Sebastian Hauk hat geschrieben:natürlich müssen physikalische Theorien durch Experimente bestätigt werden. Es ist dann zwar kein endgültiger Beweis, dass sie zu 100% richtig sind, aber bisher ist das in der Physik so üblich.
Im Prinzip bin ich auch deiner Ansicht. Allerdings sollte an dieser Stelle etwas ins Detail gegangen werden. Wichtig ist hier die logische Figur der Schlussfolgerung, die als
Implikation bezeichnet wird und nach dem Muster "
Wenn ...,
dann ..." abläuft. Voraussetzung für die Anwendung der Implikation ist das Vorhandensein einer allgemein anerkannten Beziehung zwischen Aussagen, z.B. "Wenn es regnet, dann wird die Straße nass." Übertragen auf die Wissenschaften gehört zur erfolgreichen Anwendung der Schlussfolgerung der Implikation, dass eine anerkannte Theorie oder eine nach anerkannten Regeln aufgebaute Theorie vorhanden ist. Zum Beispiel: Es wird der sogenannte "Körper" der Reellen Zahlen (K,+,*) mit seinen entsprechenden Eigenschaften genommen, dann gibt es da glaube ich das Distributivgesetz: a*(b+c)=a*b+a*c. Nunmehr kann die Implikation auf einen konkreten Fall angewendet werden: "
Wenn 1,997*(93,4+75,27) gilt,
dann gilt auch die Gleichung
1,997*(93,4+75,27)=
1,997*93,4+
1,997*75,27." So wird, wenn eine allgemein anerkannte und überzeugende Theorie - egal in welcher Form - vorliegt, dann von einer wahren gültigen Aussage auf eine aus ihr hergeleiteten Aussage geschlossen. So dass man durch diesen Schluss dann einen neuen Sachverhalt hergeleitet hat.
Das ganze auf die Physik übertragen bedeutet, dass eine anerkannte oder zumindest nach anerkannten klaren Regeln formulierte Theorie vorhanden sein muss, damit es Bestätigungen durch Experimente geben kann. Es könnte sein, dass jemand theoretisch sehr klar und vom Prinzip her widerlegbar herleitet, dass der Planet Erde angenähert Kugelform hätte. Aufgrund dieser Theorie sagt er voraus, dass nach allen Richtungen auf dem Meer Mastspitzen hinter dem Horizont verschwinden. Nun kommt das Experiment, d.h. er fährt hinaus aufs Meer und ein anderes Boot entfernt sich und die Mastspitze verschwindet hinter der Kimm und somit ist seine Theorie von der Kugelform der Erde in einem Fall bestätigt worden.
Wenn ich beispielsweise an der Theorie zur Übertragung elektromagnetischer Wellen arbeite, dann wäre es eine vorhergesagte Bestätigung, dass Hochspannungssignale in einem Leiter (Antenne) sich mit Überlichtgeschwindigkeit bewegen. Die Theorie habe ich nach den Regeln wissenschaftlicher Arbeiten klar formuliert, wenn jetzt die Vorhersage zutrifft, dann hat eine Bestätigung der Theorie stattgefunden, die durch viele weitere ergänzt werden müsste, damit neue Erkenntnis nach bestem menschlichen Ermessen geschaffen wurde.
Während Bestätigungen in beliebiger Anzahl zu einer Theorie gesammelt werden können, sind Widerlegungen immer Stoppschilder für eine Theorie, womit nicht gesagt werden soll, dass diese verworfen werden muss - aber zumindest muss neu überdacht und abgeändert werden.
Sebastian Hauk hat geschrieben:Die Viele-Welten-Theorie und und ein bisschen auch die String-Theorie sind da so die Ausnahme, aber sonst gilt das schon.
Kannst du die beiden genannten Theorien mit einem gewissen Aufwand zwar aber bei Bemühung schrittweise nachvollziehen? Ich glaube nicht, d.h. solche Theorien haben den Mangel, dass es ihnen an Klarheit und Übersichtlichkeit fehlt. Insbesondere gründen sie sich auf viele strittige oder kaum nachvollziehbare Aussagen. Wenn es dann zu "Bestätigungen" käme, dann brauchen es keine Effekte zu sein, die mit den genannten Theorien im Zusammenhang stehen. Insofern würde ich es so beurteilen, dass erste Ansätze einer Theoriefindung dort gemacht worden sind.
mfg