Uli hat geschrieben:
Hmm, was für Uhren nutzt du denn so Harald ?
Ich bin romantisch veranlagt und benutze Sanduhren. Die eignen sich für die Raumfahrt leider nicht, weil sie im Weltraum stehen bleiben - was hoffentlich nicht heißen soll, dass das die Zeit auch tut
Uli hat geschrieben:
Weiss deine Armbanduhr, dass die Erdrotation entscheidend ist und nicht die Periode irgendwelcher Atome ?
Weder meine Sanduhr noch meine Armbanduhr wissen dergleichen. Ich weiß aber. dass ein Tag definiert ist durch eine Umdrehung der Erde und ein Jahr mit der Dauer, welche die Erde für eine Sonnenumkreisung braucht. Und mein Alter ergibt sich aus der Anzahl dieser Umkreisungen. Wenn man bemüht war, andere periodische Vorgänge als Zeitvergleich zu nutzen, so tat man dies unter der Voraussetzung, dass überall im Weltraum die gleichen physikalischen Gesetze gelten. Wobei man natürlich einen Vorgang wählte, welcher sich bestmöglich der naturgegebenen Zeitdefinition unterordnet - was eben bei den Schwingungen des Cäsium-Atoms der Fall war. Die Dominanz behielt aber die Jahresdefinition aus der Erdbewegung - was sich dadurch beweist, dass man die Atomzeit dieser Bewegung anpasst und nicht umgekehrt (Schaltsekunden!).
Ich zähle mein Alter also nicht mit der Anzahl irgendwelcher Atomschwingungen sondern mit der Anzahl der Sonnenumkreisungen, die ich hinter mich gebracht habe und nichts hindert mich daran, dies in jeder beliebigen Entfernung von der Erde auch zu tun. Als weltraumfahrender Zwilling kann ich ja ohneweiteres eine jener tollen Atomuhren mitnehmen und mich auf die Uhrenhypothese verlassen bzw. darauf, dass die physikalischen Gesetze auch in der Ferne gültig sind und auf die Sekundendefinition durch das Cäsiumatom vertraut werden kann. Da gibt es ja auch eine Theorie, die mir das mit der Aussage von der Invarianz der Eigenzeit bestätigt - man nennt sie die SRT. Und die scheint auf den ersten Moment auch in anderer Weise richtig zu sein, denn während meiner Entfernung von der Erde scheint sich die Erde (und ich lasse die nie mehr aus den Augen!) tatsächlich immer langsamer zu drehen, was ich im Vergleich mit meiner famosen Atomuhr leicht feststellen kann und darüber hinaus weiß ich sogar dadurch, wie schnell ich mich in Bezug auf die Erde bewege. Um da einen klaren Überblick zu behalten, muss ich lediglich stets die Lichtlaufzeit berücksichtigen. Es besteht also keine Gefahr, dass mich plötzlich der Herzzickzack wegen eines Pulses von 20 000 dahinrafft.

Auch dreht sich die Erde nur solange langsamer für mich, solange ich mich von ihr wegbewege. Wenn die Distanz gleichbleibt, bleibt auch die Erddrehung gleich schnell. Auf der Rückreise aber komme ich dem Licht entgegen und die Erdrdrehung wird nun schneller wahrgenommen. Natürlich genau so, dass keine Information dabei verlorengeht oder dazukommt, die Anzahl der von mir registierten Erdumkreisungen um die Sonne muss bei der Rückkehr daher mit jener Anzahl übereinstimmen, die ein Erdbewohner festgestellt hätte.
Das ist eben unweigerlich so - und aus der veränderten Wahrnehmung der Erdbewegungen bei Abreise und Rückreise weiß ich, wie schnell ich war, wie weit ich gereist bin und wielange ich unterwegs war - ich weiß aber auch, dass ich im Vergleich zum Erdbewohner weder älter noch jünger geworden sein kann - denn ein Jahr ist eben ein Jahr und ein Tag eben ein Tag und eine Stunde eben eine Stunde etc.etc.
So soll mal einer sagen, dass die Erde keine famose Uhr ist!
Grüße
Harald Maurer