Hallo
ich bin neu in diesem Forum und möchte mich kurz vorstellen. Ich wohne in Potsdam, bin Jahrgang 44 (wie Harald) und wurde auf dem Gebiet der Elektrotechnik promoviert.
Dieser Threat heisst "Frage an die SRT-Kritiker". Jeder, der diese Frage beantwortet, zieht sich praktisch den Schuh an, SRT-Kritiker zu sein. Ich bin weder SRT-Kritiker, noch Äther- oder Emissions-Befürworter. Das Schubladen-Denken mag vielleicht die Kommunikation (bzw. die leider hier verbreiteten gegenseitigen Beschimpfungen) vereinfachen, führt aber auch zu Irritationen:
Yukterez hat geschrieben: ... aber von Ernst hätte man sich dann doch wohl etwas mehr erwartet. Stattdessen beschränkt er sich auf vage Angaben wie "ungleichzeitig" statt die Sekunden auszurechnen, weil er nicht einmal weiß ob er für Äther oder Emitter sein soll.
Hier wird ebenfalls gefordert, dass man sich für eine Theorie (Schublade) entscheiden soll. Warum? In der Wissenschaft wird nicht abgestimmt. Es sollten auch keine Meinungen zählen, sondern Fakten. Und wenn es um eine Frage, wie in diesem Thread, geht, dann wäge ich ab: Bei Äther müsste das passieren, bei Emitter jenes und bei RT etwas drittes. Dieses Herangehen ist doch völlig richtig, eben wissenschaftlich.
Zu den beiden RT: Sie sind beide völlig exakt und richtig, im mathematischen Sinne. Deshalb ist es auch nicht möglich, sie zu widerlegen. Mathematische Theorien (, die sich an die vorher festgelegten Axiome halten und keine Rechenfehler beinhalten) kann man nicht widerlegen.
Das Axiom der SRT besteht in der Behauptung, dass die LG in allen gleichförmig gegeneinander bewegten Bezugssystemen konstant und gleich c sei.
Aus den Maxwellschen Gleichungen ergibt sich, dass Licht eine Welle ist und sich mit der konstanten LG c ausbreitet. Licht benötigt so wie jede reale Welle ein Medium, dass als Äther bezeichnet wurde.
Dass die LG jetzt in jedem Bezugssystem (Inertialssystem) gleich sein soll, ist eine Behauptung (bzw. Axiom), für die mir kein physikalischer Beweis bekannt ist. Bei Anwendung dieses Axioms ergeben sich automatisch die Gleichungen der LT (in der Mathematik müssen Axiome nicht bewiesen werden).
Das wird dann als "Postulat" formuliert. "postulare" heisst fordern. Wie kann ein Wissenschaftler etwas von der Natur fordern? Das zeigt doch eine sehr hochmütige Einstellung der Natur gegenüber.
Nun zur Frage von fallili:
fallili hat geschrieben:2) Ich sitz am Anfang oder Ende eines 600 000 km langen Bahnsteig in dessen Mitte eine bewegte Lampe aufblitzen wird.
Wann werde ich dieses Aufblitzen der einen - zwar bewegten aber dennoch genau in der Mitte ausgelösten - Lampe sehen - was erwarte ich?
Selbe Antwort wie oben - das Licht muss 1 Sekunde brauchen um diese 300 000 km zu Bahnsteiganfang oder Bahnsteigende zurückzulegen.
Da stimmen wir überein.
fallili hat geschrieben:1) Ich sitz am Anfang oder Ende eines 600 000 km langen Zuges in dessen Mitte eine Lampe aufblitzen wird. Wann werde ich dieses Aufblitzen sehen - was erwarte ich?
Und daher sehe ich keine andere Möglichkeit, als dass ich die Lampe nach 1 Sekunde aufblitzen sehen muss. Am anderen Ende natürlich ebenfalls nach einer Sekunde und daher im Raumschiff garantiert vorne und hinten gleichzeitig.
Falls der Zug/Raumschiff das Medium, in dem sich die Lichtwelle bewegt, mitführt, ist die Aussage richtig. Das sieht man beispielsweise auch im Flugzeug, in dem man sich ohne Probleme, unterhalten kann, da das Medium der Schallwellen mitgeführt wird.
Falls der Zug/Raumschiff das Medium nicht mitführt, ergeben sich unterschiedliche Zeiten. Wieder ein Beispiel: Wenn man Rehe im Wald beobachten will, schleicht man sich gegen den Wind an, damit die Geräusche (und Gerüche) vom Wind (dem Medium der Schallwellen) weggetragen werden und die Tiere nichts merken.
Viele Grüße
Detlef