Gerhard Kemme hat geschrieben:Nun allerdings zu sagen, dass die Quadratische Funktion in der Natur angelegt ist und nur noch entdeckt werden musste, verkennt etwas den Arbeitsvorgang von Mathematikern und Naturwissenschaftlern, d.h. hier wird per Denkarbeit Neues geschaffen.
Das hat Euklid -wie gesagt- anders gesehen. Er war überzeugt, dass seine Geometrie die Wirklichkeit wiedergibt. Ich denke nicht, dass er den Arbeitsvorgang der Beobachtung, Überlegung und Formulierung seiner Geometrie verkannt hat. Ich teile seine Überzeugung, dass seine Geometrie Grundstrukturen der Wirklichkeit entdeckt, entschleiert.
Gerhard Kemme hat geschrieben:Entsprechend sehe ich es bezüglich dem Begriff des Inertialsystems, d.h. man hält es für nützlich, dass bestimmte Bewegungseigenschaften in einem bestimmten räumlichen Bereich mit einem Begriff zusammengefasst werden können und so hat man dann den Begriff Inertialsystem geschaffen.
Insofern wir über Dinge reden, die wir interessant oder gar zu unserem Zwecke nützlich finden, gilt das, was Sie hier sagen, nicht nur für Inertialsysteme, sondern für alles Mögliche. Erst wenn der Mensch sich für Mineralogie interessiert, gibt er den Steinen Namen.
Die Steine existieren aber trotzdem tatsächlich und auch bereits dann, wenn sich noch niemand für sie interessiert. Nun fassen wir viele individuelle Steine zu einer Steinart zusammen und geben dieser einen Namen, weil wir das für nützlich erachten. Mit den Inertialsystemen verhält es sich entsprechend. Sie existierten lange bevor Galileo Galilei das Trägheitsprinzip erklärte und Ludwig Lange die Bezeichnung Inertialsystem prägte.
Wir schaffen nicht u.a. mit Denkarbeit Neues, sondern wir erweitern u.a. mit Denkarbeit unsere Erkenntnis dessen, was wirklich ist. Jedenfalls dann, wenn wir tatsächlich Physik betreiben (*).
Gruß
Faber
(*) und nicht -wie David Hilbert- formalistische Mathematik: man könne statt „Punkte, Geraden und Ebenen“ jederzeit auch „Tische, Stühle und Bierseidel“ sagen; es komme nur darauf an, dass die Axiome erfüllt sind.