Lübecker hat geschrieben:Von wem kam da doch gleich die Rechnung zum Beispiel von Einstein mit der Behauptung der Wärter und der Schaffner würden beide in ihrem IS das Licht der Blitze gleichzeitig beobachten, obwohl sich der Schaffner nicht an dem Ort des Wärters befinden, als dieser von dem Licht der Blitze gleichzeitig erreicht wird?
Jetzt wirf doch mal den ganzen Uhrensalat, der sich in Deinem Kopf angesammelt hat, über Bord und ordne Deine Gedanken neu:
Einsteins Postulat besagt, dass in jedem Inertialsystem sich Licht isotrop mit der konstanten LG c ausbreitet und diese Geschwindigkeit invariant gegenüber jedem anderen Inertialsystem ist.
Du befindest Dich also in einem Inertialsystem, legst eine Messstrecke fest und stellst an deren Endpunkte je eine Uhr hin, die Du synchronisieren möchtest. Was machst Du? Du ermittelst die Mitte zwischen den Uhren, löst dort einen Lichtblitz aus und die Lichtimpulse bewegen sich zu jeder der Uhren, die so konstruiert sind, dass sie beim Eintreffen des Lichtsignals zu laufen beginnen - und aufgrund des Postulats werden sie dies gleichzeitig tun. Oder Du stellst an die Endpunkte jeweils einen Spiegel, dann werden die Signale reflektiert und werden gleichzeitig zum Mittelpunkt zurückkehren. Das kannst Du jederzeit machen, völlig gleichgültig, ob sich das Inertialsystem gegenüber irgendeinem Bezugspunkt bewegt oder nicht -für dich ist es ja immer ruhend!
Jeder Beobachter kann dies immer und überall tun. In seinem Inertialsystem wird er stets eine isotrope, konstante und invariante Lichtausbreitung und Lichtgeschwindigkeit vorfinden. So will es die SRT - und Experimente haben bislang nach öffentlicher Meinung nichts anderes ergeben!
Das gilt für jedes Inertialsystem, ganz egal, ob sie sich zueinander bewegen, ineinander liegen, sich kreuzen oder sonstwas tun.
Nun hast Du zwei Inertialsysteme, eines ist der Bahndamm und das andere der Zug. Für jedes dieser beiden Inertialsysteme gilt das vorhin Gesagte. Jeder der Beobachter, der Wärter am Bahndamm oder der Schaffner im Zug kann nun dasselbe Manöver etwa zur Synchronisation seiner Uhren oder das Spiel mit den Spiegeln durchführen - und laut Einsteins Postulat muss jeder dasselbe erleben, gleichzeitigen Start der Uhren oder gleichzeitige Rückkehr der Lichtimpulse von den Spiegeln!
Wenn nun beide Beobachter ihr Experiment starten in dem Moment, in welchem ihre Lichtblitze am gleichen Ort sind, dann darf es keine Rolle spielen, ob sie sich weiter bewegen, ruhen, oder eines ruht und das andere bewegt ist . Nach wie vor gilt sowohl für den Zug als auch für den Bahndamm das Postulat, also das anfangs Gesagte! Nach SRT kann es nicht anders sein, als dass jeder Beobachter seine losgeschickten Lichtimpulse wieder gleichzeitig empfangen wird! Egal, wo sie sich gerade befinden! Wenn also jemand behauptet, der Schaffner oder der Wärter würden ihre Lichtsignale nicht gleichzeitig empfangen, etwa weil sich ein IS bewegt und das andere nicht, dann ist das nach SRT falsch und widerspricht dem Postulat.
Nun haben wir genau so ein Szenario vor uns. Jeder der Beobachter kann ja im Moment des Zusammenfalls ihrer Synchronblitze an den Endpunkten ihres IS jeweils einen Blitz auslösen. Diese beiden Blitze müssen aufgrund des Postulats in jedem IS gleichzeitig aufleuchten und ihre Lichtimpulse müssen den Beobachter in der Mitte seines IS gleichzeitig erreichen - bzw. wird jeder der Beobachter seine Blitze gleichzeitig
wahrnehmen! Das Verfahren kann man natürlich auch abkürzen, indem man im Moment, an welchem die Endpunkte der IS zusammenfallen, jeweils einen Blitz auslöst. Die Lichtimpulse ziehen in jedem IS zur Mitte, zum Beobachter - und wieder gilt das Postulat in jedem IS und jeder Beobachter muss die Lichtimpulse gleichzeitig wahrnehmen, obwohl sich in Folge die IS weiterbewegen. Das hat keinerlei Einfluss. Leuchten an den Endpunkten gleichzeitig die Blitze auf, dann wird der Beobachter sie auch gleichzeitig wahrnehmen. In jedem IS blieb die Lichtausbreitung ja isotrop und die LG konstant!
Klassisch, mit der Galileitransformation ergibt sich das Problem, dass beim Übertrag der Koordinaten von einem IS zum anderen (also vom Bahndamm zum Zug) sich für einen der Beobachter ergibt, dass er die Lichtimpulse nicht mehr gleichzeitig zurückbekommt. Dann wäre aber das Postulat nicht eingehalten. Man braucht also eine Transformation, die beim Übertrag der Koordinaten genau das ergibt, was das Postulat fordert: gleichzeitige Wahrnehmung der Blitze durch jeden der Beobachter! Und das schafft die Lorentztransformation. Sie überträgt die Koordinaten in bestimmter Weise und gibt jedem IS seine eigene Zeit und das Ergebnis ist dann tatsächlich, dass das Postulat in jedem der IS aufrecht bleibt - und daher natürlich auch jeder der Beobachter die Blitze gleichzeitig wahrnimmt. Da die Zeitebenen durch die LT verschoben werden, werden für jeden Beobachter die Zeitpunkte der Blitze im anderen IS nicht mit seinen Zeitpunkten übereinstimmen. Das muss auch so sein, weil der ruhende Beobachter den anderen ja bewegt sieht, welcher folglich sich gegen das im ruhenden IS konstante Licht bewegt und daher Ungleichzeitigkeit der Lichtrückkehr eintreten müsste. Die LT lässt aber einfach die Uhren ungleichzeitig starten, und das kompensiert die Bewegung wieder - und das Licht kehrt daher auch im bewegten IS gleichzeitig zurück. Es geht nur darum, das Postulat in jedem IS aufrecht zu erhalten, natürlich mit der Folge, dass jeder der Beobachter die Blitze gleichzeitig wahrnimmt und damit auch kein Experiment zur Verfügung hat, mit Hilfe des Lichts seinen Bewegungszustand nachzuweisen!
Soweit muss also mal völlig klar sein, dass nach SRT jeder der Beobachter, der Wärter und der Schaffner die Blitze gleichzeitig wahrnehmen muss. In der Folge muss man nur noch verstehen, wie das die LT bewerkstelligt. Dabei muss man beachten, dass jedes IS seine eigenen Uhren hat und eigene Koordinaten setzt. Und die Uhren nur innerhalb der IS synchron laufen, aber sich in ihren Zeitanzeigen bezogen auf das jeweils andere IS unterscheiden. Für diesen Zeitunterschied gibt es auch eine Erklärung, aber das ist vorerst gar nicht so wichtig. Wichtig ist die Einhaltung des Postulats in jedem der IS!
Wenn das erstmal klar ist, dann kann man sich die Lorentztransformation etwas genauer anschauen!
Kannst Du das in deinen Kopf hineinbekommen? Ohne dich irritieren zu lassen von irgendwelchen Beispielen in irgendwelchen Büchern, die leider nicht ganz glücklich geschildert bzw. unvollständig sind?
Grüße
Harald Maurer