Freddy hat geschrieben:
Guten Tag! Was meinen Sie denn dazu, dass mit diesem Effekt erklaert wird, dass Muonen, welche eine Lebensdauer von nur 2.2 mus haben und in der oberen Atmosphaere entstehen, dennoch die Erdoberflaeche erreichen, und das aufgrund der Laengenkontraktion (aus der Sicht der Muonen)? Ziemlich realer Effekt, oder?
Für mich erledigt sich von allein die Beschäftigung mit einem Experiment, wo die Messergebnisse „
aus der Sicht der Müonen“ bewertet werden müssen: Ich bin nicht esoterisch veranlagt.

Wenn Du aber die Deutung dieses Experiments von zwei promovierten Physikern lesen möchtest, nachstehend Aussagen aus dem Buch „
Requiem für die Spezielle Relativität“ von Georg Galeczki und Peter Marquard, Seite 240 – 241, mit vielen Formeln, für diejenige, die sich darauf freuen

(ich hoffe, dass sie richtig gelesen wurden):
Zur dynamischen Deutung des CERN-Experimentes: Die Voigt-Doppler-Variante
Gemessen wird die Halbwertszeit der Müonen von einem Beobachter im (in guter Näherung stationären) Labor. Die Apparatur, welche die erforderlichen Energien liefert, ist beeindruckender Beweis dafür, daß der Experimentator mit dem Mesonenensemble in starker Wechselwirkung steht. Der Beobachter beeinflußt seine Beobachtung. Das ist prinzipiell anders als bei seiner Rolle in der SRT, wo er willkürlich und ohne Beeinflussung des Geschehens zwischen zwei Koordinatensystemen hin- und herwechseln kann. Für diese aktive Beobachtung erinnern wir uns an den Voigt-Doppler-Effekt und die Invariante ώ2 - (ck)2 = 0 aus Abschnitt (2.8), die mit (h/2π)2 multipliziert die quantenmechanische Energie-Impuls-Beziehung E2 = (pc)2 darstellt und die in dieser Form nur für das Licht gilt. In ihrer linearisierten Form, die für den Fall des Lichtes trivial ist, stellt sie die Dispersionsgleichung dar: ώ = ck. Diese Betrachtung übertragen wir nun in der allgemein akzeptierten Weise auf massive Teilchen. Hier hat die Invariante E2 - (pc)2 = E'2 - (p'c1)2 = (m0c2)2 einen uns bekannten von Null verschiedenen Wert und erzeugt eine hyperbolische Dispersionsbe¬ziehung. Die gestrichenen Größen beziehen sich auf das Schwerpunktsy¬stem des bewegten Mesonen-Ensembles vom Labor aus gesehen und c = c1 ist die im absoluten Raum festgelegte Lichtgeschwindigkeit. Die Kaufmann-Mechanik enthält die Newton-Mechanik als Grenzfall mit m = const. und unterscheidet sich von dieser durch den asymptotisch linearen Zusammenhang zwischen E und p. Die enormen Energien, welche die CERN-Apparatur in das Mesonenensemble pumpt, rechtfertigen die An¬wendung der linearen Energie-Impuls-Beziehung wie beim Photon: Bei γ = 30 (dies entspricht dem letzten Meßpunkt in Bertozzis Experiment) liegen wir auf dem asymptotisch geraden Teil der Dispersionshyperbel und dürfen m0c2 gegen E bzw. (pc) vernachlässigen. Für extrem hohe Energien haben massive Teilchen die gleiche Dispersionsbeziehung wie Photonen. Im CERN-Experiment ruht der Beobachter im Labor (WB = 0) und die Quelle bewegt sich mit fast Lichtgeschwindigkeit (WQ = 0.9994 c). Damit gehen wir in Formel (2.15), multiplizieren mit dem Planckschen Wirkungsquantum und erhalten für die Energien des ruhenden und des beweg¬ten Mesonenensembles
E’ = E/γQ(1 – wQc/c2)
(D1)
Mit unserer linearen Invariantenbedingung E' = (p’c’) gilt dieselbe Bedingung für p. Da uns hier nur der einfachste Fall interessiert, setzen wir in guter Näherung wQc = wQ2 bzw. (1 - wQc/c2) = 1/γ2 und erhalten
p' = pγQ
(D2)
Damit wird W’ und auch die Zerfallswahrscheinlichkeit um den Faktor 1/γQ kleiner und die Lebensdauer t = γto entsprechend länger. Anders gesehen (und in Übereinstimmung mit dem in Abschnitt (2.8) Gesagten) liegt hier ein Problem der „Impedanzanpassung" vor: Energie und Impuls von Mutter- und Tochterteilchen müssen sich nach den Verhältnissen im Rest des Universums richten, aus dem sie nun einmal nicht isoliert werden dürfen.
Viel Spaß

Viele Grüße
Jocelyne Lopez