Trigemina hat geschrieben:Wie sollen nun zum ermittelten Zeitpunkt des Jupiter-Transits in der Basismitte die an den Endpunkten A und B gleichzeitig empfangenen Radiosignale (abzüglich des herausrechenbaren Sagnac-Effekts) die entsprechenden Frames der Oszilloskope zugeordnet werden, ohne dass sie vorher synchronisiert worden sind?
Das Primärsignal A (welches gleichzeitig an Station B empfangen wird) wird gesplittet, einerseits als Sekundärsignal sofort zur Station B gesendet und andererseits nach einer Verzögerung, die ungefähr der Laufzeit über die Messstrecke entspricht, ins Oszi A geleitet. In diesem Moment wird auch das Sekundärsignal von B empfangen und ebenfalls ins Oszi A geleitet. Am Zweikanaloszi werden beide Signale und der Zeitabstand der Laufzeit sichtbar, weil die beiden Kanäle synchron arbeiten. In der Station B geschieht ganz dasselbe. Das Primärsignal B (welches gleichzeitig wie SIgnal A aus der Wellenfront entnommen wird!) kommt nach gleicher Verzögerung ins Oszi, wo es sich mit dem Sekundärsignal A trifft. Auch hier wird die Laufzeit durch den Abstand zwischen den beiden Signalen sichtbar. Wichtig ist nur, dass die beiden Kanäle in jedem Oszi synchron arbeiten, die Oszis selbst müssen zueinander nur grob synchronisiert sein, da es egal ist, auf welcher Stelle des Schirms (bwz. Frames) die beiden Signale auftauchen. Nur der Abstand zwischen ihnen wird gemessen, denn er entspricht der Zeit zwischen Sendung und Empfang. Die Sendung der beiden Sekundärsignale erfolgt gleichzeitig, weil sie aus ein und derselben Wellenfront stammen - vorausgesetzt, die Ausrichtung der Messstrecke ist parallel zu dieser Wellenfront gewesen! Diese beiden gleichzeitig empfangenen und weitergesenden Signale werden also in jeder Station miteinander verglichen. Das verzögerte SIgnal markiert auf dem Oszi den Sendezeitpunkt, das Sekundärsignal von der anderen Station kommt nach entsprechender Laufzeit auf den Schirm. Um die Signale dem Messzeitpunkt zuzuordnen, genügt eine sekundengenaue Markierung der Frames in den Oszis, d.h. die Oszis laufen nur sekundengenau synchron. Das genügt deshalb, weil der zu erwartende Effekt, nämlich entweder gleiche Abstände zwischen den Signalen innerhalb des Zeitfensters von rund 1 Sekunde (SRT) oder ungleiche Abstände (LET) eindeutig zugeordnet weren kann. Beide Situationen treten zwar laut jeder Theorie auf, liegen aber rund 14 Sekunden voneinander entfernt! Es genügt daher, sowohl Transitzeit als auch Framemarkierung sekundengenau zu kennen bzw. aufzuzeichnen. Man guckt einfach, ob im Zeitfenster gleiche oder ungleiche Abstände zwischen den Signalen auftreten, das ist alles. Und natürlich kann man aus den Abständen die Laufzeiten ermitteln.
Es ist offenbar gar nicht so leicht, diesen einfachen Sachverhalt verbal so zu schildern, dass man es sofort versteht.
Trigemina hat geschrieben:Ein drittes Oszi in der Basismitte könnte helfen, die Primärsignale eindeutig zuzuordnen. Dann wären wir jedoch wieder bei der Poincaré-Einstein-Synchronisation angelangt, die klammheimlich zur Hintertüre hereinkommt wie man es auch immer dreht und wendet.
Nein, braucht man nicht und die Poincare-Einstein Methode spielt keine Rolle. Man könnte die beiden durch GPS synchronisierten Oszis auch durch langsamen Uhrentransport synchronisieren, denn das würde die lediglich sekundengenaue Frame-Markierung viel zu gering verändern, um die Messung zu stören. Denn die Oszis messsen ja nicht zueinander die Laufzeiten, sondern jedes misst die Laufzeit für sich, weil die Messung sich selbst durch die gleichzeitig empfangenen Primärsignale synchronisiert. Das ist ja der besondere Trick dabei. Die GPS-Synchronisierung hat eine Genauigkeit im Bereich von Hunderstelsekunden. Das genügt für die Zuordnung der Frames in das Zeitfenster vollends.
Trigemina hat geschrieben:Sollte in der Natur die LET realisiert sein, wäre zum Zeitpunkt des Jupiter-Transits in der Basismitte die Wellenfront um den Aberrationswinkel phi=arcsin(v/c) gegen die Messbasis verdreht.
NEIN! Die Wellenfront wäre nicht gegen die Messbasis verdreht, sondern dann wäre auch die Messbasis im gleichen Ausmaß verdreht !!! Denn die Messbasis wird ja anhand des Wellenvektors ausgerichtet. Der ist nämlich im Falle der LET auch verdreht, weil er nach wie vor senkrecht zur dann verdrehten Wellenfront steht!!! Es ist also völlig egal, ob verdreht oder nicht, die Messbasis kommt immer parallel zur Wellenfront zu liegen, wenn man sich nach dem Transitzeitpunkt richtet, denn dieser wurde ja optisch ermittelt, also in dem Moment, als der Wellenvektor durch den Südmeridian ging. Ist der verdreht, ist die ermittelte Transitzeit eben eine andere als im nicht verdrehten Falle. Die Transitzeit entspricht immer dem Zeitpunkt, in welchem der Wellenvektor (Sichtachse) durch den Südmeridian geht, und immer stehen die Wellenfronten dazu senkrecht!!!
Noch einmal werde ich es nicht erklären. Es ist nicht zu glauben, dass dieses Aberrationsgespenst aus Deinem Denken nicht rauszukriegen ist. Aberration verursacht eine geringfügige Verdrehung von beiden: sowohl Wellenfront als auch Messbasis. Die bleiben auch dann parallel zueinander und die Signale werden nach wie vor gleichzeitig empfangen (weil c=const zum Äther und Laufstrecken von Jupiter zur Erde gleich lang!).
Jetzt hat das Gespenst auch Ernst erwischt. Er schreibt:
Ernst hat geschrieben:@Harald
was spricht gegen diesen Gedankengang?:
Gilt die Ätherversion, dann steht infolge der "Ätheraberration" die Wellenfront nicht senkrecht auf der optischen Sichtachse . D.h. zum Zeitpunkt des optischen Transits ist die Wellenfront gegen die Meßbasis geneigt. Durch diese Neigung erreicht die Wellenfront die Basisendpunkte mit einer Zeitdifferenz. Und diese Zeitdifferenz kompensiert die unterschiedlichen Laufzeiten der Meßsignale infolge Ätherwind. So daß ein vermeintlicher Ätherwind wegen dieser Kompensation gar nicht nachweisbar ist.
Lieber Ernst, eine Wellenfront steht IMMER senkrecht auf der optischen Sichtachse! Im Falle der geschilderten Aberration verdrehen sich BEIDE. Die Wellenfronten MÜSSEN zur Sichtachse (=Wellenvektor) rechtwinkelig bleiben, weil c=const zum Äther.
Vielleicht ist ein Bild mehr als 1000 Worte:
1: zeigt die Situation ohne Aberration
2: zeigt die richtige SItuation mit Aberration. Die Wellenfronten drehen sich mit dem Wellenvektor (Sichtachse) mit, well sie entstehen ja aufgrund der konstanten LG zum Medium und des jeweils gleichen Abstands zur Emission!
3: ist die falsche Annahme von Trigemina und Dir. Die Wellenfront kann sich nicht vom Wellenvektor verselbständigen und sich nicht mitverdrehen, weil sie sich nicht aus unterschiedlichen Lichtgeschwindigkeiten bilden kann. Merksatz: Wellenfronten stehen stets senkrecht zum Wellenvektor und der gibt immer die Ausbreitungsrichtung an. Auch eine Aberration ändert an dieser Tatsache nichts.
Nochmal 2: weil die Messbasis nach dem Wellenvektor ausgerichtet wird, kommt sie nach wie vor parallel zur Wellenfront zu liegen! Egal welche Theorie, die Messbasis muss immer nur im rechten Winkel zur Sichtachse eingestellt werden!
Alles klar?
Grüße
Harald Maurer
