Manchmal werden die einachsten Dinge nicht verstanden.
Wenn die beiden aus einem einzigen Strahl aufgeteilten Teilstrahlen wieder zu einem einzigen Strahl vereinigt zum Detektor laufen sollen, müssen sie sich gleichzeitig am Umlenker treffen; nur dann haben sie auch dieselbe Lauflinie zum Detektor. Das ist der Fall, wenn es keinen Äther gibt und keine unterschiedlichen Laufzeiten vorliegen.
Gibt es einen Äther, sind die Laufzeiten unterschiedlich. Die Zeitpunkte, in denen der senkrechte Strahl den Umlenker durchsetzt und der waagrechte Strahl am Umlenker reflektiert wird, sind daher unterschiedlich. Das heißt, der waagrechte Strahl wird später zum Detektor reflektiert und kann daher nicht auf dieselbe Lauflinie kommen wie der senkrechte Strahl. welcher den Umsetzer früher durchsetzt hat. In der Zeitspanne, in welcher der senkrechte Strahl jene Raumebene durchschneidet, in welcher der waagrechte Strahl etwas später reflektiert wird, bewegt sich der Spiegel weiter während der senkrechte Strahl (konstant zum Äther!) weitergezogen ist. Die beiden Teilstrahlen kommen daher nicht inline zu liegen, sondern liegen praktisch neben einander auf dem Weg zum Detektor. Da nach dem senkrechten Strahl ein weiterer, später abgesendeter Strahl gefolgt ist, interferiert der vormals waagrechte, nun reflektierte Strahl nicht mit seinem eigenen Teilstrahl, sondern mit einem anderen, der eben gleichzeitig am selben Punkt ankommt, wo die Reflexion erfolgt. Das führt zu der von mir beschriebenen Kompensation des Phasenversatzes bzw. zur Falschmessung.
Nicht die roten Photonen der Originalanimation laufen tatsächlich nach unten, sondern die Photonen rechts davon. Sie sind nicht auf derselben Linie wie jene des senkrechten Strahls. Das kann auch niemals der Fall sein, weil sie nicht zum selben Zeitpunkt ankommen, an welchem der senkrechte Strahl den Umlenker durchsetzt. Um eine gemeinsame Lauflinie zu erreichen, muss der waagrechte Strahl auf der Lauflinie des senkrechten Strahls reflektiert werden - und das ist im Falle des Äthers eben nicht der Fall.
Grüße
Harald Maurer
