Ernst hat geschrieben:Gluon hat geschrieben:
Wie kommst du darauf? Grubenwart A wirft den Farbbeutel auf Panzer B, Grubenwart B wird seinen Beutel auf Panzer A. Fazit: Alles voll symmetrisch, beide Panzer sind grün.
Daß Du mit den beiden Grubenwarts nicht zurechtkommst, habe ich befürchtet. Da ich Dir die pure Logik des Farbwechsels bei gleichzeitigem Antennenkontakt nicht vermitteln konnte, interpretierst Du nun auch diese Verbildlichung falsch. Wie soll ich diese einfache Logik denn noch veranschaulichen? Ich versuch´s noch anders:
Das ist vergebene Liebesmühe, Ernst, ausgerechnet mit Dr. Joachim Schulz, einem streng dogmatischen Relativisten, mit „
purer Logik“ zu argumentieren...

Die Relativisten anerkennen bekanntlich die „
pure Logik“ nicht, es nützt also kaum, sich darauf zu beziehen. Das sehen wir deutlich im Panzerparadoxon: Die Logik prallt bei Relativisten vollständig ab, egal durch welche Veranschaulichungen man sie darzustellen versucht. Meistens geben aber ausgebildete und geschulte Autoren der Relativistik nicht direkt zu, dass sie die pure Logik nicht anerkennen und dass die SRT grobe Logikbrüche enthält, sondern gehen das Problem nur rhetorisch um, indem sie sagen, die Theorie sei „
kontra-intuitiv“ bzw. „
anti-intuitiv", wie zum Beispiel
hier, was erklären soll, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen, die sich ausschließlich auf ihre Logik beim Verständnis der Wissenschaft verlassen, von der Theorie "
überfordert" wird ("
Ein Genie und sein überfordertes Publikum").
Wenn sie mit offensichtlichen Logikbrüchen der Theorie konfrontiert werden, lehnen dagegen sehr oft anonyme, nicht ausgebildete und nicht geschulte Forenrelativisten die Logik direkt ab und argumentieren sehr oft offen im Sinne: Es gilt keine einzige Logik in der Welt und in der Wissenschaft, keiner kann entscheiden was logisch ist oder nicht, die Logik ist rein subjektiv, es kann mehrere gleichwertige Logiken existieren, usw.
Diese Denkweisen und dieses Verhalten sind meiner Meinung nach auf die gleichzeitige Existenz bei Menschen sowohl von einem logischen als auch einem magischen Denken zurückzuführen. Ich weiß noch, dass wir zum Beispiel im Gymnasium beim Philosophieunterricht das magische Denken der Menschen bzw. das „
prälogische Denken“, das man besonders bei Naturvölkern und bei jungen Kindern beobachten kann, anhand dieser Konstellation untersucht und analysiert haben:
Die Mitglieder des Stammes A glauben, dass die Mitglieder des Stammes B nachts auf dem Boden des Flußes schlafen:
Das logische Denken sagt:
- Entweder sind die Mitglieder des Stammes B Menschen, und sie können nicht nachts auf dem Boden des Flußes schlafen
- Oder sind die Mitglieder des Stammes B keine Menschen, und sie können u. U. nachts auf dem Boden des Flußes schlafen.
Obwohl die Mitglieder des Stammes A ganz genau wissen, dass die Mitglieder des Stammes B Menschen sind und dass Menschen nicht in der Lage sind auf dem Boden des Flußes zu schlafen, weil das Bestandteil ihrer Erfahrung und ihrer Kenntnis der Realität ist, die sie auch perfekt zum Überleben beherrschen, sehen sie keinen Widerspruch in ihren Denkweisen, das stört ihr Glauben nicht und sie können mit der o.g. logischen Argumentierung nichts anfangen: Man wird sie nie überzeugen können, dass sie sich bei ihrem Glauben irren.
Das „
prälogische Denken“ wurde insbesondere von dem französischen Ethnologen und Philosophen Lucien Lévy-Bruhl untersucht, siehe z.B. hier:
Lexikon Uni-Protokolle:
Das
prälogische Denken bezeichnet einen von dem französischem Philosophen und Ethnologen Lucien Lévy-Bruhl eingeführten Begriff mit dem ausgedrückt wird, daß in der Urgesellschaft das einzelne Individuum logisch d.h. nach den Gesetzen der
formalen Logik nur in der Sphäre der persönlichen Erfahrung dachte, "kollektive Vorstellungen" jedoch "prälogischen" Charakter hatten.
Die Herausbildung dieses prälogischen Denkens sei anders als im Denken des Menschen von heute verlaufen d.h. nicht nach den Gesetzen der formalen Logik.
Wenn man sich zum Beispiel die Beschreibung und die Analyse des „
prälogischen Denkens“ anguckt, findet man erstaunliche Parallele zum modernen kollektiven Mythos Spezielle Relativitätstheorie und zur Denkweise seiner Anhänger, oder?
Wikipedia über Lucien Lévy-Bruhl:
Die von Lévy-Bruhl beschriebenen Denkstrukturen seien geprägt von und ausgerichtet nach Kollektivvorstellungen, die sich u.a. in Mythen und Bräuchen manifestieren. Der Partizipationssatz besagt auch, dass gewisse Differenzierungen, die für die westliche Logik essentiell sind, nicht vorhanden sind. Dazu gehören die Unterschiede zwischen Realität und Traum; Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft, sowie Auslöser und Ausdruck eines Ereignisses. Des Weiteren schließt das Phänomen der „Multipräsenz“ (multiprésence) die Differenzierungen zwischen Einem und Vielem, Gleichem und Anderem sowie Belebtem und Unbelebtem aus – d.h. dass eine Person z.B. gleichzeitig an verschiedenen Orten präsent sein kann. Zeit und Raum gelten als ausschließlich subjektiv wahrnehmbar und können nicht mit (westlichen) qualitativen Methoden gemessen werden.
Dass diese magische bzw. prälogische Denkweise einzig bei Urgesellschaften vertreten war, trifft allerdings nicht zu, was ein Kollege und Kritiker von Lucien Lévy-Bruhl, der angesehene französische Ethnologe
Claude Lévi-Strauss herausgearbeitet hat, siehe z.B. hier:
Beide Arten von Mentalität seien in allen Gesellschaften zu finden, aber in verschiedenen Ausmaßen. Auch die moderne Gesellschaft trage Überreste des Mystischen und Prälogischen (prelogical) in sich.
Dass die beiden Arten von Mentalität beim Verständnis der SRT auch vertreten sind, dokumentiert ein Autor der Relativistik unfreiwillig, wobei ich persönlich davon überzeugt bin, dass das Verhältnis der beiden Denkweisen umgekehrt ist, als vom Autor behauptet, siehe
hier:
„Über das Zwillingsparadoxon (es wird auch Uhrenparadoxon genannt) ist lange debattiert worden. Heutzutage akzeptieren fast alle Physiker die hier gegebene Interpretation. Lediglich einige Philosophen, Mathematiker und sogar ein oder zwei Physiker behaupten immer noch, daß beide Zwillinge auf dasselbe physikalische Alter kommen müssen. Der Autor dieses Buches ist so überzeugt von der Verlangsamung des Alterns bei Raumfahrern, wie er von irgend etwas in der Physik überzeugt ist.”
Jay Orear: “Physik”. München. Carl Hanser 1982/1985. S. 162.
Viele Grüße
Jocelyne Lopez