fallili hat geschrieben:
1) Da die Blitze von L1a und L2a daher als "am gleichen Raumpunkt und gleichzeitig" ansehbar sind (ich nehme dafür den sehr realisierbaren Fall an, dass die Raumschiffe im Millimeterabstand aneinander vorbeifliegen) ist dieses Ereignis auch in allen anderen Inertialsystemen als gleichzeitig zu erkennen.
2) Das selbe gilt für die beiden Blitze L1b und L2b
Da vermischst Du jetzt die Bezugssysteme. Nehmen wir an, Du bist der Beobachter im ruhenden IS L2, dann kannst Du die Gleichzeitigkeit der Blitze a und b nur in Deinem Ruhesystem feststellen, denn Deine Uhren laufen synchron. Die Uhren im bewegten IS1 sind dagegen nicht mit Deinen Uhren synchron, und Du kannst daher über die Gleichzeitigkeit im bewegten System nicht von vornherein etwas aussagen. Wenn Du wissen willst, wie Deine Messwerte vom anderen IS aus beurteilt werden, musst Du die LT benutzen, denn der andere Beobachter hat sein eigenes Koordinatensystem und eigene Uhren und beurteilt die Ereignisse von seinem Ruhesystem aus, dem gegenüber Du dann das bewegte IS bist. Nach dem von Dir geschilderten Szenario stellst Du also fest, dass jeweils 2 Blitze (L1a und L2a bzw. L1b und L2b) gleichzeitig aufblitzen. Wieviele Blitze das jeweils sind, spielt keine Rolle. Es könnten ja auch zwei Weihnachtsbäume mit 100 Lämpchen darauf aufblitzen - das ändert nichts daran, dass die von Dir festgestellte Gleichzeitigkeit für das andere IS keine Gültigkeit hat, weil der andere Beobachter für ein und dieselben Ereignisse andere Koordinaten und Zeiten setzt. Die LT ist daher eine Koordinatentransformation und die Ereignisse ändern sich dadurch nicht. Und es gilt nach wie vor meine Erklärung im vorigen Beitrag: Jeder Beobachter wird das Aufblitzen der 4 Blitze oder der Weihnachtsbäume gleichzeitig wahrnehmen, weil die Relativität der Gleichzeitigkeit die Bewegungen der IS gegen das Licht kompensiert und dadurch das Postulat in jedem IS gewahrt ist.
fallili hat geschrieben:
Oder anders gesagt, wenn B1 und B2 Lichtdetektoren mithaben, müssten beide in dieser "Versuchsanordnung" immer ein einziges Signal anzeigen.
Ja, laut SRT sollte dies der Fall sein!
fallili hat geschrieben:
Das widerspricht aber der völlig logischen Aussage dass B1 sich auf L2b zubewegt (und sich von L2a wegbewegt) und daher das Signal von L2b früher bei B1 ankommen MUSS als das von L2a.
Das muss eben dann nicht der Fall sein, wenn für B1 das Signal, auf das sich das IS zubewegt, später startet als jenes, von dem sich B1 weg bewegt. Das ist ja der springende Punkt an der Sache: die Relativität der Gleichzeitigkeit! Bei B1 kommen die Signale daher gleichzeitig an. Die SRT postuliert eben, dass die LG in jedem IS konstant c hat, daher müssen die Signale in jedem IS unabhängig vom Bewegungszustand in der Mitte gleichzeitig ankommen. Mit der Galileitransformation kommt das nicht heraus, sondern nur mit der Lorentztransformation ergibt sich das. Ob sich das Licht tatsächlich so verhält, ist damit weder begründet noch bewiesen. Aber wenn's nicht wahr ist, ist es zumindest gut erfunden!
fallili hat geschrieben:
Und da EIN Beobachter nicht in einem Experiment sowohl ein als auch 2 Signale detektieren kann muss ich da irgendetwas völlig missverstehen und hab keine Ahnung was ich da falsch interpretiere.
Das Problem, das Du damit hast, ist nachvollziehbar. Das Postulat ist "dem gesunden Menschenverstand" zuwider, und daher muss man diesen zuerst ablegen... Es gibt da eigentlich gar nichts zu verstehen, weil das Postulat keine physikalische Begründung hat. Die SRT wird seit 100 Jahren deshalb kritisiert - und das kann daran liegen, dass die Kritiker ungläubig oder dumm sind, aber auch daran, dass diese Theorie schlicht und einfach mathematischer Humbug ist. Ich persönlich denke, letzteres trifft zu!
Grüße
Harald Maurer