Lieber Ljudmil
scharo hat geschrieben:Hoffentlich begreift Ihr beiden, dass ich nur über die Benennung dieser Kräfte spreche
Dann ist ja alles ok. Manches hört sich allerdings jetzt anders an als vorher. Aber sei´s drum.
Zu den beiden offenen Punkten:
Bezeichnungen:
Wenn auch Deinen unechten Fall einige als Corioliskraft bezeichnen, dann ist das unangebracht. Denn die virtuelle beschleunigte Bewegung daraus berechnet kein Mechaniker über die Formel zur Coriolisbeschleunigung, sondern einfach als Relativbewegung der Kugel zur rotierenden Scheibe. Das kann gleichwertig für das Bezugssystem Scheibe und auch Kugel erfolgen. Das ist alles ganz real. Ich kann Dir versichern, daß kein Mechaniker in solchem Fall mit einer "unechten" Coriolisbeschleunigung rechnet. Physiker mögen das tun, aber warum sollten sie?
Aber lassen wir das. Über Bezeichnungen müssen wir nicht streiten.
Ich habe nur geschrieben, dass ohne sichtbaren Bezug zur Außenwelt (d.h. Du kannst nicht feststellen, ob Du dich mit v-radial bewegst – ist ja konstant) nicht unterscheiden (messen) kannst, ob eine Coriolis- oder Eulerkraft auf dich wirkt – und das kannst Du wirklich nie und nimmer.
Natürlich kann ich das. Die Rotationsbewegung ist absolut, d.h. alle Parameter lassen sich absolut ohne Bezugssystem eindeutig ermitteln. Ich kann im System der Scheibe die Winkelgeschwindigkeit und die Winkelbeschleunigung messen und ich kann das Rotationszentrum bestimmen (alles z.B. mit einem Pendel). Ich kann daher auch meine Bahn, auf der ich mich mit v bewege, bezüglich der Scheibe geometrisch beschreiben. Damit kann ich mit den vielfach angegebenen Formeln Coriolis- und Fliehkraft berechnen.
Was die Aussage „Corioliskraft wirkt immer senkrecht zur v“ betrifft, habe ich meine Bedenken. Bei der kräftefreien Bewegung (die scheinbare Coriolis) ist das klar. Aber bei mitgeführtem Körper komme nicht klar, wenn die Richtung von v nicht exakt radial ist. Ich sehe dort nur eine tangentiale Trägheitskraft und eine radiale Zentrifugalkraft. Aber bitte nicht aus dem Lehrbuch zitieren, sondern erklären, wie, woher die Coriolis senkrecht kommt. v ist keine krafterzeugende Komponente, da konstant.
Also bitte, die Erklärung:
Vorneweg die allgemeine Definition der Corioliskraft.
Sie ist diejenige Kraft, die ein Körper dadurch erfährt , daß er sich auf einem rotierenden Körper bewegt.
Ein auf der Scheibe bewegte Körper erfährt zwangsläufig immer eine Änderung seiner Umfangsgeschwindigkeit (Geschwindigkeit als Vektor betrachten!), welche eine Beschleunigung des Körpers darstellt; Vektorielle Geschwindigkeisdifferenz/Zeit. Diese Beschleunigung wirkt naturgenmäß in Richtung der vektoriellen Geschwindigkeitsdifferenz.
Betrachtung als endliche Differenzen (nicht infinitesimal)
a) Kugel läuft in der Zeit t auf einer Radialen von r1,φ1 auf r2,φ1. Vektordifferenz der Umfangsgeschwindigkeit wirkt senkrecht auf die Radiale.
b) Kugel läuft in der Zeit t auf eine Linie von r1,φ1 auf r2,φ2. Vektordifferenz der Umfangsgeschwindigkeit liegt senkrecht auf der Bewegungslinie
(müßtest Du Dir eventuell mal aufmalen)
c) Kugel läuft in der Zeit t auf einer Linie von r1,φ1 auf r1,φ2. Also auf einem Kreis konzentisch um das Zentrum. Vektordifferenz der Umfangsgeschwindigkeit liegt radial. (eventuell auch mal aufmalen)
c) ist leicht vorstellbar. Eine Kugel rollt in einer koaxialen Rille auf einer rotierenden Scheibe. Die Kugel erfährt
zahlenmäßig eine zusätzliche Zentrifugalkraft; es ist aber begriffsmäßig ein Spezialfall der Corioliskraft.
Liebe Grüße
Ernst