten.
Konstante Periodendauer heißt, dass die Kreisfrequenzzeiger beider Teilstrahlen zu jeder Zeit dieselben Grade anzeigen müssen, selbstverständlich auch am Ziel. Tun sie es nicht, ist eine Änderung der Periodendauer eingetreten! Und das ist eben im MMI nicht der Fall.
Der Vergleich mit den Läufern hinkt gewaltig. Man muss diesen Vergleich etwas ergänzen. Man gebe jedem Läufer Uhren mit, die mit gleicher Zeigerstellung gestartet wurden und in der Folge synchron laufen. Jeder Zeiger jeder Uhr rotiert nun innerhalb einer Sekunde einmal herum und zeichnet quasi in den Raum eine Welle. Dabei wird man sehen, dass bei unterschiedlicher Geschwindigkeit der Läufer die Wellenlängen dieser Welle ebenfalls unterschiedlich sind, was nichts daran ändert, dass die Zeiger der Uhren (Kreisfrequenz) übereinstimmende Phasen anzeigen. Es gibt keinen Grund, weshalb diese Uhren auf einmal asynchron laufen sollten.
Im letzten Abschnitt des MMI (vom Umlenker zum Detektor) sind die Wellenlängen beider Teilstrahlen wieder dieselben. Auch hier würden die Kreisfrequenz- bzw. Uhrenzeiger der Läufer nach wie vor die konstante Periodendauer anzeigen. Schon auf diesem letzten Streckenabschnitt des MMI würden die Zeiger der Uhren zwei übereinstimmende Wellen und keine zueinander verschobenen Wellen in den Raum zeichnen. Und ebenso übereinstimmend laufen diese Wellen in den Detektor! Also konstante Periodendauer ab Strahlteiler und folglich unverändert konstante Periodendauer im Detektor. Eine Phasenverschiebung wäre nur möglich, wenn einer der Teilstrahlen seine Periodendauer irgendwie und irgendwo verändert hat und nicht mehr jede volle Sekunde denselben Zustand wiederholt. Eine Änderung der Periodendauer bedeutet aber auch eine Änderung der Frequenz, denn nur wenn die Frequenz irgendwie und irgendwo temporär verändert wurde, kann auch eine Änderung der Periodendauer stattfinden, denn beide haben einen direkten Zusammenhang.
Das ist wohl völlig klar. Wenn sich die Periodendauer eines Teilstrahls um - wie in diesem Beispiel - zeitlich um eine halbe Sekunde geändert hat, muss diese halbe Sekunde ja irgendwo herkommen, und dann kann irgendwo und irgendwie die Frequenz nicht konstant geblieben sein! Auch die kann sich zueinander nur dann verschieben, wenn einer der Teilstrahlen seine Periodendauer ändert.
Wenn Du also behauptest, die Kreisfrequenz der Teilstrahlen wäre am Ziel zueinander verschoben, musst Du auch erklären, wie und warum und wo diese Änderung der Periodendauer stattgefunden haben soll!
Das Phänomen der Quantenverschränklung führst Du auf das zeitlich identische Verhalten der Photonen zurück. Dass genau dieses zeitlich identische Verhalten der Wellenzüge für den Misserfolg des Michelson-Morley-Versuchs verantwortlich ist, kannst Du hingegen nicht akzeptieren, weil Du einfach nicht akzeptieren willst, dass der MM-Versuch den Äther nicht widerlegen kann!
Grüße
Harald Maurer