fb... hat geschrieben:Deine Hypothese war (und ist), dass der Reflektor (Spiegel) die Phasenlage bestimmt.
1. Kann der Reflektor nur an einem bestimmten Ort etwas beeinflussen, nämlich dort, wo er sich eben befindet

Reflektoren (Spiegel) machen das, was Spiegel eben so machen. Sie reflektieren Wellen. Michelson verwendete polierte Metallspiegel. Die Spiegel im MMI reflektieren die einfallenden Wellen mit Phasensprung, die reflektierten Phasen sind deshalb um lambda/2 gegenüber den einfallenden verschoben. Diese Phasensprünge bei den Reflexionen treten im MMI jeweils 2 Mal auf, einmal am Strahlteiler und einmal am Spiegel bzw. einmal am Spiegel und dann am Strahlteiler. Sie bleiben daher in meiner Erklärung unberücksichtigt. Michelson hat die Strahlen mehrfach hin und her gespiegelt. Auch da heben sich die Phasensprünge auf.
Die Grundlage meiner Erklärung ist, dass die Phasen vom Spiegel unabhängig von der Lage des MMI zum Äther immer nur um den Phasensprung verschoben zurückkommen. In einem Arm von fester Länge kehrt der Strahl sowohl vertikal als auch longitdinal deshalb mit identischer Phasenlage zurück, weil vertikal die Geschwindigkeit kleiner und die Wellenlängen kürzer werden und deshalb die Reflexion genau so erfolgt, als wäre die Geschwindigkeit und die Wellenlängen gleich wie im longutidinalen Arm. Das bedeutet nicht, dass die Strahlen
gleichzeitig zum Mittelpunkt (Strahlteiler) zurückkehren, sondern sehr wohl mit einem Zeitversatz. Das spielt keine Rolle, weil sie eben phasengleich sind, wenn sie einserseits vom Strahlteiler und andererseits vom Reflektor zum Detektor geschickt werden.
Wenn Michelson mit dem beweglichen Spiegel die Phasenübereinstimmung am Kreuzungspunkt der Strahlen einmal eingestellt hat, kann sich durch Drehung des MMI nichts mehr ändern. Weil sich Geschwindigkeiten und Wellenlängen proportional zur Drehung so anpassen, dass die Wellenzüge am Kreuzungspunkt stets phasengleich bleiben.
Wenn man nur mit den Laufzeiten rechnet, bleibt die Anpassung an die Geschwindigkeit im vertikalen Arm durch die Verkürzung der Wellenlängen unberücksichtigt. Diese Verkürzung erfolgt genau mit dem Gammafaktor. Wenn sich über die gedachte Diagonale der Strecke die Wellenlänge nicht ändert, verschieben sich die Phasen am Kreuzungspunkt Strahlteiler natürlich. Denn dann laufen die Wellenzüge vom Strahlteiler zwar geschwindigkeitsvermindert, aber mit gleicher Wellenlänge hoch, wie sie im longitudinalen Arm vorliegen. Davon war Michelson ausgegangen. Und das war m.E. unvollständig gedacht...
Die Animation von Chef zeigt zwar den Laufzeitunterschied, aber nicht die Phasenlagen. Dazu müssten mehrere Wellen zu sehen sein und auch ihre Bewegung runter zum Detektor. Wenn sie da alle dieselbe Geschwindigkeit haben und die Abstände gleich bleiben, bestätigt das meine Anschauung. Denn die Phasengleichheit und infolge die Interferenz wird von Michelson zu Versuchsbeginn eingestellt.
Grüße
Harald Maurer