Highway hat geschrieben:Lübecker hat geschrieben:Die Frage hier war, ob das PTB für die Zeitsynchronisation mit GPS den Sagnac-Effekt berücksichtigt hat, oder nicht und ob diese Information erst auf Nachfragen bekannt gegeben wurde. Das ist nicht der Fall, der Sagnac-Effekt wird für Zeitsynchronisation mit GPS berücksichtigt und dieses wurde nie verschwiegen. Wie auf der Seite der PTB nachzulesen ist.
Na ja, ob das immer so lesbar war - may be. Ist aber erst einmal egal.
So lesbar war das gar nicht, ganz im Gegenteil:
Der Präsident der PTB, der als Allererster genau wissen sollte, wie die Uhren synchronisiert werden, das ist ja sein Job, erklärt erst einmal, dass die Messung der Geschwindigkeit der Neutrinos nur deshalb "hoch präzis" sein konnte, weil der Einstein-Effekt, also c=const, programmiert wurde:
PTB 28.06.12:
Neutrino-Experiment: Anfrage an die Physikalisch-Technische Bundesanstalt[...] Die Kalibrierung von GPS-Zeitsynchronisationsverbindungen ist seit Jahren eine Routineangelegenheit für die Zeitlaboratorien dieser Welt. Die hohe Präzision, die dort erreicht wird, ist nur möglich, indem alle relevanten Effekte von Relativitätstheorie, von Atmosphärenphysik und von der Elektronik in den Satellitenterminals berücksichtigt werden. Sie können also beruhigt sein, dort ist nichts schief gegangen. [...]“
Die Welt war am 28.06.12 in Ordnung für den Präsident der PTB, wie schön.
Dann erklärt er auf meine lästige Rückfrage, er habe nie daran gezweifelt, dass weder der Hersteller seines Empfängers noch der Autor der angewandten Software des BIPM den Sagnac-Effekt korrekt berücksichtigt haben und dass er keinen Grund zur Annahme hat, dass ein Fehler in der Software der BIPM bei der Programmierung des Sagnac-Effekts enthalten sein könnte:
PTB 20.07.2012:
In diesem Kalibrierreport finden Sie das Wort Sagnac-Effekt nicht. [...] Im Annex II, Punkt iii-4 wird der Sagnac-Effekt erwähnt. [...] Wir haben es nie in Frage gestellt, dass sowohl der Hersteller unseres Empfängers als auch der Autor der R2CGGTTS-Software, die vom BIPM gepflegt und verteilt wird, den Sagnac-Effekt korrekt einrechnen. [...] Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Ihnen über den inneren Aufbau fremder Software einfach deshalb keine weitere Auskunft geben können, weil wir selber ja auch nicht mehr wissen. Wie gesagt, weil alle Ergebnisse konsistent zusammenpassen, haben wir keinen Grund zur Annahme, dass die Software des BIPM einen Fehler bei der Korrektur der relativistischen Effekte (Sagnac) enthalten könnte.
Für den Präsidenten der PTB wird also die Synchronisation der Uhren so vorgenommen:
1) Man programmiert erst einmal in der Software c=const als relevanter Effekt der RT, um die notwendige "
hohe Präzision" der Messung zu erreichen.
2) Man "
korrigiert" diesen relevanten Effekt der RT c=const in der Software selbstverständlich durch den Sagnac-Effekt c+v (Zitat:
"Korrektur der relativistischen Effekte").
Mehr weiß der Präsident der PTB nicht.
Er weiß nur, dass als Ergebnis der mathematischen Berechnung (c=const korrigiert durch c+v) als offizielles Ergebnis der Messung
c=const rauskommt. Logisch, oder? Uff, die Welt ist wieder in Ordnung.
Viele Grüße
Jocelyne Lopez