Jocelyne Lopez hat geschrieben:Damit Du die SRT kennenlernst, ist es aus meiner Sicht wichtig auf den schwammigen Sprachgebrauch von Einstein in seiner SRT hinzuweisen, der ein Verständnis seines Gedankenganges extrem erschwert bzw. unmöglich macht, weil es die Grundlage seiner Theorie berührt: Man kann nämlich durch den Sprachgebrauch von Einstein nie klar entscheiden, ob er meint, dass die Blitze tatsächlich den Schaffner ungleichzeitig erreichen (= physikalischer Vorgang, sprich eine Messung), oder ob er meint, dass ein Außerbeobachter "sieht", dass die Blitze den Schaffner ungleichzeitig erreichen (= kein physikalischer Vorgang, keine Messung).
Diese Unsicherheit zwischen physikalischer Realität und Schein zieht sich wie einen roten Faden durch die ganze SRT. Das ist auch ein Dauerbrenner seit 100 Jahren in der Kritikergemeinde, was zum Beispiel von der Forschungsgruppe G.O. Mueller analysiert wurde:
Relativistische Effekte: Anschein oder Realität?
oder zum Beispiel auch von Wolfgang Herrig
13. Brief aus meiner Mühle
oder zum Beispiel auch von Peter Ripota in seinem Gartenzaunparadoxon: "Was ist da geschehen? Das Wechseln des Standpunkts macht etwas möglich, was vorher unmöglich war. Aber, ist das Ganze vielleicht nur Illusion? Dann muss auch, aus Symmetriegründen, das Zwillingsparadoxon Illusion sein, und wir brauchen uns um beides keine Gedanken machen. Mit anderen Worten: Wären die Effekte nur scheinbar, wäre auch die Relativitätstheorie überflüssig, denn Physik beschäftigt sich mit Sein, nicht mit Schein."
Es war auch meine Erfahrung, dass die Originalschrift von Einstein zum Erlernen oder Kennenlernen der Theorie ziemlich unbrauchbar ist. Das mag an verschiedenen Gruenden liegen, wie alte Sprache, unklarer Gebrauch von Anfuehrungsstrichen, komplizierte Art und Weise Sachverhalte zu erklaeren, und vielleicht ist die Schwierigkeit auch in meiner Auffassungsgabe zu suchen. Ich bin dann auf andere alternative Lektuere ausgewichen, die das von Einstein Gemeinte in die Moderne bringt, ausgehend von der Annahme, dass sich in dieser modernen Lektuere die Theorie vollends kohaerent darstellt und vielleicht sogar moegliche Unstimmigkeiten oder Fehler korrigiert wurden.
Jocelyne Lopez hat geschrieben:Deshalb interessiere ich mich nie für das ganze Chaos mit den Transformationsvorgängen, weil sie keine physikalischen Messungen sind, sondern nur willkürlich verwendete theoretische Grundlagen, die man beliebig anders gestalten kann, um beliebig festzulegen, was der Außenbeobachter vermeintlich "sieht", wenn er beobachtet, wie der lichtempfangende (Haupt)Beobachter das Licht tatsächlich empfängt. Man kann zum Beispiel willkürlich die Lorentztransformation oder die Galileitransformation anwenden, oder auch meinetwegen jede andere beliebige Transformation, um blind festzulegen, was der Außenbeobachter vermeintlich "sieht", wenn er den lichtempfangenden Beobachter beobachtet.
Ich kann durchaus verstehen, dass sich hier auf den ersten Blick eine gewisse Willkuer vermuten laesst. Es lohnt sich trotzdem, sich mit den Vorraussagen der LT der SRT auseinanderzusetzen, so wirst du die gleiche Sprache wie die Relativisten sprechen koennen.
Gruss Ralf.

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