Jocelyne Lopez hat geschrieben:
Hallo Ralf,
Ich fand es Klasse, dass Du die Initiative ergriffen hast, einen Experten der SRT wie Thomas Bührke um eine Erläuterung zu bitten,

und ich fand auch Klasse, dass er geantwortet hat.
Nachdem nun seine Erläuterung eine Diskussion über Hunderte von Seiten im MAHAG in mehreren Threads ausgelöst hat, könntest Du vielleicht die weitere Initiative ergreifen, ihn noch einmal um eine Erläuterung zu bitten? Die Möglichkeit hat er durch seinen freundlichen Ton und auch sein Schlußwort meiner Meinung nach angeboten: „
Ich hoffe, Ihnen weitergeholfen zu haben.“ Oder?
Weiter geholfen wurden wir zwar im Kreuzfeuer mit den „
richtigen Transformationen“ nicht (und eine Einigung ist nicht in Sicht

) , jedoch man könnte ruhig die ganze Transformationen-Arie als Nebenschauplatz zur Seite legen und eine Kernfrage klären lassen, die sich im Laufe der Austausche herauskristallisiert hat: Sind die relativistischen Effekte, die mit der Lorentztransformation berechnet werden, Meßeffekte oder realisieren sie sich physikalisch in der Natur?
Dass die Längenkontraktion keine reale, materielle Verkürzung der bewegten Objekte in der SRT bedeutet, sondern ein Meßeffekt ist, wissen wir schon verbindlich durch Markus Pössel vom Albert Einstein Institut. Abgehakt.
Bleibt also die Zeitdilatation - und ihre mathematische Nebenerscheinung die Relativität der Gleichzeitigkeit.
Es wäre meiner Meinung nach weiterbringend zu klären, ob Thomas Bührke die Zeitdilatation als einen realen Effekt ansieht: Die Zeit verlangsamt sich real für bewegte Objekte, was man auch aus den realen physikalischen Auswirkungen im Zwillingsparadoxon schließen kann, oder die Zeitdilatation ist ein Meßeffekt, der von nicht synchron laufenden Uhren verursacht wird.
Ich würde zum Beispiel solche Fragestellung an Thomas Bührke vorschlagen:
1) Soll man annehmen, dass die Zeitdilatation in der SRT einen realen Effekt darstellt, der physikalische Auswirkungen wie im Zwillingsparadoxon verursacht, oder soll man annehmen, dass die Zeitdilatation in der SRT analog zur Längenkontraktion ein Meßeffekt ist?
2) Wenn die Zeitdilatation als realen, physikalischen Effekt angenommen werden soll, was ist seine physikalische Ursache?
Was meinst Du?
Viele Grüße
Jocelyne Lopez
Hallo Jocelyne, zunaechst einmal ein Dankeschoen an alle, die sich naeher mit diesem Thema auseinandergesetzt haben und immer noch tun. Dabei wirkte der kleine Briefwechsel mit Thomas Buehrke wohl auch mit als Katalysator fuer einige ziemlich lange Diskussionen, von der ich sicher bin, dass sie einige als produktiv einstufen und andere als Fiktion. Wie schon mehrfach herausgestellt, war und ist mein momentanes Anliegen, die Aussagen der SRT korrekt zu verstehen, ohne zunaechst auf die Kritikpunkte einzugehen, zumindest nicht gleichzeitig. Damit will ich nicht behaupten, dass die SRT privilegiert sei, die Realitaet durch ihr Raum-Zeit-Kontinuum korrekt zu beschreiben. Sie fuehrt halt zu Aussagen, die sich laut Mainstream-Meinung mit den Beobachtungen decken. Dies nur als Hinweis, dass ich durchaus auf der Suche nach Antworten bin, aber ich versuche mir zunaechst ein paar Grundlagen zu verschaffen.
1) Die Frage, ob die in der SRT beschriebene Zeitdilatation ein realer Effekt sei, wird Thomas Buehrke wohl bejahen. Wenn dies nicht so waere, dann worauf sollten sich vermeintliche
Tatsachen berufen wie z.B. der Myonen-Zerfall und das Haefele-Keating Experiment. Demnach geht die Zeit in einem bewegten Bezugssystem wirklich langsamer und wenn z.B. der sich mit realitivister Geschwindigkeit bewegende Zug anhaelt, dann gibt es wohl laut SRT einen messbaren Zeitunterschied zum Bahndamm. Wie gesagt, das alles ist Teil der SRT und entspringt nicht meinen Ueberzeugungen. Die Bewertung dieser Aussage bewahre ich mir fuer die Zukunft auf.
2) Zu deiner zweiten Frage moechte ich behaupten, dass diese nur aus den Annahmen der SRT erklaert werden kann. Will heissen: aus einem dazu ruhendem Bezugsystem wird in einem bewegten Bezugssystem das Licht verlangsamt gemessen und daraus wird geschlossen, dass die Zeit und logischerweise alle anderen physikalischen Ablaeufe ebenfalls verlangsamt ablaufen. Ich behaupte, dass die SRT aber nicht tiefer in die physikalischen Ursachen abtauchen kann.
Es sei denn, dass ich mich total verhauen habe mit meiner Einschaetzung der Aussagen der SRT zu deinen Fragen, so denke ich, dass die Antworten von Thomas Buehrke so in etwa erfolgen wuerden (aber wesentlich eleganter, er ist eben Schriftsteller und fit im Thema der SRT). Und das waere wohl keine grosse Hilfe oder Erkenntnis fuer dich und andere, oder?
Was meinst du und was meinen die anderen? Gibt es offene Fragen an Buehrke, die sich auf die korrekte Auslegung der Vorraussagen der SRT beziehen? Sicher wuerde Buehrke sich nicht auf offene Kritik zur SRT stellen wollen.
Gruss Ralf.