Superluminar hat geschrieben:Würde die Atmosphäre oder der Berg auf 280 km gestreckt, müsste auch die Erde gestreckt werden.
Wird auch nicht. Die Erde würde im Myonensystem plattgedrückt auf 438,281 km gemessen werden. Und dass die Erde das nicht ist, wird ja wohl auch klar sein.
Diese 280 km (genauer 288,71844561 km) sind die Strecke, über welche sich die Erde bewegt, während der Vorgang im Myonensystem beobachtet wird. Erde samt Berg und Hammer bewegen sich bis zur Koordinate x'=288,71844561 km, hier bleibt der Hammer stehen während sich die Erde weiter bewegt und mit dem Erdboden den Hammer etwas später erreicht. Die 346 m ergeben sich aus den veränderten Zeitpunkten (RdG); die im Myonensystem dem Vorgang zugeschrieben werden. Das ist alles kein Problem, denn um im Erdsystem festzustellen, dass ein Hammer einen 10 km hohen Berg runterfällt, muss man dem Hammer ja kein längeres Leben verleihen, der lebt ja ohnehin lange genug! Und es ist auch ganz leicht, die Entfernung vom Erdboden zum Hammer mit 10 km zu messen, denn der Hammer
ruht ja zuerst auf dem Berg, und dass diese 10 km eine Ruhelänge sind, ist wohl keine Frage!
Das ist aber keine Analogie zum Myonenexperiment. Denn das Myon ruht ja nicht auf einem Berg, sondern entsteht in einem mit v=-0,9994 c
bewegten Intertialsystem aus einem Pion, und wann und wo das geschieht, ist völlig unbekannt. Jedenfalls sind die beiden Bezugssysteme Erde und Myon schon von vornherein zueinander bewegt, wenn das Myon entsteht. Die Vermutung, ein auf dem Erdboden vorgefundenes Myon müsse eines sein, das vor 0,000033376435381 s an der Bergspitze vorbeikam oder eben in 10 km Höhe entstanden sei, ist nur eine Annahme und keine Messung! Denn ob das jetzt wirklich zutrifft, kann ja niemand ohne dementsprechende Messungen wissen. Man müsste also den Vorgang im bewegten IS des Myons messen, doch bewegte Systeme werden in der SRT
kontrahiert gemessen! Man kann keine Ruhelänge aus einer Länge konstruieren, deren Enden sich mit v=-0,9994 c
bewegen! Nun könnte man sagen, naja, vielleicht würden wir tatsächlich die Entstehung des Myons verkürzt auf 346 m
messen, aber wir
wissen ja, dass es nur in 10 km Entfernung entstanden sein kann. Dann müssen wir das dem Beobachter im Myonensystem auch zugestehen, der dann sagt, ich messe zwar 346 m, aber ich weiß ja, dass Myonen 10 km vom Erdboden entfernt entstehen! Man kann aber die Lorentzkontraktion nicht damit aushebeln, indem man statt einer Messung eine Länge annimmt, die man schon kennt.
Nun muss man nach dem Relativitätsprinzip das Hammerszenario von vornherein aus dem Bezugssystem des Hammers beschreiben können, denn die Systeme sind gleichberechtigt. Das ist auch möglich: der Hammer ruht auf dem Berggipfel und der Beobachter in diesem System wird sagen, dass der in 10 km entfernte Erdboden den Hammer nach 0,000033376435381 s erreichen wird. Auf der Erde werden es dann nur 0,000001156 s sein, weil die Erduhr dilatiert läuft. Und aus dieser Zeitmessung wird sich eine Strecke von 346 m ergeben. Welche Sichtweise gilt, hängt eben von der Wahl des Bezugssystems ab. Aber diese Wahl ist jedenfalls beim Hammer nach dem Relativitätsprinzip möglich.
Nun nehmen wir statt des Hammers ein Myon. Kann der Beobachter analog zum Hammerszenario sagen, der Erdboden werde nach 0,000033376435381 s das Myon erreichen?`Kann er nicht! Weil das Myon zerfällt, ehe der Erdboden ankommt! Damit wird wohl der Unterschied klar sein, der zwischen dem Hammerszenario und dem Myonenszenario besteht!
Und jetzt noch zum Generalirrtum in diesem seltsamen Beweis der ZD mit den Myonen. Auf der Erde wird angenommen, Myonen könnten diese 10 km durchmessen, weil für sie die Zeit langsamer verstreiche und sie deshalb länger leben. Und das ist bereits eine auf den Kopf gestellte Aussage der SRT. Nicht für die Myonen, sondern für den Beobachter auf der Erde verstreicht die Zeit im Myonensystem langsamer! D.h. er sieht im Myonensystem eine langsamer laufende Uhr! Doch das gilt nur für die Sicht des Erdbeobachters! Aber das hilft den Myonen gar nichts, denn aus ihrer Sicht ist die Erduhr eine langsamer laufende Uhr, d.h. letztlich, die Uhren verändern in keinem System tatsächlich ihre Gangart. Dazu wieder mal Petry auf
http://de.wikibooks.org/wiki/Spezielle_ ... e:_Teil_II"Eine – etwas voreilige – Formulierung der beiden Befunde könnte lauten: Es gehen die Uhren im System S' langsamer als die Uhren im System S und gleichzeitig gehen die Uhren im System S langsamer als die Uhren im System S' . Natürlich ist diese Aussage in sich widersprüchlich und daher nicht haltbar.
Wir müssen vielmehr annehmen,
dass keine der Uhren ihren Gang verändert, sondern dass die Uhren lediglich für einen relativ dazu bewegten Beobachter langsamer gehen. (So wie oben die Körper auch nicht objektiv kürzer geworden sind, sondern lediglich für einen relativ zu ihnen bewegten Beobachter.) Wie sollte sich auch am Gang der Uhren z. B. im System S objektiv dadurch etwas verändern, dass ich mir ein zweites (oder drittes ...) Bezugssystem dazuphantasiere! Es kann nur an der Relativbewegung des Beobachters liegen, dass für diesen die Uhren im anderen System nachgehen, und zwar – wegen der Gleichberechtigung der beiden Systeme –
in jeweils gleicher Weise. Damit ist der Sachverhalt zwar logisch widerspruchsfrei beschrieben, aber es ist bei weitem noch nicht erklärt, wie es dazu kommt und wie man diesen höchst merkwürdigen und beunruhigenden Vorgang verstehen kann. Was ist da in den Systemen oder zwischen ihnen vorgegangen, dass es keine objektive Gleichzeitigkeit mehr gibt, dass die Körper im jeweils anderen System schrumpfen und die Uhren langsamer gehen, und beides in völlig symmetrischer Weise? Sicher, logisch ist das zulässig, und wenn überhaupt Veränderungen eintreten,
dann müssen sie wegen der Gleichberechtigung der Systeme sogar symmetrisch sein, aber wie kommt es dazu?"
Die Frage, wie es dazu kommt, beantwortet Petry in dieser Arbeit zwar nicht, wichtig ist aber die Feststellung, dass keine der Uhren ihren Gang verändert und nur für einen relativ bewegten Beobachter langsamer gehen. Was also soll das den Myonen nützen, wenn ihre Uhren zwar für den Erdbeobachter langsamer laufen, für sie selbst aber nicht? Aus ihrer Sicht laufen ihre Uhren ja um den Faktor 28,871844561 schneller als die Erduhren. Und das ergibt auch die LT in die Sicht der Myonen, in deren System alle Strecken mit dieser 28,871844561 -fach schnelleren Uhr gemessen werden und aus 10 km eben 288,71844561 km entstehen! Und damit kommen wir letztlich zur offenbar nicht erkannten Fehlinterpretation der Resultate aus der LT. Es ergibt sich hier, dass im Myonensystem die Uhren 28,871844561 mal schneller laufen als die Uhren, die im bewegten Erdsystem gesehen werden. Dadurch ergeben sich zuerst die dementsprechend längeren Strecken. Dann wird aber t'=t gesetzt und die Entfernung der Erde zum Myon mit 346 m gemessen. Die Erde bewegt sich über diese Strecke in etwa (346/0,9994 c=) 0,000001156 s. Das ist aber gemessen mit der zeitdilatierten Uhr, die im bewegten Erdsystem gesehen wird, denn mit der 28,871844561 mal schnelleren Myonenuhr kann das nicht gemessen sein. Denn sind es mit dieser schnelleren Uhr nur 346 m, dann würde die langsamere Uhr im Erdsystem nur rund 12 m messen! Die LT ergibt für die Sicht des Myons daher ZD und LK im Erdsystem - und das nützt dem Myon nun aber eben so wenig, wie dies aus Sicht der Erde der Fall ist. Denn vergehen im bewegten Erdsystem 0,000001156 s, so verstreichen auf der Myonenuhr 0,000033376435381 s, denn die läuft 28,871844561 mal schneller! Es zerfällt also das Myon auch hier, ehe es vom Erdboden erreicht wird!
Es geht also nicht an, dass man eine Zeitdilatation, die das Myon im Erdsystem beobachtet, mir nix dir nix in das Ruhesystem der Erde verfrachtet (wie Ernst dies völlig zurecht moniert!), um den Myonen ein längeres Leben zu schenken. Denn wenn der Erdbeobachter im bewegten Myonensystem eine dilatierte Uhr zu sehen vermeint, müssen auch alle anderen Effekte, LK und RdG vorliegen!
Dass Relativisten gar nicht bemerken, wenn sie uns einen Widerspruch auftischen, zeigt auch Petry prompt, der zwar mit dem Hinweis, dass keine der Uhren ihre Gangart verändert und die ZD stets nur für den bewegten Beobachter gilt, infolgedessen nicht für das Myon selbst, in seiner Arbeit gleich danach just dieses Märchen von den Myonen als Beweis für die ZD präsentiert und nicht bemerkt, dass gerade seiner zuvor getätigten Aussage nach dieser Beweis gar nicht möglich ist!
Und wer glaubt, man könne die ZD mit den Myonen beweisen der möge auch an Weihnachtsmann und Christkind glauben, und in diesem Sinne wünsche ich allen Teilnehmern ein frohes Fest!
Grüße
Harald Maurer